Lokalsport: Wedau wieder ein Eldorado des Kanusports

Lokalsport : Wedau wieder ein Eldorado des Kanusports

Kanu: World Cup in Wedau zeigt, dass die Modernisierungsarbeiten sich gelohnt haben. Athleten loben die verbesserten Bedingungen.

Mirko Günther stand auf der Tribüne der Regattabahn und schaute zufrieden nach unten auf die Strecke. Der in seinem Amt noch junge Chef des Wedauer Gewässers hatte mit seinem Team offensichtlich ganze Arbeit geleistet, der Umbau und die Modernisierung in den vergangenen zwei Jahren hatten sich ausgezahlt. Der World Cup der Sprintkanuten am vergangenen Wochenende war rundum eine gelungene Werbung für den Leistungssportschauplatz Duisburg.

Siegerpose: Der Essener Max Rendschmidt freute sich über den Erfolg im Einerkajak über 1000 Meter. Foto: Lars Heidrich

Das sah ganz offenbar auch Jürgen Dietz, Betriebsleiter von Duisburg-Sport, so. "Ich war bis Freitagmorgen zugegebenermaßen sehr angespannt. Aber um drei Minuten nach halb neun fiel das alles von mir ab", berichtete er. Die Leistung des Teams um den Regattabahn-Chef konnte er gar nicht genug würdigen: "Die ganze Truppe ist echt klasse. Und Mirko Günther ist ein Glücksfall für diese Stadt."

Fotofinish im Einerkajak der Frauen über 500 Meter: Linnea Stensils (Schweden, 2. von unten) siegte knapp vor der Polin Anna Pulawska (vorn). Yul Oeltze und Peter Kretschmer im C2 Men 500 Meter. Foto: Lars Heidrich

Auch die Sportler fühlten sich nach der "Duisburg-Pause" wieder überaus wohl bei der Rückkehr auf eine ihrer Hausstrecken. Das lag an den nun deutlich verbesserten Bedingungen ebenso wie am Zuschauerzuspruch. "Das Publikum hat mir noch mal einen Extraschub gegeben", meinte beispielsweise Max Rendschmidt. Der Mann von der KG Essen, zweifacher Olympiasieger in Rio de Janeiro, hatte 2013 auf der Wedau seinen ersten Weltmeistertitel im Zweierkajak geholt und trumpfte am Samstag im Einer über 1000 Meter auf. Überlegen setzte er sich vor dem Belgier Artuur Peters durch; sein Teamkamerad Tom Liebscher wurde Dritter. Ihren nächsten starken Auftritt lieferten Yul Oeltze (Magdeburg) und Peter Kretschmer (Leipzig) im Canadier ab, die sich am Freitag schon über 1000 Meter durchgesetzt hatten und dann auch die nicht olympischen 500 Meter für sich entschieden.

Auch in der Gesamtheit konnte sich die sportliche Bilanz der Gastgebermannschaft sehen lassen. Sechs Gold-, eine Silber- und fünf Bronzemedaillen sorgten für überwiegend zufriedene Gesichter. Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes und Vizepräsident des Weltverbandes ICF, resümierte freilich differenziert: "Wir haben ein bärenstarkes Kajak-Herren-Team, ein gutes Canadier-Herren-Team, nicht so starke Kajak-Damen und erfreuliche Fortschritte bei den Canadier-Damen gesehen. Im Kajak der Damen ist uns deutlich aufgezeigt worden, dass wir mehr tun müssen." So kam Chef-Medaillensammlerin Franziska Weber mit ihren Teamkolleginnen Sabrina Hering-Pradler, Steffi Kriegerstein und Conny Waßmuth im Vierer über 500 Meter nicht über Rang vier hinaus. Ein Lob für die Begleitumstände hatte die Potsdamerin dennoch parat: "Der Umbau des BLZ ist wirklich gut gelungen. Wir fühlen uns hier alle pudelwohl." Das hören die Macher an der Wedau naturgemäß gern. "Wir haben eine richtig gute Regatta gemacht und dafür viel Lob von den Kanutinnen und Kanuten und den Offiziellen bekommen. Mein Dank gilt den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern", fasste Jürgen Joachim, Präsident des ausrichtenden Kanu-Regatta-Vereins, zusammen. Eine erfreuliche Episode am Rande: Andreas Dittmer, einst deutscher Weltklasse-Canadierfahrer und jetzt Trainer des kanadischen Nationalteams, hat den Zwischenfall bei der Weltmeisterschaft 2007 in Duisburg, als ihn Ordner nicht auf die Tribüne lassen wollten und in den Polizeigriff nahmen, endgültig abgehakt. Mit Kay Messer, damals Einsatzleiter des Ordnungsdienstes und heute Inhaber einer eigenen Security-Firma, teilte sich Dittmer am Samstagabend beim Grillen am Steg der DLRG ein "Versöhnungsbier". Der damalige Groll war freilich längst verraucht gewesen.

(RP)