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Duisburg: Steine gegen das Vergessen

Duisburg : Steine gegen das Vergessen

Elias, Lina und Leo Goldfarb lebten an der Emscherstraße in Beeck. 1941 wurden sie deportiert und im KZ ermordet. Vor ihrem Haus erinnern nun Stolpersteine an ihr Schicksal. Sohn Bernard überlebte. Er war bei der Verlegung dabei.

Bernard Goldfarb wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Der 78-Jährige steht vor seinem alten Elternhaus an der Emscherstraße 204 und betrachtet die glänzenden Stolpersteine, die der Kölner Bildhauer Gunter Demnig gerade verlegt hat. Die Erinnerungen an den 9. Januar 1939 sind plötzlich wieder lebendig: Mit der Reichspogromnacht hatte die Verfolgung der Juden ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Jüdischen Kindern war der Schulbesuch verboten worden. Um ihn und seine Schwester Edith zu schützen, hatten seine E8tern Elias und Lina schweren Herzens entschieden, sie in die Niederlande zu schicken. An diesem Tag nahmen sie Abschied voneinander — es sollte ein Abschied für immer sein.

"Während sich in Amsterdam die Jüdische Gemeinde um mich und Edith kümmerte und uns nach dem Einmarsch der Deutschen Armee zur Flucht nach England verhalf, mussten unsere Eltern und unser kleiner Bruder Leo in das ,Judenhaus' an der Charlottenstraße ziehen", erzählt Bernard Goldfarb. Am 11. Dezember 1941 seien sie mit anderen zusammengetrieben und in ein Konzentrationslager ins lettische Riga deportiert worden. Dort hätten die Nazis sie 1942 ermordet.

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Edith und Bernard erfuhren erst 1945 vom Schicksal ihrer Familie. Sie selbst befanden sich in Sicherheit. Edith heiratete und zog zunächst nach Toronto und später nach Miami, wo sie noch heute wohnt. Bernard lebte zehn Jahre lang in Liverpool und zog schließlich auch nach Toronto. Seine Ehefrau Jacqueline, die beiden Söhne, seine Schwiegertochter und die zwei Enkelkinder waren gestern mit nach Duisburg gekommen, um an der Gedenkfeier teilzunehmen. Gestaltet wurde sie von dem Rabbiner Jaacov Zinvirt und den Schülern der bilingualen Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 11 des Abtei-Gymnasiums. Denn zwischen der Schule und der Familie Goldfarb besteht eine Verbindung: Bis zum Jahr 1938 hatte Edith Goldfarb die Schule — damals noch ein Oberlyzeum für Mädchen — besucht.

Bernard Goldfarb ist zum dritten Mal in Duisburg. "Das erste Mal waren wir vor rund 15 Jahren hier", erzählt er. Er und seine Frau seien in Amsterdam gewesen, und sie habe ihn schließlich dazu gebracht, sein altes Elternhaus aufzusuchen. "Ich wollte gar nicht, eigentlich wollte ich nie wieder nach Deutschland zurück", gesteht der 78-Jährige. Aber jetzt sei er froh, mit seiner ganzen Familie einmal an diesem Ort gewesen zu sein.

(RP)