Rollhockey: Torhüter Tobias Wahlen von der RESG Walsum ist Nationaltrainer

Rollhockey : Der Nationaltrainer steht noch selbst im Tor

Tobias Wahlen, Keeper und Kapitän des Rollhockey-Rekordmeisters RESG Walsum, übernimmt das deutsche Männerteam. Die Irritationen, die es bei der Trennung von seinem Vorgänger Jordi Molet gab, belasten seinen Start. „Ich weiß, dass ich erst einmal das Vertrauen gewinnen muss“, sagt der 27-Jährige.

Vergleiche mit dem Fußball sind in den wenigsten Sportarten populär, aber zur Verdeutlichung sei es in diesem Fall mal erlaubt: Man stelle sich vor, Kevin Trapp, Torhüter von Eintracht Frankfurt, würde plötzlich als neuer Trainer der deutschen A-Nationalmannschaft vorgestellt werden. Die Metapher passt nicht hundertprozentig auf Tobias Wahlen. Denn der Schlussmann und Kapitän des Rollhockey-Rekordmeisters RESG Walsum hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Nachwuchs-Nationalteams betreut. Dass der 27-Jährige nun aber seit der vergangenen Woche die Verantwortung für die Männer-Auswahl des Deutschen Rollsport- und Inlineverbandes (DRIV) trägt, für die er vor einigen Monaten bei der Europameisterschaft in Spanien noch selbst gespielt hat, kommt dann doch etwas überraschend.

Nun ist das Konstrukt eines in der Bundesliga spielenden Nationaltrainers – die Bezeichnung Bundestrainer wird wegen der Beschäftigung auf Honorarbasis üblicherweise nicht verwendet – nichts Neues. Tobias Wahlens Vorgänger Jordi Molet ist schließlich für den RSC Cronenberg als Spielertrainer am Ball. „Aber ich bin erst 27 Jahre alt – und ein Torwart hat im Rollhockey nicht die beste Akzeptanz, was seine fachliche Kompetenz angeht“, sagt Wahlen, der 2011 vom HSV Krefeld zur RESG wechselte und dort seitdem zur unumstrittenen Nummer eins zwischen den Pfosten geworden ist.

Hinzu kommt die Problematik, dass es rund um den Trainerwechsel diverse Irritationen gab, denn „einvernehmlich“, wie es sonst gern verkündet wird, war dieser nicht. Vielmehr wurde er über die sozialen Medien transportiert, woraufhin sich Jordi Molet auf der Internetseite seines Vereins „mit großer Überraschung“ und „Bedauern“ zu der Trennung äußerte, die auch seinen Betreuerstab betraf. Der DRIV nannte als Grund „eine unterschiedliche Auffassung in elementaren Punkten der Zusammenarbeit mit dem Vorstand Leistungssport Herren sowie der Zusammensetzung des Trainer- und Betreuerteams“.

Dass diese Umstände seinen Start belasten, weiß auch Tobias Wahlen: „Mit der Entlassung hatte ich nichts zu tun. Aber trotzdem ist das ein hartes Brot, das ich jetzt sägen muss. Ich weiß, dass ich erst einmal das Vertrauen gewinnen muss.“ Pikanterweise führt ihn sein erstes Punktspiel mit der RESG nach der Bekanntgabe am kommenden Samstag ausgerechnet nach Cronenberg. „Da werde ich auf jeden Fall das Gespräch suchen“, kündigt er an.

Mit allen Spielern, die aktuell zum weiteren Kreis des Nationalteams gehören, haben er und sein Co-Trainer Ralph Stenger – hauptberuflich Eishockey-Coach bei den Hannover Young Indians – ein solches schon geführt. Nach dem doch etwas mageren Platz sieben bei der jüngsten EM soll es künftig wieder bessere Resultate geben. Wichtig ist Wahlen aber vor allem eins: „Dass die Spieler wieder Bock darauf haben, für Deutschland zu spielen.“ Die ersten Rückmeldungen seien durchweg positiv – vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Barcelona.

Mindestens bis dahin wird Tobias Wahlen auch weiterhin seine Doppelrolle als Trainer und Torwart ausüben. Die teilweise schon laut gewordene Forderung, er müsse sich auf die Trainertätigkeit beschränken, hat er wahrgenommen: „Als Spieler aufzuhören, ist auch eine Option, aber nicht aus diesem Grund. Ich habe schon seit einigen Jahren Hüftprobleme. Der Körper meldet sich so langsam, dass es das mit dem Sport vielleicht war. Aber da werde ich auf jeden Fall noch Gespräche mit unserem Verein führen.“ Mit Leon Brandt steht zumindest mittelfristig ein Nachfolger in den Startlöchern.

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