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Unsere Woche: Stahl-Fusion und lauer Wahlkampf

Unsere Woche : Stahl-Fusion und lauer Wahlkampf

Duisburg ist in Aufruhr. Ganz Duisburg? Nein, zumindest nicht, wenn man seinen Blick auf die Kandidaten richtet, die morgen in den Bundestag einziehen wollen. Im Redaktionsgespräch gaben sich die beiden Kandidaten der großen Parteien für den Süden eher handzahm. Vom Thema Rente einmal abgesehen, gab es zwischen Bärbel Bas (SPD) und Thomas Mahlberg (CDU) kaum Konflikte. Man habe die vergangen vier Jahre zusammen doch ganz gut über die Bühne gebracht, so der Tenor. Und auch die Kandidaten der anderen Parteien traten in diesem Bundestagswahlkampf eher mit Zurückhaltung in Erscheinung. Schade! Kaum überraschend also, dass uns der Aufreger der Vor-Wahl-Woche aus anderer Richtung ereilte.

Die Fusionsankündigung zwischen Thyssen und dem indischen Stahlkonzern Tata erhitze am Mittwoch die Gemüter. Die Zahl von 2000 abzubauenden Arbeitsplätzen, die der Vorstand zur Disposition stellte, sorgte in den Reihen der Beschäftigten verständlicherweise für große Verunsicherung. Vor allem für die Informationsstrategie des Vorstands hagelte es Kritik. Allzugut vorbereitet erschien den Mitarbeitern eine Kampagne, mit der die Unternehmensspitze nur wenige Minuten nach der Bekanntgabe der Fusionspläne auf dem Werksgelände und im Internet für Verständnis warb.

Von vorsätzlicher Nicht-Beachtung und sogar gezielter Täuschung der Beschäftigten war die Rede. Ob die Fusion den Duisburger Stahlarbeitern am Ende schaden wird, bleibt allerdings erst einmal abzuwarten. Fakt ist: Die Stahlbranche steht angesichts der chinesischen Stahlschwemme seit geraumer Zeit unter großem Druck.

Und selbst beim Betriebsrat ist man sich schon länger darüber im Klaren, dass es bei Thyssen einen Restrukturierungsbedarf gibt. Scharfe Töne helfen da nicht weiter. Ziel muss es sein, in der Diskussion auf eine sachliche Ebene zurückzukehren.

Eine gute Lösung kann es nur geben, wenn Konzernspitze und Beschäftigte aufeinander zugehen, miteinander reden und zusammen daran arbeiten.

tim.harpers@rheinische-post.de

(RP)