MSV Duisburg: MSV-Chef fühlt sich schlecht behandelt

MSV Duisburg: MSV-Chef fühlt sich schlecht behandelt

Walter Hellmich ist Hauptgeldgeber und Präsident des MSV Duisburg. Derzeit muss sich der Bauunternehmer gegen Vorwürfe wehren, er sei in finanzielle Verstrickungen verwickelt. Auch der sportliche Misserfolg zerrt an den Nerven des Mäzens. Die Zukunft des Vereins sieht düster aus.

Walter Hellmich sitzt am Konferenztisch seiner Firmenzentrale in Duisburg. Hinter ihm hängt ein großes Farbposter an der Wand. Eine Luftaufnahme vom Spiel des MSV-Duisburg gegen Borussia Dortmund aus dem August 2005. Damals war das Stadion ausverkauft, die Zebras spielten in der ersten Fußball-Bundesliga. Eine gute Zeit. Sie ist lange her.

Vergangenes Wochenende hat der MSV zu Hause gegen Oberhausen gespielt. Mit einem Sieg beim Derby hätten die Duisburger die Chance gewahrt, in die erste Liga aufsteigen zu können. Doch gegen die "Kellerkinder" aus der Nachbarschaft kamen die Zebras über ein trostloses Remis nicht hinaus. Bei den Fans rumort es. Wenn der Verein nicht durch sportlichen Erfolg aus seiner finanziellen Schieflage komme, sei sogar die Profi-Lizenz in Gefahr, heißt es.

Die Situation ist kritisch. Ausgerechnet jetzt, wo ein souveräner Kapitän auf der Brücke benötigt wird, zerren öffentliche Vorwürfe an den Nerven des Vereinspräsidenten. Der Bauunternehmer habe sich vom ohnehin finanzschwachen MSV 500.000 Euro geliehen, bemängeln Kritiker. Hellmich sonne sich in der Rolle des Mäzen. In Wahrheit verdiene er am MSV, weil sein Sohn Marc mit seiner Firma die Vermarktungsrechte an den Zebras besitze. Allein die TV-Rechte würden jährlich Millionen in die Kassen spülen.

Walter Hellmich nimmt die eckige Brille ab und reibt sich die Augen. Er hört sich die Wiederholung der Vorwürfe sichtlich ungern an. "Was da geschehen ist, ist Rufmord", sagt der 65-Jährige. "Das beschädigt das Ansehen von mir und meiner Familie. Die Überweisung sollte die Schulden, die der MSV hatte reduzieren. Meine Forderung betrug 7,7 Millionen Euro."

Walter Hellmich hat viel Geld in den Fußball-Club gesteckt. Ohne sein Engagement würden die Zebras wohl bis heute in ihrem maroden alten Stadion spielen. Als Hellmich MSV-Präsident wurde, trat er mit dem Ziel an, einen neuen Fußball-Tempel zu errichten. Mittlerweile spielt der Vereins in der schmucken MSV-Arena, die Hellmich selbst baute und aus seiner Privatkasse mitfinanzierte.

Ohne Hellmich, so sagen seine Freunde, wäre der MSV längst in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Sein Name sorgte dafür, dass der Verein für neue Sponsoren interessant wurde. Hellmichs Gegner betonen, der Patriarch habe mit seinem Eigensinn auch viel Schaden angerichtet. Viel zu lange habe der Chef selber als Vereinsmanager fungiert und zu oft auf die falschen Spieler gesetzt. Auch Hellmich sei verantwortlich für den viel zu teuren, aber letztlich wenig erfolgreichen Kader.

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Misserfolg — das ist eine Erfahrung, die Walter Hellmich nur schwer akzeptieren kann. Er hat aus dem Fuhrunternehmen seines Vaters einen Konzern mit mehr als 1000 Mitarbeitern gemacht. Die Firma ist auf den Neubau von Fußballstadien spezialisiert, baut derzeit unter anderem neue Arenen für Sankt Pauli, den FC Ingolstadt und Legia Warschau. "Ich hafte mit Haut und Haar für mein Unternehmen", sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes. "Und ich habe noch nie einen Mitarbeiter wegen schlechter Auftragslage entlassen müssen."

Duisburg sei eine Arbeiterstadt, in der viele Menschen mit wenig Geld auskommen müssten. Von den hochbezahlten Profis könnten die Fans zu Recht Kampf und Leidenschaft verlangen, findet Hellmich. Für die Mitarbeiter der Baufirma sind Hellmichs Worte Gesetz. Es wurmt ihn sichtlich, wenn es auf dem Platz nicht nach Plan läuft.

Hellmich spricht es nicht aus, aber man bekommt den Eindruck, als fände er die Kritik an seiner Vereinsführung undankbar. Seine Geduld scheint langsam zu Ende zu gehen. "Ich bin jetzt 65 Jahre alt und mache den Job seit acht Jahren", sagt Hellmich. "Das ist eine lange Zeit. Alles geht einmal zu Ende. Ich wäre froh, wenn wir jemanden fänden, der das Ruder übernehmen kann und will. Der Verein muss irgendwann auch ohne einen Walter Hellmich klarkommen. Und das wird er auch."

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist sich da nicht so sicher. Der CDU-Politiker schätzt den Unternehmer. "Walter Hellmich engagiert sich in hervorragender Weise für die Stadt und für die Zebras", lobt MSV-Mitglied Sauerland seinen Männerfreund. Was bei einem Rückzug des Präsidenten aus dem Zweitligisten würde, will sich der OB lieber erst gar nicht vorstellen.

Bevor Walter Hellmich das Ruder beim MSV Duisburg übernahm, war er bei der Dinslakener Tennis-Gemeinschaft DTG verwurzelt. Drei Jahrzehnte lang leitete der Unternehmer die Geschicke des Vereins, führte die Herren-Mannschaft 2001 sogar zur Deutschen Meisterschaft. Nachdem Hellmich abtrat, endete der Höhenflug der Dinslakener. Die Erstklassigkeit ist dahin. Heute spielt die DTG in der Niederrheinliga.

(RP)