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Duisburg: Stadtrandnotizen mit spitzer Feder

Duisburg : Stadtrandnotizen mit spitzer Feder

Prof. Dr. Hans-Otto Schenk, der seit acht Jahren unter dem Kürzel "HOS" für die Rheinische Post in Duisburg schreibt, hat eine Auswahl seiner mehr als mittlerweile 1200 Lokalglossen in einem schönen Buch herausgegeben.

Mehr als 1200 Glossen hat "HOS" in den vergangenen acht Jahren für die Rheinische Post Duisburg geschrieben. Jetzt hat "HOS" eine Auswahl seiner Lokalglossen unter dem Titel "Stadtrandnotizen" als Buch herausgegeben. Und spätestens jetzt wird es Zeit, zu verraten, wer hinter der Signatur "HOS" steckt. Es ist Prof. Dr. Hans-Otto Schenk, der von 1977 bis 2002 Handelsbetriebslehre an der Duisburger Universität lehrte. Wieso schreibt ein Universitätsprofessor, der auf eine beachtliche Publikationsliste auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verweisen kann, Lokalglossen?

Wieso nicht?!

Hans-Otto Schenk war, wie er im Vorwort zu seiner Glossensammlung schreibt, schon als junger Student von dieser journalistischen Form fasziniert. Er zitiert Emil Dovifat, den Nestor der deutschen Publizistik: "Die Glosse ist die kürzeste und daher die schwerste journalistische Stilform." Und als man Schenk, der begeisterte Hochschullehrer war, 65 Jahre jung, in den "Ruhestand" schickte, da habe er sich dieser Herausforderung endlich stellen können. Wie es sich für einen Universitätsprofessor gehört, der zudem noch mit einer "lieben Frau mit pädagogischem Hintergrund" verheiratet ist, erklärt Schenk, was eine Glosse überhaupt ist. Bei dieser Erklärung merkt man auch, dass Schenk die Qualitätslatte für seine eigenen Texte hoch anlegt. Die Glosse sei, so Schenk, ein pointierter Meinungsbeitrag, der sich durch leichte Eleganz des Textes, Wortspiele und epigrammatische Kürze auszeichnet. "Die Hauptwürze der Glosse ist Komik", so Schenk.

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Und wer die Glossen von HOS, die regelmäßig seit 2005 auf der ersten Lokalseite der RP zu finden sind, liest, wird das bestätigen können. Es ist immer wieder erstaunlich, was HOS angesichts von Alltagsvorkommnissen einfällt. Wie er Marotten aufs Korn nimmt, wie er quasi im Vorbeigehen den Witz von Situationen einfängt, der sich in seiner sprachlichen Aufbereitung herrlich entfalten kann. Für sein Buch hat Prof. Schenk seine gesammelten Glossen in zehn Themen-Kapitel unterteilt: City und Stadtrand, Kunst und Kultur, Schule und Wissenschaft, Medizinisches, Sportliches, Wirtschaft, Märkte und Fest, Politik und Stadtentwicklung, Automobiles und Reisen, Tierisches sowie Schöne Welt der Sprache(n).

Jeder wird in dem Band auf seine Lieblingsglossen stoßen. Herrlich sind etwa die ironischen "Belehrungen" des Hochschullehrers, der Kulturgeschichtliches aus Fußnoten-Bemerkungen einfließen lässt. Etwa seine Überlegungen zur Duisburger Haushaltssanierung, wenn er auf Kaiser Vespasian (9-79 n. Chr.) hinweist, der einst die öffentlichen Klos besteuerte und der Nachwelt das schöne Zitat bescherte: "pecunia non olet" (Geld stinkt nicht).

Schenk feilt an jeder Formulierung. Natürlich auch an den Überschriften. Wer den Titel liest "Tage des offenen Dingsda", der wird auf die Glosse neugierig gemacht – und kommt Zeile für Zeile aus dem Schmunzeln nicht heraus. Ein wahres Kabinettstück ist Schenks Glosse im Mozartjahr 2006. Hier schreibt der aus dem Himmel herabgestiegene Mozart in seiner Diktion an den "allerliebsten Papa", dass er seinen 250. Geburtstag, am liebsten in Duisburg feiern möchte, wo es "gantz ortentliche Musici" gebe. Ein wunderschönes Stück Rollenprosa! Und mit Kinderaugen betrachtet Schenk gelegentlich die Plakate der Parteien vor der Wahl.

Quellen für Prof. Schenks Texte sind das volle Menschenleben, Kenntnisse vom Hörensagen, ausgiebige Lektüre und eine kreative Kombinationsgabe, die ihn gut gelaunt zur spitzen Feder greifen lassen. Anlässe für Glossen findet er überall, selbst wenn es nur ein kleiner Rechtschreibefehler auf der Speisekarte ist wie beim "Bananensplitt". Als er die beliebte Eiskreation "mit einem t" bestellt, fragt ihn die Bedienung "Mit Zitrone?", weil sie "t" mit "Tee" identifiziert hat. – Glücklicherweise muss "HOS" nicht häufig Glossen schreiben, die auf einer Verletzung beruhen. Aber er kann auch das: In seinem Text "Theorie und Praxis beim Autokauf" holt er sich beim Öffnen der Kofferraumklappe eine Platzwunde an der Stirn. Das tat bestimmt weh. Die Glosse, die Schenk über den Vorgang schreibt, ist aber köstlich.

Hans-Otto Schenk: Stadtrandnotizen. Lokalglossen. Anno-Verlag, Rheinberg. 167 Seiten. 14,95 Euro.

(RP)