Duisburg: Streit um Seniorenheim

Duisburg : Streit um Seniorenheim

Das seit Jahren unbewohnte Welker-Stift wird im Internet für 3,4 Millionen Euro angeboten. Da sich kein Käufer findet, soll es abgerissen werden. Doch der Eigentümer streitet sich mit den Behörden um den Denkmalschutz.

Wer im Internet nach Anlageobjekten in Duisburg sucht, stößt auf der Plattform "Immobilien Scout" auf ein nicht alltägliches Angebot: Zum Verkauf steht ein "komplett eingerichtetes Seniorenheim in zentraler Lage". Dabei handelt es sich um das seit Jahren unbewohnte Welker-Stift an der gleichnamigen Straße im Dellviertel. Das Objekt sei komplett eingerichtet und könne nach kleineren Sanierungsmaßnahmen wieder betrieben werden, heißt es im Exposé. Kaufpreis für die 1989 letztmalig modernisierte Immobilie: 3,4 Millionen Euro.

Abbruchantrag abgelehnt

So weit, so gut. Tatsächlich findet sich kein Käufer für das 1969 gebaute und im Folgejahr eingeweihte Seniorenheim. Nach Angaben des beauftragten Maklers habe es zuletzt zwar aussichtsreiche Verhandlungen mit einem Düsseldorfer Investor gegeben. Schließlich scheiterte das Geschäft aber doch. Inzwischen wurde das Gebäude leer geräumt und ein Abbruchantrag bei der Stadtverwaltung gestellt. Wie das Presseamt auf Anfrage mitteilt, hatte der Antrag zur Folge, dass die "bauliche Anlage vorläufig unter Schutz gestellt worden ist". Dagegen laufe ein Klageverfahren des Eigentümers.

Konkret geht es offenbar um Teile der 1924 erbauten Stiftervilla, die sich ebenfalls auf dem Grundstück zwischen der Düsseldorfer Straße und der Autobahn 59 befindet. Der Eigentümer, die Welker-Stiftung, will sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht öffentlich zu der Angelegenheit äußern. Man wolle zunächst ausstehende Gespräche mit der Stadt Duisburg abwarten, hieß es. Auch zu einem zweiten, modifizierten Abbruchantrag, der der Verwaltung bereits vorliegt, nimmt die Stiftung keine Stellung.

Der jetzt aufgeflammte Streit um den Denkmalschutz verhindert die Umsetzung des längst vorliegenden und vom Rat verabschiedeten Bebauungsplans für das Areal. Demnach sollte im Dellviertel ein völlig neues Quartier entstehen. Geplant sind hochwertige Wohnbebauung mit Tiefgaragen, Büros und Dienstleistungsangebote sowie anspruchsvoller Einzelhandel. Die Stiftervilla sollte in ein neues Hotel integriert werden.

Bezirksbürgermeister Reinhard Meyer ist angesichts des jahrelangen Planungsverfahrens der Meinung, dass im Dellviertel "schnell etwas passieren sollte". Er plädiert für altersgerechte Wohnungen oder Wohnformen, in denen alt und jung zusammenleben können. Meyer sagt aber auch: "Wenn dort alte Substanz festgestellt wurde, die noch nicht unter Schutz steht, sollte dies natürlich berücksichtigt werden."

(RP/rl)
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