3. Fußball-Bundesliga : Ein Spitzenreiter lässt sich vernatzen

Der MSV Duisburg gab auch im Drittliga-Spiel beim TSV 1860 München eine 2:0-Führung aus der Hand und verlor mit 2:3. Vor der Partie gegen den FC Carl Zeiss Jena hoffen die Zebras auf die Rückkehr von Yassin Ben Balla.

Die Stimmung in den Dachgeschosswohnungen an der Grünwalder Straße in München dürfte am Sonntag blendend gewesen sein. Ein paar wenige Fans des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München profitierten von ihrem ungewöhnlichen Heimvorteil und verfolgten die Partie der Löwen gegen den MSV Duisburg von ihren Fenstern aus. Dass die komplette Sicht durch diverse Umbauten im Stadion in den letzten Jahren mittlerweile verwehrt ist, dürfte die Geisterzuschauer nicht gestört haben. Für den MSV endete die Geisterstunde in Giesing mit Schrecken. Nach einer 2:0-Führung verlor der Spitzenreiter mit 2:3 (1:0). Der MSV ist weiterhin Erster – das ist aber der einzige Trost aus Duisburger Sicht.

Gut eine Stunde lang trat der MSV im Stile einer Spitzenmannschaft auf. München hatte mehr vom Spiel, der MSV setzte jedoch die Nadelstiche. Marvin Compper erzielte in der 33. Minute per Kopf in Anschluss an eine Ecke von Moritz Stoppelkamp das 1:0 für den MSV. Ein Duisburger Tor nach einer Standardsituation – diese Seltenheit hätte viele Zuschauer verdient gehabt. Aber zumindest die Kiebitze im Dachgeschoss wurden Zeuge davon, der Strafraum der 60er lag in ihrem Blickfeld.

Frustrierte Duisburger: Die Spieler Connor Krempicki, Arne Sicker, Arnold Budimbu und Lukas Boeder (von links) ärgern sich nach dem Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße über die 2:3-Niederlage beim TSV 1860 München. Fotos: Stefan Matzke firo Foto: Fotos: Stefan Matzke

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit schien der MSV auf der Siegerstraße. Arne Sicker schlug einen langen Zuckerpass ins Zen­trum, Vincent Vermeij schüttelte 60-Verteidiger Dennis Erdmann ab und vollendete in der 48. Minute zum 2:0 für den MSV. In der ersten Halbzeit hatte der Niederländer den Ball in einer ähnlichen Situation noch verstolpert. Nun machte er es besser.

Doch es folgte der Bruch. 60 machte weiter Dampf. Ex-Zebra Sascha Mölders trieb sein Team immer wieder an und widerlegte Ex-Löwen-Coach Werner Lorant, der unter der Woche gelästert hatte, man könne Mölders während des Laufens die Schuhe besohlen. Nein, Mölders kann sich während des Laufens die Schuhe besohlen und dabei noch immer die entscheidenden Impulse setzen. Zudem reagierte 60-Trainer Michael Köllner, der an der Seitenlinie per Headset mit seinem Assistenten kommunizierte, mit einem Doppelwechsel. Er brachte Stürmer Prince Osei Owusu, der zum Matchwinner der Gastgeber avancieren sollte.

MSV-Trainer Torsten Lieberknecht beklagte später den Verlust der Struktur. Seine Mannschaft hätte das Spiel „reifer beenden“ müssen. Und der Coach sprach von Geleitschutz bei den Gegentreffern. Wie wahr! In den entscheidenden Zweikampf-Situation hatten die Zebras das mit der corona-bedingten sozialen Distanz irgendwie falsch verstanden. Beim Münchener Anschlusstreffer zum 1:2 (68.) ließ Max Jansen, der den kurzfristig verletzten Yassin Ben Balla im defensiven Mittelfeld vertrat, Dennis Dressel ungehindert in den Strafraum eindringen und zum Torerfolg vollenden.

Beim 2:2 fünf Minuten später ließ Efkan Bekiroglu Arnold Bidumbu und Tim Albutat aussteigen und traf aus 17 Metern ins Netz. An einem guten Tag hätte MSV-Torwart Leo Weinkauf diesen Ball auch halten konnten. In der 80. Minute hätte Vincent Vermeij zurückschlagen können. Doch aus kurzer Distanz scheiterte der Stürmer an Löwen-Schlussmann Marco Hiller. In der 86. Minute erzielte Prince Osei Osuwu auf Zuspiel von Sascha Mölders das 3:2. Der Bielefelder Leihstürmer vernatzte dabei MSV-Abwehrchef Marvin Compper mit einer einfachen Drehung. Bitter für Compper: Er hatte zuvor – nicht nur aufgrund seines ersten Saisontreffers – eine gute Partie gezeigt.

Der MSV steht nun in den Heimspielen gegen den FC Carl Zeiss Jena am Mittwoch und den Chemnitzer FC am Samstag unter Zugzwang. Die englischen Wochen mögen aktuell nicht zur Freude beitragen, sie bieten aber zumindest die Chance, schnell zurückzuschlagen. MSV-Präsident Ingo Wald, der qua Amt bei Geisterspielen zuschauen darf, sagte nach der neunten Saisonniederlage: „Gut, dass es jetzt schnell weitergeht. Wir müssen uns jetzt schütteln und die Köpfe freibekommen.“

Für Yassin Ben Balla ist die enge Spielplantaktung hingegen kein Geschenk. Der Franzose hatte im Abschlusstraining ein Zwicken im Adduktorenbereich verspürt und die Reise nach München gar nicht erst angetreten. Lieberknecht hofft nun auf ein positives Signal seines Mittelfeldspielers. Der Coach muss abwägen: Ben Ballas Dienste vor der Abwehr sind dringend gefragt, ein verfrühter Einsatz könnte jedoch zu hohe Risiken mit sich bringen. Auch Vincent Gembalies gehörte nicht dem Kader an. Der Innenverteidiger habe sich im Rücken einen Nerv eingeklemmt, wie Lieberknecht berichtete. Auch bei Gembalies gilt: Die sportliche Leitung muss abwarten, ob er rechtzeitig zum Spiel gegen das Schlusslicht fit wird.