Duisburg: Steinmeier angriffslustig

Duisburg : Steinmeier angriffslustig

Am Samstag führte der Wahlkampf Frank-Walter Steinmeier in den Landschaftspark Nord. Nur wenige Bürger waren zur Kundgebung erschienen. Der SPD-Kanzlerkandidat sparte nicht mit Kritik an der CDU.

Die SPD ist mitten im Wahlkampf. Dieses Gefühl kam am Samstag auch in Duisburg an — in Gestalt von Frank-Walter Steinmeier. Der Kanzlerkandidat hielt eine Wahlkundgebung im Landschaftspark Nord ab. In seiner Begleitung waren Politiker der SPD aus Duisburg, etwa der Landtagsabgeordnete Ralf Jäger, der Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug oder Bundestagskandidatin Bärbel Bas. Gekommen war auch Thomas Schlenz, Betriebsratschef von ThyssenKrupp, und die SPD-Landesvorsitzende Nordrhein-Westfalens, Hannelore Kraft.

Wenige Besucher

Während SPD-Mitglieder und Jusos aus Kleve und Mülheim in roten T-Shirts und mit großen Plakaten in erwartungsvoller Gespanntheit im abgesperrten Bereich vor der Bühne auf ihren Kanzlerkandidaten warteten, hatten nur wenige Bürger den Weg in den Landschaftspark gefunden, um Frank-Walter Steinmeier hautnah zu erleben. An politischen Gesprächen fehlte es aber nicht. Vor allem die Politikverdrossenheit wurde von den Umstehenden bemängelt: "Die Leute interessieren sich einfach nicht so."

Dabei bemühte sich die SPD offensichtlich um Unterhaltung. Witzige Wahlwerbespots, meistens auf Kosten Angela Merkels, und zackige Reden sollten den Wartenden einheizen, bis "er" schließlich kam. Frank-Walter Steinmeier marschierte durch Spalier stehende Jungsozialisten, flankiert von Bodyguards, eine Juso-Flagge wehte ihm voran. Auch wenn es schnell ging, dieses Bad in der Menge, der Kanzlerkandidat nahm sich die Zeit, um Hände zu schütteln und sich über aufmunternde Zurufe zu freuen — mit sympathischem Lächeln und glitzernden Augen hinter den Brillengläsern. Mit einem herzlichen "Glück auf!" wurden die Duisburger traditionell begrüßt.

Seitenhiebe gegen Rüttgers

Durch die gesamte Wahlkundgebung zog es sich wie ein roten Faden: Viel Kritik an der CDU, wenig konkrete Aussagen zu SPD-Politik. Besonders Ministerpräsident Rüttgers wurde wegen seiner Äußerungen über rumänische Arbeiter und chinesische Investoren von Steinmeier scharf kritisiert: "Solche Äußerungen sind Wasser auf die Mühlen von Extremisten. Duisburg will sozialen Zusammenhalt und keine ausländerfeindlichen Sprüche."

Die schlechten Umfrageergebnisse der SPD wusste der Kanzlerkandidat zu deuten: "Die wollen uns den Mut rauben, aber ich verspreche, das Ergebnis an der Bundestagswahl wird anders sein, als die CDU das jetzt glaubt." Am Ende der Kundgebung konnten viele der Ehrengäste ein Autogramm ergattern. "Ich fand seine Rede so toll, so engagiert. Ich habe mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Autogramm geholt", war Hannelore Lyda aus Duisburg begeistert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Herausforderer: Steinmeier im TV-Porträt

(RP)
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