Universität Duisburg-Essen Forscher finden Zusammenhang zwischen Psyche und Post-Covid

Duisburg · Wer an einer psychischen Krankheit leidet, ist auch anfälliger für das Post-Covid-Syndrom. Das haben Forscher der Universität Duisburg-Essen nun festgestellt. Ein weiteres Ergebnis ihrer Untersuchung dürfte allen Betroffenen Mut machen.

Eine „Long Covid“-Patientin wird im Unfallkrankenhaus Berlin behandelt (Symbolbild).

Eine „Long Covid“-Patientin wird im Unfallkrankenhaus Berlin behandelt (Symbolbild).

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Eine psychische Vorerkrankung wie eine Depression oder eine Angststörung erhöht das Risiko, an einem Post-Covid-Syndrom zu leiden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Essen und der Universität Duisburg-Essen, das 171 Patientinnen und Patienten mit Post-Covid untersucht hat, wie die Hochschule am Freitag mitteilte. Die Erkenntnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Neurology and Therapy“ veröffentlicht.

Aufgrund der Forschungen gehe man davon aus, dass psychologische Mechanismen für die Entstehung des Post-Covid-Syndroms wichtig seien. „Man weiß seit Jahrhunderten, dass Körper und Geist eine Einheit bilden und sich übermäßiger Stress, ein seelischer Konflikt oder eine Depression in körperlichen Beschwerden ausdrücken kann. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass sich die Patientinnen und Patienten die Symptome nur einbilden“, sagte der Direktor der Klinik für Neurologie am Uni-Klinikum Essen, Christoph Kleinschnitz.

Eine gründliche neurologische Untersuchung von Menschen, die unter einem vermeintlichen Post-Covid-Syndom leiden, lohne sich in jedem Fall. Mitunter würden dabei andere Ursachen für die Beschwerden festgestellt. „Wir haben einige Überraschungen erlebt. So fanden wir bei Menschen, die dachten, an Post-Covid zu leiden, am Ende eine Multiple Sklerose, eine Gehirnhautentzündung oder eine Migräne“, betonte Kleinschnitz.

Laut den Forschern gibt es mehr als 200 Post-Covid-Symptome. Viele lägen im Bereich des Nervensystems. „Unsere Daten zeigen, dass obwohl viele Betroffene über neurologische Beschwerden klagen, sich diese in der neurologischen Untersuchung so gut wie nie objektivieren lassen. Selbst im MRT des Gehirns oder in der Nervenwasseruntersuchung finden sich zumeist keine bleibenden Folgen der Covid-Infektion“, erklärte der Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Klinik für Neurologie, Mark Stettner.

Den Angaben zufolge entwickeln bis zu zehn Prozent der Covid-Patienten nach überstandener Akutinfektion ein Post-Covid-Syndrom, also über Wochen und Monate anhaltende Beschwerden. Nach Angaben des Forscherteams werden die Nervensysteme der Betroffenen in den meisten Fällen nicht dauerhaft geschädigt. Bei 86 Prozent der Personen war die neurologische Untersuchung komplett unauffällig. Ein Zusammenhang zwischen der akuten Covid-Infektion und dem Auftreten von Langzeitfolgen ließ sich nur in rund zwei Prozent der Fälle feststellen.

(mlat/epd)
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