Suzanne von Borsody liest Frida Kahlo in Duisburg

Lesung mit Suzanne von Borsody : Hommage an Frida Kahlo

Suzanne von Borsody und das Trio Azul gastierten in der Duisburger Zentralbibliothek. In Briefen, Gedichten und Tagebucheintragungen lässt die Schauspielerin von Borsody mit ihrer unverwechselbar sanftan und rauen Stimme, die große Malerin zu Wort kommen.

47 Jahre bewegt gelebtes Leben in 100 Minuten erzählt bedeutet eine große künstlerische Herausforderung. Die durch zahlreiche Film-, Fernseh- und Bühnenauftritte bekannte und mit zahlreichen Medien- und anderen Preisen dekorierte Schauspielerin und Synchronsprecherin Suzanne von Borsody hat sich dieser gestellt. Herausgekommen ist ein aus Biografien, Briefen, Notizen, Tagebüchern und Gedichten von und über die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) zusammengestelltes Konvolut, das vom Musiktrio Azul vertont und unter der Regie von Martin Mühleis als musikalisch-literarisches Porträt von ihr eingesprochen wurde. Anlässlich der Premiere in den Mainzer Kammerspielen 2010 entstand unter dem Titel „Suzanne von Borsody liest Frida Kahlo“ ein Livemitschnitt, der seitdem als Doppel-CD im Handel gekauft oder in einer gut sortierten Bibliothek – wie der Duisburger – ausgeliehen werden kann.

Mit diesem Programm geht von Borsody auch auf Lesereise. So am Samstagabend in der ausverkauften Zentralbibliothek mit dem Trio Azul. „Ich lächelte. Weiter nichts. Und in mir wurde es hell“, heißt es nicht nur als Untertitel auf der besagten CD, sondern beginnt auch ein Gedicht der damals erst 15-jährigen Kahlo, mit dem die vielseitige Künstlerin von Borsody und ihrer unverwechselbaren Stimme die Lesung eröffnete. In typischem Kahlo-Look, mit blumigem Haarschmuck und großem rotem Schal, sprach sie den Text, mal rezitierend, mal vorlesend, mal spielend, mit sanfter, teils mit rauer Stimme. So entstand der Eindruck, Kahlo selbst sei hier.

Höhepunkte waren zwei Briefe der Kahlo, die mit „Christina“ und „Liebster Nick“ überschrieben sind: Der erstgenannte Brief handelt von der Zerrüttung ihrer Ehe mit Diego Rivera 1934, der mit Kahlos Schwester Christina eine Affäre hatte. Von Borsody spricht diesen Brief so, als würde Kahlo ihn hier und heute schreiben – enttäuscht, am Boden zerstört bis wieder kämpferisch. Den anderen, der unter reichlich Alkoholeinfluss geschriebene Brief an Kahlos Liebhaber, Nickolas Muray, von 1939, liest sie fast spielend mit beschwipster Stimme – teils lallend, aber stets bei klarem Verstand.

„Fröhlich warte ich darauf, das Haus zu verlassen und hoffe, nie wieder zurückzukommen.“ So lautet Kahlos letzter Tagebucheintrag vor ihrem Tod. Großer Schlussapplaus für von Borsody – stellvertretend für die Kahlo.

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