Stadtführung durch Friemersheim mit Mercators Nachbarn

Stadtführung durch Friemersheim : Auf den Spuren von Mercators Nachbarn

Die Stadtführung mit Roland Wolf durch das historische Friemersheim erweckt Geschichte zum Leben. Sachkundig und kurzweilig führt Roland Wolf durch Zeit und Raum.

Mit seinem schwarzen Barett, einem Hut für Adel und Bürgertum aus dem 15. Jahrhundert, sieht Roland Wolf wirklich ein bisschen aus wie der große Gerhard Mercator. In einer verregneten Führung durch den alten Friemersheimer Dorfkern macht er die Geschichte der Ortschaft für 20 historisch interessierte, mit Regenschirmen ausgestatteten Teilnehmer lebendig. „Seit der Römerzeit gab es immer Besiedlungen im alten Friemersheim“, weiß Wolf.

Mit einem Auszug aus Carl Zuckmayers Werk „Des Teufels General“ beginnt „Mercators Nachbar“ Roland Wolf seine Exkursion „Das Dorf Friemersheim – von Alteingesessenen und Zugezogenen“ und berichtet von der „Völkermühle Europas“. „Der Niederrhein war immer ein Ort, an den es Menschen aus ganz Europa verschlug“, so der 53-Jährige. Und auch die Friemersheimer können nicht genau sagen, ob sie nun eher von einem „römischen Feldhauptmann“, „einem schwedischen Reiter“, oder von einem „jüdischen Gewürzhändler“ abstammen, wie es in den Worten des General Harras anklingt.

Dreh-, und Angelpunkt ist seit jeher die alte Friemersheimer Dorfkirche, die im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde. „Man vermutet aber, dass vorher schon eine Kapelle an ihrem Ort stand“, sagt Roland Wolf. Er erzählt von Taufgesellschaften, die aus dem rechtsrheinischen Wanheim mit Booten über den Fluss gesetzt sind. „Das Kirchspiel, also das Einzugsgebiet der Gemeinde, reichte damals noch bis über den Rhein“, so Wolf. „Manche Gesellschaft ist aber dabei in den Fluten umgekommen.“

Um das Jahr 1560 habe der reformierte Prediger Henrik van Bommel seine Lehren aus der Dorfkirche verbreitet. Die Exkursionsgruppe versucht im Nieselregen die lateinische Inschrift über dem nördlichen Seiteneingang aus dem Jahr 1756 zu entschlüsseln. „Man weiß, dass hier der Zutritt für die Gläubigen, die aus Rumeln und Hohenbudberg kamen, war. Die reichen Friemersheimer hingegen durften das Hauptportal benutzen“, sagt der Geschichtskenner.

Vor der Kirche weist der Hobby-Historiker auf die alte Friemersheimer Friedenseiche hin, die auf vier Sockeln liegt. „Sie wurde wahrscheinlich 1815 direkt nach dem Wiener Kongress gepflanzt, nach etwa 170 Jahren musste sie aber wegen Pilzbefalls gefällt werden.“

Über die Blütezeit Friemersheims und Duisburgs erzählt der „Nachbar Mercators“ unterwegs so manche Anekdote. Als der niederländische Ratsherr Carl von Utenhove, der vor Herzog Alba aus den Spanischen Niederlanden geflohen war, um 1560 auf dem nahe gelegenen Werthschen Hof lebte, empfahl dieser dem Duisburger Rat den Gelehrten Johann Otho, der später eine Privatschule in der Stadt gründete. „So gelangte die niederländische Intelligenz nach Duisburg. Von Gerhard Mercator ist belegt, dass er schon vorher, also 1552, aus Rupelmonde hier ankam“, so Roland Wolf. Die Exkursionsgruppe begutachtet den Turm des Werthschen Hofs, während Wolf von Truchsässischen Kriegen erzählt, die nicht spurlos an der Liegenschaft vorbeigingen. Abenteuerlich wird es: „Mein persönliches Erlebnis mit dem Hof hatte ich Heiligabend 1993 beim Hochwasser. Der damalige Pächter fragte mich, ob ich die Feuerwehr auf den vom Wasser eingeschlossenen Hof rudern könne“, lacht Roland Wolf. Zurück geht es für die Gruppe an der ehemaligen Dorfschenke vorbei. „Der Betreiber Hajo Wiese war ein Visionär, dort war auch das kleinste Kino Deutschlands bis kurz nach der Jahrtausendwende“, so Wolf.

Die nächste Führung von Mercators Nachbarn ist am Samstag um 14 Uhr mit Werner Pöhling durch die Duisburger Altstadt. Treffpunkt ist der Mercator-Brunnen am Burgplatz. Die Führung „Duisburg und der Kaiserberg“ fällt aus. Infos unter www.mercatorsnachbarn.de

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