Peter Thomas löst sein Versprechen ein.

Sportaustausch : Ein Pokal als Jubiläumsgeschenk

Austausch: Das 40. Sportlertreffen zwischen Duisburg und Calais endet remis – obwohl Duisburg an sich gewonnen hatte. Dennoch wurde der Sieg geteilt. Ein Fehler in der Kommunikation wird damit im Sinne des Sports ignoriert.

Peter Thomas hatte noch drei kleine WM-Pokale dabei. Vor einem Jahr hatte er in Calais gewettet, dass Deutschland Fußball-Weltmeister würde. Daraus wurde bekanntermaßen ja nun nichts. Nicht nur das – Frankreich holte sich den Titel. Also verteilte er seinerzeit kleine Kopien des World Cups. „Ich hatte versprochen, die fehlenden Pokale für die Vertreter aus Calais nachzuliefern“, erklärte der Fußball-Fachschaftsleiter im Stadtsportbund – und löste dieses Versprechen nun ein.

Der große Freundschaftspokal wurde dann auch noch verschenkt. Durch einen Kommunikationsfehler wurde der an sich klare Duisburger Sieg im Schießen als Remis gewertet, sodass der Gesamtvergleich beim 40-jährigen Jubiläum des Sportleraustauschs der Partnerstädte Duisburg und Calais mit einem 8:8-Remis endete. Weil das Ergebnis bereits verkündet worden war, verzichteten die Duisburger darauf, das Resultat korrigieren zu lassen. Auch das ist Sport.

„Es geht schließlich darum, dass sich die Sportlerinnen und Sportler aus beiden Städten wiedersehen – oder sich kennenlernen und sich anfreunden“, betonte der SSB-Vorsitzende Rainer Bischoff schon im Vorfeld.

Und nach wie vor gilt: Die Verständigung klappt schon irgendwie. „Einige können etwas Französisch sprechen, sonst geht es auch auf Englisch – oder eben auch mit Händen und Füßen“, sagt Selahattin Demirbas, an sich Trainer der erfolgreichen Fußballerinnen von Duisburg 08, aber inzwischen Mitglied bei den Schützen des PSV Duisburg. „Die Jungs hier haben mich richtig toll aufgenommen. Früher habe ich beim Fußball noch mitgespielt. Aber nun habe ich mir einen Sport gesucht, bei dem ich noch mithalten kann“, verrät Demirbas mit einem Lachen. Nach wie vor sind die Schützen, die den Austausch mit Calais seinerzeit mit angeleiert hatten, die einzigen, die sich mit ihren Gästen leider nicht in Duisburg messen können. Der PSV und der Cercle de Tir de Calais trafen sich abermals im Schießsport-Leistungszentrum Ratingen. An sich sind die Polizeisportler in Duissern angesiedelt. „Aber in ganz Duisburg gibt es keinen für unsere Großkaliber geeigneten Schießstand“, bedauert Ralf Dietze, der Abteilungsleiter der Duisburger. „Auch die Anlage an der Krefelder Straße ist für unsere Bedürfnisse leider nicht geeignet.“ Trotz dieser Voraussetzungen gehören über 200 Sportler der Schießsport-Abteilung des PSV Duisburg an.

Dass Völkerverständigung ein großes Anliegen des 40-jährigen Austauschprogramms ist, liegt natürlich schon fast auf der Hand. Die Tischtennis-Fachschaft erweiterte diesen Gedanken über Deutschland und Frankreich hinaus. „In meiner Klasse haben wir mit Atena Shadman, deren Familie aus Afghanistan stammt, ein ganz tolles Mädchen. Sie engagiert sich ungeheuer und ist eine meiner besten Schülerinnen. Sie hat sich die Teilnahme an diesem Austausch mehr als verdient“, sagt Jörg Mischler, der die Fachschaft leitet und Lehrer an der Justus-von-Liebig-Schule in Hamborn ist.

Als Besonderheit hat sich das Austauschprogramm in diesem Jahr an die Ruhr Games angedockt – was die französischen Gäste sichtlich beeindruckt hat. So traten die Fechter von Eintracht Duisburg und des Cercle des Armes de Calais im Rahmen des Wettbewerbs im Landschaftspark Nord an. „Die Teilnehmer sind zwischen zwölf und 16 Jahren alt“, sagt Eintracht-Jugendsprecherin Britta Wolbring. Wie in allen acht Sportarten des Austauschprogramms stand neben dem Sport selbstverständlich auch das Miteinander im Vordergrund – das bei den Fechtern allerdings auch etwa mit Degen und Florett zu tun hatte. „Wir haben am Freitag die Fecht-Europameisterschaft in Düsseldorf besucht“, berichtet Wolbring.

Auch die Leichtathleten beider Städte nahmen an den Ruhr Games teil – und legten auch spezielle Duisburg-Calais-Vergleichsläufe ein. Das war bei den Mädchen einedoch recht spektakuläre Angelegenheit. Denn den 800-Meter-Lauf dominierte Pia Teitzel vom ASV Duisburg. Das Talent aus der Altersklasse W12, deutlich die Jüngste und Kleinste im gesamten Starterfeld, ließ vom Start an alle anderen Läuferinnen des Feldes stehen und siegte mit 17 Sekunden Vorsprung (!) vor der Zweitplatzierten.

Zudem haben sich BMX-Fahrer und Skateboardfahrer aus Calais am Workshop der Ruhr Games beteiligt. Apropos Fahrrad: Vier Radsportler und ein Begleiter aus der französischen Hafenstadt machten sich mit ihrem Sportgerät auf den Weg nach Duisburg und kamen im Laufe des Samstags in Duisburg an – und erinnerten damit an die Tandemfahrt vor einigen Jahren von Duisburg nach Calais, als das Doppelfahrrad in Frankreich zurückblieb und sich französische Sportler ein Jahr später in die Sattel schwangen.

Eine Sache steht seit Jahren fest: Der Schwimmwettbewerb geht regelmäßig deutlich an Duisburg. Gute Laune hatte SSB-Chef Rainer Bischoff beim Fußball und Hockey. Im Spiel der Hockeymannschaft des MSV Duisburg, gemischt aus Jungs und Mädchen, gegen die Jungs vom Sporting Hockey Club de Calais stand es zwischenzeitlich 2:2 – als die Delegation des Stadtsportbundes Duisburg und des Office Municipal des Sports et des Loisirs de Calais in Meiderich eintrafen, zogen die Zebras davon und siegten mit 6:3. Die Fußball-B-Jugend der GSG Duisburg lag gegen Amicale Pascal Calais zur Pause sogar mit 1:2 hinten, ging dann aber in Führung; schließlich endete die Partie 4:4.

Rainer Bischoff (2. von links) und sein Amtskollege aus Calais, Patrice Demoustier, präsentieren gemeinsam den Freundschaftspokal. Foto: Tanja Pickartz
Der Leichtathletikwettbewerb wurde – wie auch das Fechten – in die Ruhr Games eingebettet. Fabian Strauch. Foto: Fabian Strauch

Nur beim Volleyball versprühte die Delegation keine „Magie“. Hier ist klassischerweise Stella Calais das tonangebende Team. Doch die Leistung des gemischten Teams des TuS Baerl und des Rumelner TV war beachtlich – die Mädchen feuerten sich mit immer neuen Liedern während des Spiels selbst an. „Wir waren gemeinsam bei der Ruhr-Games-Party, haben miteinander gefrühstückt und Beachvolleyball gespielt“, freute sich TuS-Trainerin Monika Jaskulski über den gelungenen Austausch.

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