Stadtwerke Sommerkino 2019 in Duisburg - gelungener Auftakt

Sommerkino-Auftakt : „Fisherman’s Friends“: Ein Shanty-Chor im Wandel

„Fisherman’s Friends“: Mit einem herzerwärmenden Eröffnungsfilm startete das beliebte Stadtwerke Sommerkino sein diesmal 40 Nächte dauerndes Kinofest im Landschaftspark Duisburg-Nord.

Wandel – oder wie es im Untertitel des Eröffnungsfilms zum neuen Sommerkino heißt „Vom Kutter in die Charts“ – ist ein Thema des am Mittwoch als Preview gezeigten Streifens „Fisherman’s Friends“, so lautet zugleich aber auch das Motto zum 25-jährigen Bestehen des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Mit diesem Oberbegriff würdigt nämlich der Park in diesem Jahr seine Transformation vom ehemaligen Meidericher Hüttenwerk zur kulturellen Freizeitoase (die RP berichtete). Ob Traumzeit, Ruhr Games oder Extraschicht, immer wieder verwandeln Künstler, Sportler oder andere Kulturschaffende das einzigartige Industrie- und Landschaftsareal in eine riesige Konzert-, Sport- oder Kunstbühne. Doch nach Ende jeder Veranstaltung wird alles wieder zurückgebaut. Das ist die bewährte Philosophie, die den Erfolg des Landschaftsparks wohl ausmacht.

Nicht anders wird es nach der 23. Ausgabe des diesjährigen „Stadtwerke Sommerkinos“ (10. Juli bis 18. August) an gleicher Stelle aussehen, auch wenn die Gießhalle vor dem ehemaligen Hochofen sich jetzt als gigantischer Kinosaal mit Großleinwand präsentiert und ihr Vorplatz zu einem karibischen Beachpark mit Palmen und Sandstrand umgestaltet wurde. Dazu gesellen sich kulinarische Köstlichkeiten und exotische Cocktails eines bekannten Duisburger Caterers sowie eine zum sommerlichen Ambiente passende musikalische Untermalung – und fertig ist eine erneute sinnesanregende Parkverwandlung.

Auch wenn das Wetter zur Eröffnung des Sommerkinos mies war: Die Zuschauer ließen sich die gute Laune nicht verderben. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Zur diesjährigen Eröffnungsveranstaltung spielte das bekannte Gitarrenduo „Duonova“ auf, bestehend aus Jupp Götz und Gert Neumann. Deren Musik ist akustisch, authentisch und genau richtig für diesen Anlass. Mit ihrem Schlusssong „I Shot The Sheriff“ stellten die beiden stellvertretend für ihre gesamte Playlist einmal mehr ihre musikalische Klasse unter Beweis, Coversongs nicht als reine Coversongs zu spielen, sondern stimmlich wie instrumental gekonnte Remixe zu arrangieren. Insofern verging die Zeit trotz des unfreundlich daherkommenden Wetters für die dennoch zahlreich erschienenen Kinogäste bis zum Einsetzen der Dunkelheit und dem Beginn Filmvorführung wie im Fluge.

Um kurz vor 22 Uhr war es dann soweit: Filmforum- und Sommerkino-Chef Kai Gottlob nahm zusammen mit dem jungen britischen Drehbuchautor und Filmregisseur Chris Foggin und Robert Tonks als Übersetzer Platz auf der Gießbühne der Halle. Angesichts des fiesen Regenwetters zielte Gottlobs erste Frage an ihn in genau diese Richtung. Charmant und diplomatisch antworte dieser mit: „Es ist wie bei mir zu Hause. So fühle ich mich gleich richtig heimisch.“ Und auf die Kulisse des Sommerkinos angesprochen – Foggin war zum ersten Mal in Duisburg und im Landschaftspark –, rief er unübersetzt begeistert: „Fantastic! Greatful!“

Als fantastisch und großartig stufte auch das Publikum Foggins Film ein, denn es applaudierte ihm lange und klatschte beim finalen Schlusssong „Drunken Sailor“ heftig und beherzt mit. Gottlobs Wahl, diesen Film, der deutschlandweit erst ab 8. August in die Kinos kommt, vorab als Preview und als Eröffnungsfilm des Sommerkinos zu zeigen, erwies sich als Glücksfall. Schön auch, dass er am 5. August ein zweites Mal auf dem Landschaftspark-Kinofest zu sehen ist.

Der Inhalt des Films geht etwa so: Der Musikmanager Danny (großartig gespielt von Daniel Mays), sein Chef und zwei Kollegen aus einer Londoner Musikagentur verbringen ein Junggesellen-Wochenende in dem beschaulichen englischen Fischerdorf Port Isaac in Cornwall. Dort begegnen sie zufällig zehn singenden Männern und werde Zeuge ihres musikalischen Könnens. Später begegnen sich Danny und seine Kollegen und die „Fisherman’s Friends“ um den Fischer Jim (kauzig-derb gemimt von James Purefoy), so heißen nämlich die kornischen Fischer, im dörflichen Pub erneut. Danny bekommt daraufhin von seinem Chef den Auftrag, den eigenwilligen Shanty-Chor für einen Plattenvertrag zu gewinnen. Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei der Aktion nur um einen Scherz des Chefs handelt. Doch mit der Zeit glaubt der sonst so zynische Danny allerdings wirklich daran, dass er mit der Band einen Hit landen könnte. Also quartiert sich Danny im Bed & Breakfast von Jims attraktiver Tochter Alwyn (in lieblicher Manier gespielt von Tuppence Middleton) ein, um auf diese Weise besser um die Gunst der Fischer buhlen zu können. Jetzt gilt es für ihn, die Männer davon zu überzeugen, dass großer Ruhm auf sie wartet. Doch davon wollen diese zunächst nichts wissen. Nachdem Danny immer mehr Teil der Fischergemeinschaft und ihrer Angehörigen wird, stellt sich ihm die Frage, was Erfolg denn eigentlich bedeutet. Und so ist er bald eher an Alwyn interessiert, als an seiner beruflichen Karriere.

Nach allerlei nun folgenden tragischen und aberwitzigen Turbulenzen kommt die Geschichte schlussendlich zu einem guten Ende: Danny und Alwyn kommen zusammen und die „Fisherman’s Friends“ erobern die Charts – ein Happy End also, das fast zu schön ist, um wahr zu sein. Doch es hat sich tatsächlich (fast alles) in Wirklichkeit so zugetragen. Denn die charmante Komödie aus 2019 basiert auf der sensationellen Erfolgsgeschichte der wirklich wahren „Fisherman’s Friends“, deren Songs 2010 tatsächlich unter die Top Ten der britischen Album-Charts kamen und die damit zu heimischen Kultstars wurden. Alles in allem ist das fast zweistündige cineastische Werk ein Film der die Herzen der Zuschauer erwärmt und dazu eine Geschichte zum Inhalt hat, die von Traditionen sowie vom Zusammenhalt wahrer Freundschaft und dem Mut, neu anzufangen, erzählt.