Duisburg: Stammtisch spricht Latein

Duisburg: Stammtisch spricht Latein

Einmal im Monat wird in Huckingen diese Sprache gesprochen. An jedem letzten Freitag treffen sich Liebhaber der alten Sprache im Restaurant Balkanhof. Dieser "Zirkel" beging jetzt sein 30-jähriges Bestehen.

Huckingen Im Balkanhof sind sie als "Die Lateiner" bekannt: Ein loser Kreis von zumeist älteren Männern und Frauen, der sich monatlich hier trifft, und das schon seit 30 Jahren. Soweit ist das nichts besonderes, erst wenn man etwas genauer zuhört, fällt auf: Hier wird nicht Deutsch gesprochen, auch keine der anderen gängigen Sprachen der Gegend, sondern Latein.

"Das hier ist eigentlich mit einem ganz normalen Stammtisch vergleichbar, abgesehen davon, dass nicht Deutsch gesprochen wird", meint der Pfarrer i. R., Rochus Habitzky, einer der Gründer des Zirkels und bis heute sein Organisator. Jeden Monat verschickt der Kerpener Einladungen in der Römersprache, und alle Adressaten, ob jung oder alt, nutzen diese kleine Übersetzungsaufgabe als Vorbereitung und Training.

Der Benediktinerpater Celestis Eichenseher brachte die damals acht Männer anlässlich eines Lateinseminars auf die Idee, sich regelmäßig zu treffen, weil nur so vermieden werden konnte, von einem Gespräch zum nächsten nicht wieder zuviel zu verlernen. Mittlerweile haben 250 Menschen die Treffen besucht, aktuell umfasst der Kreis etwa 25 Personen. Bei den Treffen geht es nie um herausgehobene Themen, es werden auch keine politischen Ambitionen zum Erhalt alter Sprachen verfolgt, die Lateiner reden einfach "wie ihnen der Schnabel gewachsen ist", so Habitzky.

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So wurde auch jetzt trotz des Jubiläums auf ein besonderes Zeremoniell verzichtet. Nach einer kurzen Begrüßung Habitzkys aß, trank und redete man einfach miteinander. Dass das sprachliche Niveau der einzelnen Teilnehmer naturgemäß schwankt, ist dabei kein Problem und wird so gut es geht berücksichtigt. Neue Lateinliebhaber sind in dem Kreis deshalb auch jederzeit willkommen, man muss nur damit rechnen, schon die Begrüßung auf Latein erwidern zu müssen.

Aber auch wenn das Verständnis einmal ganz fehlt, muss man keine Sorge haben: Ein paar Worte werden in solchen Fällen auch hier in Deutsch gesprochen.

(RP)
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