36. Rhein-Ruhr-Marathon: Schokolade statt Whisky

36. Rhein-Ruhr-Marathon : Schokolade statt Whisky

Rhein-Ruhr-Marathon: Der Schotte Nikki Johnstone gewinnt zum zweiten Mal in Folge den Duisburger Langstreckenlauf. Auch Annika Vössing aus Essen trumpft als Titelverteidigerin auf.

Nikki Johnstone stammt aus Nairn in der Nähe von Inverness. Die Speyside, die Heimat unzähliger Whisky-Destillen. Doch Johnstone bedient das Klischee nicht. Denn er trinkt keinen Whisky. „Dafür esse ich viel Schokolade. Täglich. Ich habe einen süßen Zahn“, grinst der Schotte, der am Sonntag den 36. Rhein-Ruhr-Marathon gewann.

Der Schokoladen-Konsum ist dem drahtigen Läufer, der längst in Düsseldorf beheimatet ist, nicht anzumerken. Der Mann vom LAZ Puma Rhein-Sieg, der schon im vergangenen Jahr in Duisburg erfolgreich war, präsentierte sich durchtrainiert und siegte in 2:29:48 Stunden.

In Duisburg bestritt Johnstone bereits seinen neunten Marathon in diesem Jahr. Die Schokoladen-Kalorien haben im Körper des Ausdauer-Mannes ohnehin keine Chance. Die 15 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz nach Neuss legt der Lehrer täglich mit dem Fahrrad zurück. „Und abends trainierte ich dann noch auf der Laufstrecke“, schmunzelt der 35-Jährige.

Bei seiner Titelverteidigung lief Nikki Johnstone bei glühender Hitze ein einsames Rennen. Zu keinem Zeitpunkt stand der Sieg in Frage. Verfolger Gunnar Diederichs (TuS Opladen), der aber kein Verfolger war, erreichte 14 Minuten später das Ziel in der Duisburger Arena.

So lief Johnstone ein Rennen ohne Druck: „Ich habe den Lauf einfach nur genossen.“ Am Ende sprang sogar noch eine Siegerzeit unter 2:30 Stunden heraus. Mit dem Thema Trinken musste sich der flotte Schotte dann aber doch noch befassen. Johnstone musste zur Dopingprobe. Es lag gestern in der Natur der Sache, dass das etwas länger als üblich dauerte. So verpasste er die Pressekonferenz.

Da trifft es sich gut, wenn die Partnerin ebenfalls in Laufschuhen unterwegs ist. Dioni Gorla belegte in 1:24:39 Stunden beim Halbmarathon den zweiten Platz hinter Michelle Rannacher (DJK Gütersloh, 1:22:54) und vertrat ihren Lebensgefährtin bei der dann folgenden Medienrunde. Viel sagen konnte sie über das Befinden ihres Liebsten allerdings nicht: „Wir haben noch nicht viel gesprochen. Nikki musste zur Dopingprobe.“

Auch bei Marathon-Siegerin Annika Vössing (Ayyo Team Essen) ging es gestern um Getränke. Um Wasser. Aus dem Kreis der Konkurrenz wurde der Vorwurf laut, dass ein begleitender Radfahrer ihr während des Laufes Wasser gereicht habe. Doch weder Vössing, noch die Veranstalter vom Stadtsportbund und vom LC Duisburg, die jeweils auf die hohen Temperaturen verwiesen, machten dafür ein Fass auf. Bei der Siegerehrung standen die drei schnellsten Damen ohnehin einträchtig auf dem Siegerpodest. Alles war gut.

Wie Nikki Johnstone wiederholte auch Annika Vössing ihren Erfolg aus dem letzten Jahr. Sie siegte in 2:57:10 Stunden. Allerdings war ihr bis zur Hälfte der Strecke noch Sonja Vernikov (LAZ Puma Rhein-Sieg) auf den Fersen. Dann setzte sich Vössing ab und siegte am Ende mit knapp fünf Minuten Vorsprung.

Die Oberhausenerin kam vor einem Jahr in Duisburg auf den Marathon-Geschmack. Damals bestritt sie ihren ersten Lauf auf der klassischen, 41.295 Meter langen Distanz. Der Debüterfolg animierte sie, auf der langen Strecke weiter zu machen. Mittlerweile hat sie einige Marathonläufe auf dem Buckel, doch der Lauf an Rhein und Ruhr ist ihr Favorit. „Duisburg toppt alles“, sagte sie und hob vor allem die Atmosphäre auf und neben der Strecke hervor.

Keinen „Wiederholungstäter“ gab es bei den Männern auf der Halbdistanz. Bernhard Deiß (Recklinghäuser LC) siegte in 1:15,26 Stunden stellte aber nach dem Rennen in Aussicht, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Das wollen auch die Marathonsieger Johnstone und Vössing. Sie können dann in Duisburg den Titelhattrick anpeilen. Nikki Johnstone schaut vorher vielleicht in seiner schottischen Heimat vorbei: „Da war ich schon seit 2015 nicht mehr.“ Es könnte sich lohnen. Die Schotten können nicht nur Whisky, sondern auch Schokolade.

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