VfB Homberg schafft Aufstieg in die Fußball-Regionalliga

Fußball : Die Gründe für den Aufstieg des VfB Homberg

Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Kameradschaft, ehrliche Arbeit – das sind die Tugenden, mit denen der VfB Homberg den Sprung in die Regionalliga geschafft hat. Und damit will er sich in der vierthöchsten Klasse behaupten.

Einen besseren Zeitpunkt hätte der VfB Homberg kaum erwischen können. Im August feiert der Verein sein 50-Jähriges Bestehen, seit er aus der Fusion des Homberger SV mit der SpVgg Hochheide 89/19 hervorgegangen ist. Im gleichen Monat beginnt die neue Spielzeit. Dass diese Jubiläumssaison in der Regionalliga stattfinden wird, ist voraussichtlich jetzt schon der größte Erfolg, den die Fußballer vom Rheindeich in einem halben Jahrhundert Vereinsgeschichte errungen haben. Da ließ sich Abteilungsleiter Wolfgang Graf am Tag des Aufstiegs sogar mit Ankündigung bereitwillig einen Krug Bier von Andreas Kossenjans über dem Kopf entleeren.

Viertklassig waren beide schon mal mit dem VfB. Für Torwart-Urgestein Kossenjans war die Qualifikation für die damals viertklassige Oberliga Nordrhein durch ein mit 4:2 gewonnenes Entscheidungsspiel in Köln-Hürth gegen den FV Bad Honnef auch „der schönste und emotionalste“ seiner Aufstiege mit den Hombergern. Der vierte – 14 Jahre später – aber sei „viel höher zu bewerten“, weiß „Kosse“ um die rasante Entwicklung im Fußballgeschäft. Als dritter Torwart des VfB hat er nun mit 45 Jahren noch einmal die Chance, seiner Vita einen Einsatz in der „ersten deutsche Profiliga“, hinzuzufügen, wie Coach Stefan Janßen die Regionalliga gern nennt.

Ein komplett ehrenamtlich aufgestellter Klub ist Wolfgang Graf unter den kommenden Gegnern nicht bekannt. Der VfB aber werde seine Strukturen beibehalten, beteuert der Abteilungsleiter. „Die Arbeit wird nicht weniger“, sagt Graf. „Aber professionelle Strukturen, kann man nur einführen, wenn man auch die Mittel dazu hat. So müssen wir die Mittel unseren Strukturen anpassen.“ Und selbst dafür gelte es noch eine Menge Klinken zu putzen, betont der Vize-Boss des VfB.

Die Feierlichkeiten am Sonntag verfolgte Graf mit einer großen Portion Genugtuung. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der seit dem Wiederaufstieg aus der Landesliga begonnen hat. Wir haben den Verein in den letzten vier Jahren stetig weiterentwickelt. Und wir müssen einfach nur stolz auf die Jungs sein, dass sie diese Entwicklung mit unseren bescheidenen Mitteln zu diesem Erfolg geführt haben.“

Abteilungsleiter Wolfgang Graf lobt die Arbeit von Trainer Stefan Janßen. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Ein großer Teil des erfolgreichen Prozesses sei neben Präsident Thomas Bungart und dem Sportlichen Leiter Frank Hildebrandt vor allem einer Person zuzuschreiben, so Graf. „Unsere Galionsfigur ist unser Trainer. Stefan Janßen hat dem Verein ein ganz anderes Gesicht verliehen. Er ist ein bescheidener Mensch, der jeden Wert und jedes Ehrenamt im Verein schätzt. Mit Geld können viele Trainer viel erreichen.“

Stefan Janßen aber habe neben seiner hervorragenden fachlichen Qualifikation vor allem durch seine Art, mit Menschen umzugehen, auch mit geringsten Mitteln sehr viel möglich gemacht. „Er ist der beste Trainer, den wir uns vorstellen können. Stefan Janßen ist ein absoluter Glücksgriff und passt genau zu dem, wofür wir stehen wollen.“

Kapitän Dennis Wibbe ist seit vier Jahren beim VfB und verpasste nur ein Spiel.

Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Kameradschaft, ehrliche Arbeit – „es sind die Grundtugenden, die uns stark machen“, sagt auch Dennis Wibbe. Und der Kapitän muss es wissen. Seit er vor vier Jahren nach dem Abstieg in die Landesliga an den Rheindeich kam, verpasste er bis heute nur ein einziges Spiel. „Wir haben diese Mentalität“, sagt der Stürmer. Für ihn war der Aufstieg als Kapitän „noch einmal etwas ganz Besonderes“. Wibbe: „Wir haben auch schon ein paar echt gute Kicker dabei. Aber vor allem sind wir ein Team. Und in jedem Spiel malochen wir 90 Minuten für den Sieg und für Verein.“

Mit diesen Eigenschaften wollen die Homberger nun auch das „Riesen-Abenteuer“ angehen, wie sowohl Dennis Wibbe als auch Wolfgang Graf die Regionalliga bezeichnen. „Gegen weitere Verstärkung werden wir uns nicht wehren. Aber wir werden unsere DNA nicht verändern“, sagt der Abteilungsleiter, der auch dem aktuellen Kader einiges zutraut. „Wir werden den Weg, der uns erfolgreich gemacht hat, auch dann nicht verlassen, wenn der Erfolg mal ausbleiben sollte.“

Glückliche Gesichter auf der Homberger Ersatzbank wenige Sekunden vor dem Ende der Partie.

Um den Weg in die Viertklassigkeit zu ebnen, ist der Verein aber vor allem auf die Unterstützung der Stadt Duisburg angewiesen, in deren Hand es liegt, die erforderlichen Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen. „Wir haben unseren Beitrag zu 95 Prozent mit der Schaffung der sportlichen Voraussetzung geleistet. Nun gilt aus den vielen guten Gesprächen, die wir bezüglich der baulichen Maßnahmen und weiteren Notwendigkeiten mit den Verantwortlichen geführt haben, Ergebnisse zu konzipieren.“

Denn nur dann wird der größte sportliche Erfolg in einem hal­ben Jahrhundert VfB Homberg auch tatsächlich zur Geltung kommen können.

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