Duisburg Stadt um eine viertel Million Euro geschädigt

Duisburg · Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt ist inzwischen sicher, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Bürgerzentrums Hagenshof sich mehr als eine viertel Million Euro in die Tasche gesteckt hat. Seit Frühsommer vorigen Jahres laufen die Ermittlungen, über deren Stand die Mitglieder des Rechnungsprüfungsamtes in dieser Woche informiert wurden.

Erst im Sommer 2012 war aufgefallen, dass die Einnahmen aus der Vermietung von Räumen des Bürgerhauses nicht bei der Stadt eingegangen waren, und es erhärtete sich der Betrugsverdacht gegen den Mitarbeiter, der Anfang 2013 fristlos gekündigt und angezeigt wurde. Leicht gemacht worden war ihm der Betrug, weil er zu wenig kontrolliert worden war und Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten beim zuständigen Fachamt zunächst nicht ernst genug genommen wurden, stellten die Prüfer fest.

Der ehemalige Mitarbeiter soll beispielsweise Spenden für das Bürgerhaus auf sein Privatkonto überwiesen bekommen haben. Er hat vermutlich die ehemalige Dienstwohnung des Hausmeisters für sich genutzt, ohne dafür Miete, Wasser und Strom zu bezahlen. Ihm wird vorgeworfen, von Vereinen, die im Hagenhof Räume anmieteten, das Geld bar abkassiert und in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Mietverträge soll er vernichtet oder mit falschen Angaben versehen haben, damit der Schwindel nicht auffällt. Er führte zwar den Veranstaltungskalender, der genaue Auskunft über die Vermietungen hätte geben können. Doch als die Ermittler ihm auf die Spur kamen, war dieser Kalender verschwunden. Auf sichergestellten Computerfestplatten fanden sich dann aber doch nützliche Hinweise.

Für rund 800 angebliche Veranstaltungen ermittelten die Prüfer die Adressen der Mieter und fragten genau nach, wann sie welche Räume im Hagenshof genutzt hatten. Die Datenauswertung ergab, dass der ehemalige Mitarbeiter dabei recht erfindungsreich gewesen sein muss und in die Mietverträge Adressen eintrug, die es gar nicht oder so nicht gab oder bei denen es sich um unbebaute Grundstücke handelte. Von den rund 800 Mietverträgen aus einem Zeitraum zwischen 2007 und 2013 soll der Mitarbeiter der Stadt nur 205 bekannt gegeben und die Einnahmen entsprechend abgerechnet haben. Daneben ermittelten die Prüfer, dass er zum Beispiel in die von ihm verwaltete Kasse für Seniorenveranstaltung (Tanztees) gegriffen hat, in der Überschüsse aus der Bewirtung lagen. Gehe man davon aus, dass es sich dabei um jährlich 6000 Euro gehandelt hat, "so bestünde der Verdacht von Untreue und Unterschlagung in Höhe von rund 36 000 Euro", schreibt dazu das Rechnungsprüfungsamt.

Möglicherweise hat sich der ehemalige Mitarbeiter auch dadurch bereichert, dass er Privateinkäufe mit nur dienstlich zu nutzenden Kundenkarten von verschiedenen Unternehmen bezahlte. Ihm wird weiter vorgeworfen, eigenmächtig in der Dienstwohnung des ehemaligen Hausmeisters gewohnt zu haben, ohne dafür Miete oder die Nebenkosten bezahlt zu haben. Hinein kamen die Ermittler erst, nachdem sie einen Schlüsseldienst beauftragt und die Tür hatten öffnen lassen. Denn angeblich war der Schlüssel verschwunden. Weil die Wohnung später entrümpelt werden musste, ergibt sich dafür und für die fehlenden Mieteinahmen ein Schaden von rund 24 000 Euro.

Bei genauerer Kontrolle hätten die Betrügereien schon im Juli 2011 auffallen können. Damals war ein Tresor des Bürgerhauses gestohlen worden, in dem angeblich rund 3000 Euro Bargeld gelegen haben sollen sowie Ordner mit Mieterverträgen und Kassenbüchern und weitere Belege sowie Quittungen. Der Mitarbeiter hatte später erklärt, er habe nach dem Diebstahl bar kassierte Mieteinnahmen in einen Rucksack gestopft mit dem Vorsatz, das Geld bei der Sparkasse einzuzahlen. Doch dazu habe ihm die Zeit gefehlt.

(hch)
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