Lokalsport: Günther Szalek hat nur noch eine Chance

Lokalsport : Günther Szalek hat nur noch eine Chance

Rollhockey: Der Trainer der RESG Walsum würde sich gerne mit einem Titelgewinn verabschieden, bevor er das Amt des Sportlichen Leiters beim Bundesligisten übernimmt. Doch nach dem Aus im Pokal bleibt jetzt nur die Meisterschaft.

Das ist keine gute Nachricht für die RESG Walsum. Xevi Berruezo, spanischer Leistungsträger des Rollhockey-Bundesligisten, hat sich am Samstag im Viertelfinalspiel des DRIV-Pokals beim RSC Cronenberg (4:5) eine Rippe angebrochen und wird seiner Mannschaft in den kommenden Wochen fehlen. Auf der Facebook-Seite des Vereins wurde diese Mitteilung unter Verwendung eines Schwarz-Weiß-Fotos, eingefasst von zwei schwarzen Balken, präsentiert - ein Indiz dafür, wie bitter dieser Ausfall für den auf Kante genähten Kader des Rekordmeisters ist.

Viel zu lange träumen sie rund um die Halle Beckersloh schon von einem Titelgewinn. Mit dem ersten Pokalsieg seit 2003 wird es nach dem Scheitern in Cronenberg schon einmal wieder nichts; da bleibt nur die Hoffnung auf die 17. Deutsche Meisterschaft. Nummer 16 gab es 1999. Seitdem war der Klub zeitweise ins Mittelmaß der Liga abgerutscht, aus dem ihn Günther Szalek wieder herausgeholt hat.

Der heutige Trainer übernahm eher etwas widerwillig kurz vor Ende der Saison 2014/15 vom erkrankten Detlef Strugala und führte die RESG Walsum seitdem kontinuierlich wieder nach oben. Nur mit dem großen Wurf wollte es bislang nicht klappen - und nun, da Günther Szalek angekündigt hat, sich ab dem Sommer auf den Posten des Sportlichen Leiters zurückzuziehen, wird es allmählich eng für den 55-Jährigen.

"Wenn es denn wirklich so sein sollte, dass wir ohne Titel bleiben, weiß ich trotzdem, dass ich alles dafür getan habe, damit wir einen holen", sagt Szalek. Die Frage stellt sich nicht - und die Fortschritte seit seinem Amtsantritt sind unwiderlegbar. Manche Dinge hat er aber aus seinen Spielern einfach nicht herausbekommen, wie er halb augenzwinkernd feststellt: "Diese Mannschaft ist nicht bereit, ein Ergebnis zu verwalten." Gepaart mit dem Drang, vor dem Tor immer noch lieber einen Querpass zu spielen, statt den Abschluss zu suchen, wird das ergebnistechnisch aber immer schwierig bleiben. Die Niederlagen, die es in Cronenberg sowohl in der Liga als auch im Pokal gab, sagen viel darüber aus.

Der Berruezo-Ausfall wird zudem wieder belegen, wie gering die Zahl an echten Alternativen im Kader ist. Im Prinzip sieht es bei den Feldspielern so aus, dass mit Miquel Vila, Xevi Berruezo, Sebastian Haas und Felipe Sturla eine erste Vier fix steht, zu der sich Christopher Berg als echte Alternative gesellt. Danach wird es aber eng. Nuno Rilhas muss mit 44 Jahren dem Alter allmählich Tribut zollen, Christopher Nusch fungiert hauptsächlich als Co-Trainer, Fabian Schmidt und Jan Dobbratz bekommen meist nur gegen die Kellerkinder Einsatzzeit. Und Pelayo Ramos, als vierter Ausländer in der Hoffnung geholt, dass Felipe Sturla "Rollhockeydeutscher" wird, schaut, weil der Vizekapitän doch weiterhin als Kontingentspieler gilt, meist zu. Er wird in den kommenden Wochen zwar den Platz des fehlenden Xevi Berruezo einnehmen, zeigte aber zuletzt schon in Cronenberg, wo er für den gesperrten Vila zum Kader gehörte, dass es ihm an Spielpraxis mangelt.

Alle diese Dinge wird Günther Szalek ab dieser Woche berücksichtigen müssen, wenn es in die ersten Vertragsgespräche geht. Die allerschwierigste Aufgabe wartet aber noch: einen Nachfolger für sich selbst zu finden.

(RP)
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