Lokalsport: Pass-Skandal: Trainer fünf Jahre gesperrt

Lokalsport : Pass-Skandal: Trainer fünf Jahre gesperrt

Duisburger FV 08 setzte in B-Junioren-Partien einen Akteur unter falschem Namen mit einem falschen Spielerpass ein. Trainer Canip Yülmaztürk gesteht das Vergehen bei der Spruchkammer-Sitzung. Ihm wurde ein Zufall zum Verhängnis.

Jürgen Klump kann sich an keinen vergleichbaren Fall erinnern. Ihm seien "die Backen heruntergefallen", als ihm die Tragweite des Skandals, den die Kreis-Jugendspruchkammer am Mittwoch in der Sportschule Wedau verhandelte, deutlich geworden sei, sagte der Vorsitzende der Kammer. Der Vorfall: Der Duisburger FV 08 setzte in seinem B-Junioren-Team in dieser Saison in fünf Partien mindestens einen Kicker unter falschem Namen mit einem falschen Spielerpass ein. Neben mehreren Geldstrafen für den Verein verhängte die Kammer eine fünfjährige Sperre gegen 08-Trainer Canip Yülmaztürk.

Yülmaztürk, der vor der Kammer das Vergehen gestand und deshalb um die Höchststrafe von acht Jahren herumkam, hatte Pech. Dem Coach wurde ein Zufall zum Verhängnis.

In einer Partie des DFV 08 im vergangenen Jahr kassierte ein Hochfelder Spieler wegen einer Tätlichkeit eine Rote Karte. Laut Pass war der Spieler Seyman Ömer Celik der Bösewicht. Am 10. Januar verhandelte die Spruchkammer den Fall. In Abwesenheit des Spielers verhängte die Kammer eine neunmonatige Sperre. Die Sitzung verlief unkompliziert. Der DFV 08 stimmte zu, der Fall schien erledigt zu sein.

Doch es kam zur kuriosen Wende. Fußball-Schiedsrichter Tobias Wegener hörte von dem Fall. Er ist Lehrer an der Schule, die Seyman Ömer Celik besucht. "Ich habe ihn in der Schule gesehen und wollte einen Scherz wegen der Sperre machen", sagte Wegener. Der Spaß hielt sich beim Scherzen in Grenzen. Hier fielen dem Jugendlichen die Backen herunter. Denn er hatte in der Begegnung gar nicht mitgespielt. Per eidesstattlicher Erklärung teilte der Junge später der Spruchkammer mit, dass er bei den Hochfeldern noch Mitglied sei, in der laufenden Saison aber weder trainiert noch gespielt habe. "Ich habe eine Karteileiche gesperrt", sagte Fußball-Richter Jürgen Klump am Mittwoch und war noch immer fassungslos. Wegener hatte Klump über die Sache informiert und die Lawine ins Rollen gebracht.

08-Jugendchef Reiner Müller stritt jegliche Verantwortung ab. "Ich habe damit nichts zu tun." Trainer Canip Yülmaztürk räumte die Schuld sofort ein: "Ich nehme die Scheiße auf meine Kappe." Als Erklärung gab er an, er habe Personalnot gehabt und deshalb auf diesem Wege die Mannschaft aufgefüllt. Celiks Spielerpass war verfügbar, weshalb ein anderer Jugendlicher unter diesem Namen auflief.

Wer der wahre Übeltäter mit der Rückennummer 7 war, ist derweil unklar. Die Hochfelder beteuerten, dass sie nur den Vornamen des Spielers kennen. Mert heißt demnach der junge Mann - und dieser ist offenbar nicht mehr auffindbar. Trainer Yülmaztürk versuchte sich zu rechtfertigen. Er habe die Mannschaft über eine Gruppe im Kurznachrichtendienst WhatsApp per Handy zusammengestellt. Da sind Namen offenbar Schall und Rauch.

Bei der Verhandlung wurde deutlich, dass der Fall wahrscheinlich eine weitaus größere Tragweite hat. Denn der DFV 08 musste die Spielerpässe seiner B-Jugend vorlegen. Beim Blick auf die Dokumente fielen den Verbandsfunktionären erneut die Backen herunter. Fehlende Passfotos, fehlende Unterschriften, fehlende Stempel. Ein Chaos. Jürgen Klump: "Dem Betrug sind so Tür und Tor geöffnet." Auch Kammermitglied Boris Walitza blieb dabei die Spucke weg: "So etwas musste doch den Schiedsrichtern auffallen, die Woche für Woche bei den Spielen im Einsatz waren."

(RP)
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