Duisburg: Starkes Schauspiel über Widerstand und Mitläufer

Duisburg: Starkes Schauspiel über Widerstand und Mitläufer

Das Euro-Studio Landgraf gastierte mit Carl Zuckmayers "Des Teufels General" im gut gefüllten Duisburger Theater.

"Des Teufels General" von Carl Zuckmayer (1896-1977) ist ein 1942-45 im amerikanischen Exil entstandenes Schauspiel, das alleine zwischen den Jahren 1947 und 1950 exakt 3238-mal aufgeführt wurde, 1963-67 noch einmal überarbeitet wurde und heutzutage leider kaum noch auf der Bühne zu erleben ist. Jetzt brachte es das Euro-Studio Landgraf in das gut gefüllte Duisburger Theater.

Historischer Hintergrund ist der mit Zuckmayer befreundete Ernst Udet, Jagdfliegerheld aus dem Ersten Weltkrieg, der in der Nazizeit "Generalluftzeugmeister" wurde, mit dieser technischen Aufgabe aber überfordert war, das Regime machte ihn für zahlreiche Mängel verantwortlich. Udet floh in alkoholische Exzesse und Drogen, nahm sich schließlich 1941 das Leben. Die nationalsozialistische Führung kaschierte den Selbstmord als Flugzeugunfall und ordnete ein Staatsbegräbnis an. Im Stück muss der kritische und spitzzüngige Fliegergeneral Harras innerhalb von zehn Tagen herausfinden, warum immer wieder fabrikneue Kampf-Flugzeuge abstürzen. Als ihm sein engster Mitarbeiter Oderbruch gesteht, für die Sabotageakte verantwortlich zu sein, sieht Harras für sich nur noch die Möglichkeit des Selbstmords und stürzt sich mit einer der defekten Maschinen in den Tod. Es geht um die Mitschuld der Mitläufer - aber auch um die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt, wenn Widerstand den Tod unschuldiger Menschen in Kauf nimmt.

Das traf unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Nerv der Zeit, weil es alle Varianten des Verhaltens zeigt, die es im Dritten Reich geben hatte. Das sah der Autor aber auch zeitlos: "Immer wieder geschieht es, dass jemand um seiner Profession oder um des Geldes willen oder aus irgendeinem anderem Grund, einem Regime dient, das er eigentlich hasst oder verabscheut, sich aber gezwungen fühlt, auszuharren und mehr oder weniger nachgibt, bis er sich eines Tages in die Lage versetzt sieht, sich selbst verachten zu müssen."

Das eher konventionelle Stück hat Klaus Kusenberg für Landgraf eher konventionell inszeniert, wird ihm damit aber sehr gerecht. Vor allem die philosophischen Diskussionen erstehen hier als höchst lebendige Dialogszenen. Die größte Stärke der Produktion ist freilich das Dutzend perfekt passender Darsteller, allen voran Gerd Silberbauer, der dem Harras das Jovial-Großspurige gibt, aber auch das Komödiantische ("Ich bin ja mehr 'ne Radioschönheit") und nicht zuletzt das Nachdenkliche.

Das Publikum war gebannt, spendete hernach warmen und kraftvollen Beifall. Die letzte Station der Tournee ist übrigens das schweizerische Visp, wo Zuckmayer starb.

(hod)