Lokalsport: Mit Schmerzen auf Platz vier geklettert

Lokalsport : Mit Schmerzen auf Platz vier geklettert

Der SV Wehen Wiesbaden gleicht zweimal aus - doch Zlatko Janjic erzielt in der 89. Minute noch das 3:2-Siegtor der Zebras. Zuvor hatten Kevin Scheidhauer und Kingsley Onuegbu bereits die Richtung des MSV vorgegeben.

Das Bild, das etwa 45 Minuten nach dem 3:2 (1:1)-Heimsieg des MSV Duisburg über den SV Wehen Wiesbaden in der Schauinslandreisen-Arena entstand, hatte Symbolkraft. Enis Hajri schleppte sich an Krücken aus der Umkleidkabine und blieb trotz deutlich sichtbarer Schmerzen vor der kleinen Schar der Medienvertreter stehen. Der MSV-Mittelfeldspieler cool: "Unser Trainer Gino Lettieri meinte vor der Partie, dass wir alle Mittel für den Sieg einsetzen sollen. Da musst du dich als Spieler natürlich reinhauen."

Hajri hatte sich zum "Reinhauen" allerdings ausgerechnet Modellathlet Kingsley Onuegbu ausgesucht. Mit seinem Teamkameraden prallte Hajri im Mittelfeld bei einem Kopfballduell zusammen. "Ich war kurzzeitig benommen, bin auf dem Platz getackert worden und konnte dann wieder auf das Feld zurückkehren."

Im Nachhinein stellte der frühere Pfälzer fest: "Da wäre ich besser weggeblieben." Weil bei der Landung auf dem Rasen auch noch ein gegnerischer Spieler auf Hajri knallte, zog er sich neben der Kopfwunde auch eine Hüftverletzung zu. Im Krankenhaus wurde eine Einblutung festgestellt. Hajri soll bis zum Wochenbeginn durch zwei Gehhilfen für Entlastung sorgen. "Am Montag machen wir noch eine MRT-Untersuchung zur Sicherheit. Vielleicht kann ich danach wieder mit Lauftraining beginnen und am Samstag gegen Regensburg spielen", hat Enis Hajri offenbar keine Absicht, auch nur die kleinste Zwangspause in Erwägung zu ziehen.

Die Einstellung des ehemaligen Nationalspielers zeigt, worauf es in der rauen 3. Liga ankommt. Dahin gehen, wo es wehtut, Einsatz, Kampfgeist und der Glaube daran, das Unmögliche möglich zu machen. Zlatko Janjic sorgte mit seinem Kopfballtor in der 89. Minute für den umjubelten Siegtreffer. Nach Auflösung der TV-Bilder hätte Schiedsrichter Ittrich auf Abseits entscheiden können, da Kingsley Onuegbu ebenfalls vor dem Kasten auftauchte. Ob er entscheidend eingriff oder nicht - Auslegungssache. "Die Truppe hat ein Riesenspiel gemacht", lobte Matchwinner Janjic das komplette Team, "in den letzten Wochen hat uns die Defensive gerettet, dieses Mal war es die Offensive. Ich fand es auch für den King wichtig, dass er wieder getroffen hat."

Onuegbu wuchtete die Kugel nach feinem Zuspiel von Tim Albutat und schnittiger Flanke des aufgerückten Rolf Feltscher unhaltbar zum 2:1 in den Knick (76.). Sprechen wollte Kingsley Onuegbu, der nach dem Hajri-Zusammentreffen einen Cut an der Wande davon trug, nach dem Spiel nicht. Da auch Kevin Scheidhauer, dem auf Kopfball-Vorlage von Hajri das Führungstor gelungen war (18.), in der Schützenliste auftauchte, stachen bei den zuletzt eher harmlosen Zebras alle Offensiv-Trumpfkarten. Der MSV kletterte durch den Dreier auf Platz vier. Rolf Feltscher: "Ich bin extrem glücklich über den Erfolg. Wir wussten, dass wir Wehen mit einem Sieg überholen können. Das ist uns gelungen."

(RP)
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