Duisburg: Stadt und Politik sollen endlich handeln

Duisburg : Stadt und Politik sollen endlich handeln

Dienstag um 17 Uhr will SPD-Parteichef Sigmar Gabriel mit den Duisburgern ins Gespräch kommen. Tagsdrauf kommt Grünen-Chefin Claudia Roth. Beide Bundespolitiker machen Wahlkampf – in der Innenstadt wohlgemerkt. Und nicht da, wo es brennt, in Bergheim. Dort könnte es ungemütlich, ja sogar gefährlich werden.

Dienstag um 17 Uhr will SPD-Parteichef Sigmar Gabriel mit den Duisburgern ins Gespräch kommen. Tagsdrauf kommt Grünen-Chefin Claudia Roth. Beide Bundespolitiker machen Wahlkampf — in der Innenstadt wohlgemerkt. Und nicht da, wo es brennt, in Bergheim. Dort könnte es ungemütlich, ja sogar gefährlich werden.

Bei allem Ärger über Politik und Stadtverwaltung, denen viele Bürger Handlungsunfähigkeit vorhalten, werden sich die Duisburger dem rechten Pöbel entgegenstellen, der am Donnerstag in unsere Stadt einfällt. Daran besteht nach den zahlreichen Erfahrungen mit Neonazi-Aufmärchen kein Zweifel. Aber ebenso, wie die Rechten das "Problemhaus" für ihre Zwecke missbrauchen, tun dies auch jene Gegendemonstranten aus dem linken Lager, die gewaltbereit sind.

Die Polizei kennt diese Situation unter anderem aus den Aufmärschen vor der Moschee in Marxloh. Sie weiß, wie die Hitzköpfe auf Distanz zu halten sind. Sie weiß aber auch, dass die Stimmung auf der Straße selten so explosiv war wie derzeit. Denn nicht nur in Bergheim gesellt sich zu dem Hass der Extremisten auf den jeweiligen Gegner der wachsende Unmut der "normalen" Bürger. Sie sind "angefressen". Sie sind empört über die scheinbare Handlungsunfähigkeit von Kommunalpolitik und Stadtverwaltung — in Bergheim. Aber auch in Laar, wo zwei verfeindete libanesische Familienclans Angst verbreiten, in Meiderich, wo — wie in Laar und Hochfeld — die Zahl der rumänischen und bulgarischen Zugezogenen wächst.

Die Bürger wollen nur eines: dass etwas gegen unhaltbare Zustände unternommen wird. Wenn wie in dem Haus in Bergheim rund dreimal so viele Menschen leben wie es der Raum eigentlich zulässt, dann könne doch der Brandschutz nicht mehr gewährleistet sein, denken sie. Schulen und Veranstaltungshallen würden in so einem Fall sofort dicht gemacht, das "Problemhaus" aber nicht? Sie können es nicht nachvollziehen, warum Kinder in einer Familie belassen werden, die von ihren Eltern zum Klauen geschickt werden. Da sei das Kinderwohl genau so gefährdet wie in dem bekannten Fall, als ein Junge sein wenige Monate altes Geschwisterchen zum Pipimachen aus dem Fenster im dritten Stock hielt. Auch da habe das Jugendamt die Kinder nicht aus der Wohnung geholt. Manche Missstände würden bewusst von Verwaltung und Politik unterm Deckel gehalten, um zu verhindern, dass die Bewohner des "Problemhauses" auf die Barrikaden gehen.

(RP)
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