Streit um Grobblechwerk von Thyssen in Duisburg Süd: IG-Metall rüstet sich

Werk auf dem Prüfstand : Grobblechwerk – die IG-Metall rüstet sich

Im Streit um die Zukunft des Thyssenkrupp-Grobblechwerkes im Duisburger Süden gibt sich die IG Metall kämpferisch. Gewerkschafts-Sekretär Dieter Lieske kritisiert die Aussagen des Vorstands. Die Duisburger SPD solidarisiert sich.

Die Stahlwerker in Hüttenheim blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Nachdem Thyssenkrupp Vorstand Guido Kerkhoff am vergangenen Donnerstag angekündigt hatte, das Grobblechwerk im Duisburger Süden auf den Prüfstand stellen zu wollen, sind Belegschaft, Betriebsräte und Gewerkschaften in heller Aufregung.

Für Dieter Lieske, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Duisburg, ist diese Entwicklung „schon ein ein starkes Stück“. Dass TKSE im Grobblechbereich technologische Probleme habe, sei seit Jahren bekannt. Die Betriebsräte hätten seit Jahren gemahnt und gewarnt und um Investitionen in die Technik gebeten. Der Konzernvorstand habe diese Wünsche in besorgniserregender Regelmäßigkeit in den Wind geschlagen. „Und nun, da man vor dem hausgemachten Scherbenhaufen steht, zeigt der Vorstand mit dem Finger auf die bösen Grobblech-Jungs, die angeblich ihren Laden nicht in den Griff bekommen. Das geht gar nicht“, sagt Lieske. Die IG Metall und die Stahlarbeiter seien zu Gegenmaßnahmen bereit, wenn es nötig werde. Noch wisse man aber nicht genug. Ende August komme der TKSE-Aufsichtsrat zusammen. „Mal sehen, ob dann schon konkrete Pläne auf den Tisch kommen.“

Der Duisburger Chefgewerkschafter rechnet nicht damit, dass es zu einer vollständigen Schließung des Werks kommen wird. Die dadurch entstehenden Kosten seien dem Vorstand sicherlich zu teuer, sagt Lieske. Die Arbeitnehmervertreter seien aber trotzdem auf alle Eventualitäten vorbereitet. Und die Geschäftsleitung könne sich sicher sein, dass die Arbeitnehmer in Hüttenheim Solidarität von den unterschiedlichsten Seiten erfahren würden.

So zum Beispiel von der Duisburger SPD. Deren Bundes- und Landtagsabgeordneten Bärbel Bas und Sarah Philipp sprachen den Arbeitnehmern in Hüttenheim schon am Wochenende ihre Unterstützung aus. Sie wollen den Stahlarbeitern in den kommenden Wochen und Monaten zur Seite stehen. Die Arbeitnehmer dürften nicht für die Fehler des Managements büßen. Das Grobblechwerk in Hüttenheim müsse erhalten bleiben, schreiben sie in einer Mitteilung.

Mit dem Verweis auf das Missmanagement stoßen die beiden Politikerinnen ins selbe Horn wie Tekin Nasikkol, Thyssenkrupp-Gesamtbetriebsratschef. Der ließ nach der Ankündigung Kerkhoffs verlauten, dass der Grobblechbereich „kein Bauernopfer für langjähriges Fehlmanagment“ sein dürfe. „Wir lassen nicht zu, dass unsere Kollegen so an den Pranger und der Standort Hüttenheim infrage gestellt werden – das Produkt Grobblech hat Zukunft“, sagte er.

Und der Betriebsratsvorsitzende des Standortes im Duisburger Süden, Mehmet Göktas, ist sogar davon überzeugt, dass „mit etwas Zeit, wenig Geld und fähigen Managern der Grobblechbereich wieder in den grünen Bereich kommen könnte.“ Der Markt sei lukrativ, sonst würden die Wettbewerber darin nicht investieren. Man arbeite arbeitnehmerseitig unter Beteiligung der Fachkräfte vor Ort an einem Projektplan und werde diesen zeitnah dem Vorstand vorstellen.

Nasikkol nahm vor diesem Hintergrund die Geschäftsleitung in die Pflicht: „Der Vorstand ist gefordert – wir erwarten nach dem abgesagten Joint Venture mit Tata Steel ein neues Zukunftskonzept für den Stahlbereich mit dem Produkt Grobblech“, sagte er. „Eine isolierte Betrachtung von einzelnen Standorten lehnen wir entschieden ab, weil im Verbund alle Standorte miteinander zusammenhängen. Die Kollegen an allen Standorten sind verunsichert, aber dennoch immer bereit, für ihre Zukunft und sichere Arbeitsplätze zu kämpfen. Keiner von uns sehnt sich nach einem zweiten Landschaftspark im Duisburger Süden.“

Dieter Lieske ist Erster Bevollmächtigter der IG Metall. Foto: Büttner, Martin (m-b)
Tekin Nasikkol ist Betriebsratsvorsizender der Stahlsparte. Foto: dpa/Roland Weihrauch
Bärbel Bas ist Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD. Foto: SPD

Bas und Philipp befürworten diese Strategie. „Vom Vorstand verlangen wir, ein ganzheitliches Konzept für die Thyssenkrupp-Stahlsparte vorzulegen“, schreiben die Duisburger Abgeordneten. „Die Zeit der Unsicherheit, nicht nur bei den Beschäftigten des Grobblechwerks in Hüttenheim, sondern an allen Thyssenkrupp-Stahlstandorten, muss endlich ein Ende haben.“ Es dürfe keine betriebsbedingten Bedingungen geben. Auch sie seien überzeugt davon, dass das Produkt Grobblech eine Zukunft habe. Es fehle nur die richtige Strategie vom Konzernmanagement.

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