Duisburg: Stadt plant neue Wohnquartiere

Duisburg : Stadt plant neue Wohnquartiere

Um Besserverdiener in der Stadt zu halten, sollen am Rhein, an der Ruhr und an denen Seen hochwertige Wohnlagen entstehen.

Es ist der Traum von der Trendwende. Nach Jahrzehnten, in denen Duisburg immer weiter schrumpfte, soll sich die Stadt stabilisieren: demographisch, städtebaulich, in der Außendarstellung. Arne Lorz, Projektleiter von "Duisburg 2027", lässt keinen Zweifel daran, wo diese Trendwende vollzogen werden soll: im Süden der Stadt. Mit der Vorstellung des Strategiekonzeptes "Wohnen" sind allerdings auch Zweifel verknüpft, ob die Ausrichtung nach Süden tatsächlich Sinn macht.

Denn im Süden liegt Düsseldorf. Die Stadt also, die im Gegensatz zu Duisburg seine Mittelschicht halten konnte — bei rasant steigenden Mieten. Zur gleichen Zeit hat Duisburg die einkommensstarken Familien ans Umland verloren, auch nach Düsseldorf. "Unser erklärtes Ziel ist es, für genau diese Gruppe als Wohnort wieder interessant zu werden. Im Süden wollen wir durch eine attraktive Bebauung auch um Familien werben, die sich Duisburg derzeit nicht als Heimatstadt vorstellen können", sagt Lorz.

Konsequent sehen die Planungen die größten zusammenhängenden Wohnbauflächen in unmittelbarer Nähe zur südlichen Stadtgrenze vor: auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks der Bahn in Wedau, am Großenbaumer und am Rahmer See, in Huckingen und in Serm. Mit ansprechender Wohnbebauung, viel Grün und im Vergleich moderaten Grundstückspreisen sollen die Düsseldorfer Familien nach Duisburg gelockt werden — so lautet der Plan.

Michael Schlatterer, Wohnungsmarkt-Experte bei CB Richard Ellis, ist jedoch skeptisch: "Duisburg hat ein Imageproblem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass plötzlich hunderte Familien aus Düsseldorf in Richtung Duisburg abwandern. Zumal die klassische Mittelschicht nicht im Düsseldorfer Norden wohnt. Deshalb ist ein Ortswechsel ins Bergische, in den Rhein-Kreis Neuss oder nach Ratingen für Düsseldorfer, die günstigere Grundstücke suchen, sehr viel naheliegender."

Den grundsätzlichen Versuch, die Stadt durch neue Ideen aufzuwerten, findet Schlatterer jedoch positiv: "Es muss darum gehen, Duisburger Familien ein vernünftiges Angebot zu machen. Die Stadt hat dann eine Chance, wenn sie sich mittelfristig als lebenswerte Stadt etabliert." Die Duisburger Stadtplaner sehen vor allem in der Erschließung der Uferbereiche von Rhein, Ruhr und Seen eine Chance für mehr Lebensqualität. "In Wanheimerort wollen wir ans Wasser. Gleiches gilt etwa in Alt-Hamborn auf dem Gelände von Schmitz&Söhne", sagt "Duisburg 2027"-Projektleiter Arne Lorz.

Insgesamt sollen 297,5 Hektar, also fast 300 Hektar, an neuen Wohnbauflächen ausgewiesen werden. Das sind drei Millionen Quadratmeter und entspricht der Fläche von rund 600 Fußballplätzen. Dazu kommen weitere optionale Flächen von rund 140 Hektar. Auf neue Wohnbauflächen entfallen 235 Hektar, auf neue Bauflächen für Büro- und Wohnnutzung 8,5 Hektar sowie auf "Stadträume mit neuen urbanen Qualitäten (Wohnen, Wirtschaft, Grün)" wie im RheinPark 53,3 Hektar. Lediglich 44,4 Hektar sind aufzugebende Wohnbauflächen. Einen radikalen Kahlschlag, wie er derzeit noch im Stadtteil Bruckhausen zu beobachten ist, wird es nach jetzigem Planungsstand aber nicht geben.

(RP/ac)
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