Fußball: VfB Homberg II ist nicht der typische Aufsteiger

Fußball : VfB Homberg II ist nicht der typische Aufsteiger

Dem VfB Homberg II wird von vielen der Durchmarsch in die Fußball-Landesliga zugetraut. Bei einem Blick auf den Kader ist dies alles andere als abwegig. Aufstiegscoach Sunay Acar tritt aber auf die Bremse.

Vom Besuch des Fitnesscenters können Sunay Acar selbst die aktuellen tropischen Temperaturen nicht abhalten. „Seit ich nicht mehr auf dem Platz stehe, brauche ich das – fünf bis sechsmal pro Woche“, sagt der Trainer des VfB Homberg II. Dieses Fitnessprogramm überträgt der ehemalige Kapitän der ersten Mannschaft auch auf sein Team. „Wer am meisten tut, bekommt auch am meisten“, lautet die Devise des Trainers. Und der Erfolg der letzten Saison gab dem 39-Jährigen Recht. Mit 20 Punkten Vorsprung auf Platz zwei und 134 erzielten Toren stieg sein Team aus der Moerser Kreisliga A in die Fußball-Bezirksliga auf. Eine Bilanz, die auch heute noch einen blendenden Effekt hat.

Anders kann sich Sunay Acar nicht erklären, dass sein Team als Aufsteiger auf nicht wenigen Favoriten-Zetteln seiner Trainerkollegen der Gruppe 4 steht. „Das muss die Reflexion unseres Durchmarsches sein“, vermutet Acar. Er gibt sich zugleich aber auch selbstbewusst, ohne dabei den warnendem Zeigefinger bezüglich seiner Devise zu vergessen. „Wir sind nicht aufgestiegen, um jetzt die Spiele zu verlieren. Wir wollen uns in der Liga etablieren. Von der Euphorie werden wir aber nicht lange zehren können. Wir müssen jetzt noch einen Schritt mehr machen. Es geht nicht ohne Disziplin, Respekt und Ordnung. Wenn dann noch der Wille hinzu kommt, mehr zu tun als die anderen, hast du schon die halbe Miete.“ Da spricht auch der langjährige Oberliga-Kicker des VfB aus Sunay Acar.

Zu weit aus dem Fenster lehnen will sich der Coach nicht – wenngleich er die seinem Team von außen zugesprochene Stärke durchaus unterschreiben kann. „Wir haben sicher einen bezirksligatauglichen, aber auch einen sehr jungen und nicht sehr breiten Kader“, merkt Acar die nur 19 Namen umfassende Spielerliste an. Freilich werden hin und wieder Kicker aus dem Oberliga-Team dazustoßen. Dennoch ist die Reserve darauf angewiesen, von Ausfällen verschont zu bleiben.

Doch dieser kleine Kader komprimiert Qualität. Luca Palla war mit 34 Toren in 31 Spielen Toptorjäger im Aufstiegsjahr. Ekrem Duljaj galt als bester Außenverteidiger der Moerser A-Liga. Sinan Atabay – ehemaliger Oberliga-Spieler in Homberg und ebenfalls mit 18 Treffern am Aufstieg beteiligt –, der spielende Co-Trainer Tobias Schiek oder auch der letztjährige Kapitän Carsten Golinski sind nur einige weitere Beispiele für die bereits vorhandene Stärke der Homberger Reserve. Und dann kommen Neuzugänge wie Tobias Schmitz und Stefan Schindler hinzu, die mit Sunay Acar noch zusammen für die Erste in der Oberliga kickten. „Die meisten Jungs kommen aus unserer eigenen Jugend oder haben schon mit mir zusammen gespielt“, weiß der Trainer um den Faustpfand einer eingeschworenen Truppe. Und auch auf „fremde“ Neuzugänge wie Michael Wiedemann, der elf Treffer für Gruppengegner Meiderich 06 /95 erzielte, freut sich Acar: „Von ihm erwarte ich mir viel.“

Über die Hälfte des kleinen Kaders kann mindestens Landesliga-Erfahrung vorweisen, einige Spieler noch mehr. Den erfahrensten Mann, den Acar mit einer Portion Hoffnung noch in seiner Liste führt, vermisst der Coach jedoch derzeit. Thomas Schlieter – unter anderem 87 Mal für Rot-Weiß Oberhausen in der 2. Bundesliga am Ball und Fundament für den Aufstieg des VfB II – will mit Rücksicht auf die Familie nur noch im Notfall zur Verfügung stehen. „Aber wenn der das T-Shirt hochzieht, glaubst du nicht, dass er 37 ist“, sagt Acar über den Fitnesszustand und die ihm ähnliche Einstellung seines alten Weggefährten.

„Die Flamme lodert noch in ihm. Ich hoffe, ich kann sie noch einmal entfachen“, sagt Sunay Acar und hält den passenden Zünder schon in der Hand: „Thomas hat alle Aufstiege bis zur 2. Liga geschafft – aber noch nie den in die Landesliga.“ Früher oder später würde Acar da mit dem VfB II „dann doch gern mal anklopfen“.

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