Kirchenserie St. Juliana ist Wehofens architektonischer Mittelpunkt

Duisburg · Kirchenserie, Teil zwei: Die Rheinische Post stellt samstags bedeutende Gotteshäuser in Duisburg vor. Heute: St. Juliana in Wehofen.

 Der dreieckige Turm ist 42 Meter hoch und das besondere Markenzeichen der Kirche.

Der dreieckige Turm ist 42 Meter hoch und das besondere Markenzeichen der Kirche.

Foto: Alfons Winterseel

Die Kirche St. Juliana in Wehofen zählt architektonisch wohl zu den eindrucksvollsten Kirchenbauten in Duisburg. Mit ihrem gradlinig spitz zulaufenden dreieckigen Turm, dem geschwungenen Dach auf einem sechseckigen Baukörper schuf der Architekt Hel Haparta einen nicht zu übersehenden Sakralbau – den das Bistum Münster damals allerdings gar nicht wollte. Wäre da nicht die Schwester von August Thyssen gewesen, so weiß Dinus Tomasi zu erzählen, der die Geschichte der Gemeinde, der Kirche und eigentlich ganz Wehofens wie kaum ein anderer kennt. „Es gab drei Entwürfe für eine Kirche in Wehofen, wo es lange Zeit nur eine Notkirche gab. Das Bistum wollte nur eine kleine Kirche, Juliana Thyssen ihr Geld aber nur für diesen Entwurf spenden“, so Tomasi. Dass sich die Kirchengemeinde als Namenspatronin für die Heilige Juliana entschied war wohl auch eine Reminiszenz an die Spenderin.

Der Bauauftrag ging 1961 an den Architekten Hel Haparta, der – wie er selbst schrieb – mit dem Bau einen neuen städtebaulichen Mittelpunkt in Wehofen errichten wollte. Zu seinem Auftrag gehörte damals auch eine Kapelle, die er in den Kirchenbau integrierte, ein Schwesternheim und ein Kindergarten, die man getrost als reine Zweckbauten bezeichnen kann. Um so mehr hebt sich der seit zehn Jahren unter Denkmalschutz stehende Sakralbau von seiner Umgebung ab.

 Dinus Tomasi kennt die Geschichte der Gemeinde und der Kirche St. Juliana wie kaum ein anderer.

Dinus Tomasi kennt die Geschichte der Gemeinde und der Kirche St. Juliana wie kaum ein anderer.

Foto: Alfons Winterseel

Die bunten Fensterbilder wurden von dem Glasmaler Jupp Gesing aus Herne entworfen. Ihre Motive sind unter anderem Wandlung, Taufe, Umkehr und Buße und das Sakrament der Ehe. Die Kirchenbänke wurden aus Edelhölzern geschreinert, die der Bruder des damaligen Pfarrers, der in Südafrika lebte, besorgte und per Schiff an den Rhein nach Duisburg transportieren ließ. „Die Metallrohre kamen von Thyssen, die Bänke wurden in der Schreinerei von Schacht 2/5 gefertigt und montiert“, erinnert sich Tomasi, der in jungen Jahren selbst als Schweißer dabei mithalf. „Damals war so etwas alles noch möglich.“

 Der Altar der Kirche St. Juliana unter dem einem Zelt nachempfundenen Dach der Kirche.

Der Altar der Kirche St. Juliana unter dem einem Zelt nachempfundenen Dach der Kirche.

Foto: Alfons Winterseel

Die katholische Kirche hatte es im anfangs stark von den Kommunisten beherrschten Wehofen schwer. „Die Kinder liefen dem Pfarrer aus dem Religionsunterricht weg“, sagt Tomasi. Der drohenden Schließung nach der Jahrtausendwende – der letzte Pfarrer Wilfrid Sendt war in den Ruhestand verabschiedet worden – entging die Kirche durch Tomasis Idee, eine Mission für die Übernahme zu finden. Und tatsächlich konnte mit Hilfe von Bischof Voss die Polnische Mission gewonnen werden, die nun seit über zehn Jahren die Kirche an den Wochenenden und zu kirchlichen Festtagen mit Leben füllt: Über 800 Teilnehmer bei der Fronleichnamsprozession, über 300 Besucher der in polnischer Sprache abgehaltenen Gottesdienste – diese Zahlen sprechen für sich. Die strengen Auflagen des Denkmalschutzes für die Kirche und die Ratenzahlung für die Orgel sind dank der Spenden aus der polnischen Gemeinde zu bewältigen.

Neben den teils aus Hochofenschlacke geformten Fassadensteinen ist die Konstruktion des weich durchhängenden Dachs eine architektonische Besonderheit: Sie war zum Zeitpunkt ihres Baus einmalig. Der dreieckige, 42 Meter hohe Turm fließt mit seinen Konturen mit dem Kirchendach zusammen.

 Ein Blick vom Innenraum in die Kapelle. Heutzutage füllt die Polnische Mission die Kirche mit Leben.

Ein Blick vom Innenraum in die Kapelle. Heutzutage füllt die Polnische Mission die Kirche mit Leben.

Foto: Alfons Winterseel

Am 13. Juni 1965 wurde die Kirche eingeweiht. Der Bau der Kirche hatte sich länger hingezogen als eigentlich geplant. Das, so heißt es in der Festschrift anlässlich der Einweihung, habe teilweise daran gelegen, dass nicht genügend Zimmerleute und Bauarbeiter zur Verfügung standen, um die schwierigen Schalungsarbeiten durchzuführen. Erst kurz vor der Kirchweihe waren die Glasfenster eingesetzt worden.

Im Innenraum der Kirche finden sich Erinnerungsstücke in Form von Stoffbildern, die noch aus der alten Notkirche stammen. Dass sich in einer Nische Bergarbeiter-Utensilien finden und eine Statue der Heiligen Barbara den Besucher direkt am Eingang begrüßt und ihn dort auch wieder verabschiedet, ist in einem ehemaligen Bergarbeiter-Stadtteil wie Wehofen unumgänglich.

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