Kampf um Arbeitsplätze bei Thyssenkrupp Stahlkocher protestieren an der Villa Hügel

Duisburg/Essen · Beschäftigte von Thyssenkrupp Steel Europe aus allen Standorten werden am morgigen Freitag die Villa Hügel aus Anlass der jüngsten Äußerungen der Krupp-Stiftung im Streit um die Zukunft des Stahlunternehmens besuchen und schauen, wo ihr Geld investiert wird. Was geplant ist.

 Die Villa Hügel im Essener Süden.

Die Villa Hügel im Essener Süden.

Foto: © Krupp-Stiftung/Foto: Peter Gwiazda

Im Vorfeld des geplanten Besuches hat die IG Metall zu einem Kunstprojekt aufgerufen. Das Motto lautet: „Kunst oder Stahl – Das Geld muss in sichere Arbeitsplätze fließen und nicht in die Stiftung!“ Das teilten die Arbeitnehmervertreter am Donnerstag mit.

Mit der Aktion spielt die IG Metall auf die wohltätigen Aktivitäten der Krupp-Stiftung und deren Kuratoriumsvorsitzenden Ursula Gather an. „Die Stiftung nimmt gerne die Dividenden und gibt dieses Geld für kulturelle Aktivitäten und andere gemeinwohlorientierte Projekte aus“, erläutert Karsten Kaus, Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken. „Der Kunstsinnigkeit von Frau Gather setzen wir unsere eigene Kunstaktion entgegen.“

 Im Dezember 1987 stürmten wütende Stahlarbeiter die Villa.

Im Dezember 1987 stürmten wütende Stahlarbeiter die Villa.

Foto: dpa

In schwierigen Zeiten müssten die Menschen im Unternehmen wichtiger sein als die Kunst. Die Beschäftigten würden direkt vor dem Sitz der Stiftung auf dem Hügel deshalb „Gesichter des Widerstands zeigen“. „Frau Gather muss ihrer Verantwortung im Aufsichtsrat des Thyssenkrupp-Konzerns nachkommen und darf die kulturellen Interessen der Stiftung nicht über das Schicksal der Beschäftigten stellen“, so Kaus. Die IG Metall zeige mit der Aktion die „unheilvolle Rolle“, die die Krupp-Stiftung als größter Anteilseigner des Thyssenkrupp-Konzerns im aktuellen Streit um die weitere Ausrichtung der Stahltochter auf. Im Aufsichtsrat habe die Stiftung das umstrittene Vorgehen von Konzernchef Miguel López unterstützt. López habe bei entscheidenden Abstimmungen auf das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden Siegfried Russwurm zählen können, um Entscheidungen in seinem Sinne durchzusetzen – gegen den geschlossenen Widerstand der Arbeitnehmervertreter.

„Frau Gather kann nicht einerseits die Interessen von 27.000 Beschäftigten links liegen lassen und sich dann im Glanz ihrer Aktivitäten als Förderin der Kunst sonnen. Das passt nicht zusammen. In schwierigen Zeiten müssen die Menschen zuerst kommen.“

„Stiftung bedeutet nicht stiften gehen. Thyssen & Krupp sind auf den Fundamenten des Stahls zu industrieller Bedeutung gewachsen. Deswegen hat die Krupp-Stiftung auch eine historische Verantwortung gegenüber den Stahlbeschäftigten“, so Tekin Nasikkol, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel.

Klaus Wittig, Thyssenkrupp-Vertrauenskörperleiter, sieht in der Krupp-Stiftung unter der Vorsitzenden Ursula Gather nicht länger den Garanten für sichere Arbeitsplätze bei Thyssenkrupp. „Frau Gather steht nicht an der Seite der Beschäftigten. Dabei sollte gerade die Krupp-Stiftung, als größte Anteilseignerin des Thyssenkrupp-Konzerns wissen, dass Eigentum verpflichtet.“

Die Villa Hügel ist nicht zum ersten Mal Schauplatz des Protestes. Bis heute erinnern sich viele Stahlarbeiter noch an die Vorfälle von 1987. Am 9. Dezember hatten damals wütende Stahlarbeiter die Villa Hügel gestürmt. Das Aus für das Hüttenwerk in Rheinhausen konnte dadurch bekanntlich nicht verhindert werden – doch die Proteste hatten für bundesweite Beachtung gesorgt und letztlich mit dazu beigetragen, dass es in Rheinhausen wirtschaftlich weiterging und mit dem Logport auch neue Arbeitsplätze entstanden.

(mtm)