Hamborn 07 ist nach einem Jahr zurück in der Fußball-Landesliga

Fußball : Aufstieg zum Abschied für den Ur-Löwen Patrick Schneider

Der 35-Jährige stand beim Meisterstück in der Bezirksliga gegen den Hamminkelner SV nach knapp 16 Monaten wieder einmal auf dem Platz – und muss seine Laufbahn bei Hamborn 07 nun beenden. Trainer Michael Pomp traut seinem Team in der Landesliga einiges zu.

In der 87. Minute des vorerst letzten Bezirksliga-Spiels von Hamborn 07 gegen den Hamminkelner SV passierte etwas, das Patrick Schneider seit dem 18. Februar 2018 nicht mehr erlebt hatte: Der Ur-Löwe schlechthin stand wieder in einem Meisterschaftsspiel auf dem Fußballfeld. Er stellte sich beim Stand von 4:0 nach seiner Einwechslung an den gegnerischen Strafraum – um vier Minuten später mit all den anderen Gelb-Schwarzen mitzujubeln. Die vier Minuten im letzten Spiel der Saison 2018/19 waren auch die letzten vier von Patrick Schneider für Hamborn 07. Als Fünfjähriger hatte er bei den Bambini am Holtkamp angefangen. 30 Jahre später verabschiedete sich der langjährige Kapitän mit dem Aufstieg in die Landesliga.

„Es ist schon ein anderer Aufstieg, wenn man selbst nicht als Spieler dabei war“, sagt Schneider, den zwei Bandscheiben-Vorfälle dazu zwangen, die Laufbahn zu beenden. „Ich hätte gerne noch weiter gemacht, aber die Gesundheit geht vor. Dafür war es ein sehr schöner Abschluss.“

Schneider, seit der Saison 2003/04 bei den Senioren am Ball, hat einige Höhen und Tiefen in Hamborn erlebt. „Es gab viele gute, aber auch einige schlechte Zeiten“, sagt der 35-Jährige. Er hatte 2012/13 noch 21 Spiele für Hamborn in der ersten Saison der Oberliga Niederrhein bestritten, bevor es erst einmal bergab ging – über eine Saison in der Landesliga für drei Spielzeiten in die Bezirksliga, ehe er vor zwei Jahren als Kapitän die erste Rückkehr in die Landesliga feiern durfte, in der er nur noch auf drei Einsätze kam.

Damals war der Meisterkampf gegen die DJK Vierlinden zwar kurzfristig auch mal spannend, mit letztlich 95 Zählern und zehn Punkten Vorsprung vor den Walsumern aber dann doch deutlich entspannter als bei der erneuten Rückkehr in die Landesliga.

„Als ich vor eineinhalb Jahren hier angefangen habe, galt es ja erst einmal, den freien Fall aus der Landesliga zu stoppen“, sagt Michael Pomp und verweist auf die Situation, in der er sein erstes Senioren-Team als Cheftrainer in der Winterpause der Saison 2017/18 vorfand. „Wir hatten viel Pech beim Abstieg“, erinnert sich auch Torjäger Tim Keinert noch gut an den knappen Saisonausgang, der im Last-Minute-Aus in der Relegation gegen den GSV Moers endete.

Dass sein Team nun mit 80 Punkten vor dem letzten Spiel noch bangen musste, dass der punktgleiche Verfolger Blau-Weiß Dingden den Löwen den direkten Aufstieg noch vor der Nase wegschnappen könnte, findet nicht nur Pomp extrem. Dabei habe Dingden die Löwen „auch angetrieben“, eine Rückserie von 15 Siegen bei nur einem Remis und einer Niederlage hinzulegen. „Wir haben uns nie aufgegeben, obwohl es im Winter noch hoffnungslos schien, den Rückstand von fünf Punkten bei noch drei Nachholspielen der Dingdener aufholen zu können“, so Pomp.

Zwar waren die Löwen, so Tim Keinert, „überrascht, dass Dingden noch so viele Punkte hat liegen lassen“. Durch „den Glauben an unsere eigene Stärke haben wir es doch noch hingekriegt“, sagt der Trainer, der das Erreichen des Saisonziels nicht hoch genug bewerten kann. „Unser Kader hat sich im Winter um fünf Spieler reduziert, wir hatten in manchen Partien nur zwölf Leute zu Verfügung. Und es gab eine Phase, die sehr schwierig zu überstehen war.“ Aber das Team habe zusammengehalten und auch die A-Junioren und Spieler aus der zweiten Mannschaft gut integriert. „Das hat gepasst“, sagt Pomp, der auch der Vereinsführung einen großen Verdienst am Erfolg bescheinigt. „Was der Verein für einen Aufwand betreibt und was er möglich macht, ist großartig. Das ist eine andere Liga.“

In der spielen der Trainer und sein Team nun auch in der nächsten Saison. „Der Charakter der Truppe stimmt, wir bleiben zusammen und haben uns punktuell verstärkt“, sagt Pomp, der den Löwen auch in der höheren Klasse einiges zutraut. Zumal sein Team mit den Neuzugängen Oguzhan Cuhaci und Maik Goralski sowie Torjäger Tim Keinert (29 Treffer), Andre Meier (17), dem zuletzt länger verletzten Riccardo Nitto (10) und Gökhan Kiltan, der seit seiner Rückkehr im Winter 15 mal für 07 traf, „im Sturm nicht Trabi fahren wird,“ wie der Hamborner Coach betont.

Ob es für 07 dann auch mal wieder zu den Klassen reichen wird, in denen Patrick Schneider einst im gelb-schwarzen Dress unterwegs war, lässt der Ur-Löwe mal auf sich zukommen. „Jetzt müssen wir erst einmal wieder in der Landesliga ankommen“, sagt der 35-Jährige, der den Hambornern erhalten bleiben wird. „In welcher Funktion steht noch nicht genau fest“, sagt der Sohn von Vereinsboss Ernst Schneider. „Aber den Vorstand kenne ich ja recht gut.“