Kanu: Für Regattabahn-Chef Schmidt ist nach der fünften WM Schluss

Kanu : Für Regattabahn-Chef Schmidt ist nach der fünften WM Schluss

Eigentlich ist er zu beneiden. Jedenfalls auf den ersten Blick. Immer an der frischen Luft, ein Job, der eher ein Hobby vermuten lässt, der freundschaftliche Umgang mit den Athleten, der Ausgleichssport an gewohnter und liebgewonnener Stätte – natürlich im Kanu – was will man mehr?

Eigentlich ist er zu beneiden. Jedenfalls auf den ersten Blick. Immer an der frischen Luft, ein Job, der eher ein Hobby vermuten lässt, der freundschaftliche Umgang mit den Athleten, der Ausgleichssport an gewohnter und liebgewonnener Stätte — natürlich im Kanu — was will man mehr?

Dieter Schmidt (63) lächelt versonnen. "Das war das Beste, was mir passieren konnte", sagt er.

Als der frühere Sportdirektor Hermann Eichhorn ihm Ende der 70er Jahre die Verwalterstelle als Nachfolger seines Vaters angeboten hatte, sagte der langjährige Regattabahn-Chef sofort zu. Die Regattastrecke sei für ihn der schönste Platz in Duisburg. In zwei Jahren wird dieses Kapitel zugeschlagen, dann geht Schmidt in Rente. Die Verabredung fürs Gespräch wollte Dieter Schmidt am liebsten am vergangenen Wochenende treffen — "da haben die vielen Arbeiter frei und ich ein bisschen mehr Zeit", argumentiert er. Denn: Wenn die Kanu-Weltmeisterschaft auf "seiner" Bahn beginnt, ist Stress pur angesagt.

Auch am Sonntagmorgen, als viele Kanuten aus aller Herren Länder in der Wedau einfielen, hatte er schon, wie er zugibt, "zwei Schichten" hinter sich. Schmidts Handy bimmelt fast pausenlos, und das wird während der WM sicher nicht weniger. Ohne ihn geht im technischen Bereich der Regattabahn nicht viel.

Seitdem Rio de Janeiro die Weltmeisterschaften 2013 absagte und Duisburg in die Bresche sprang, war für den 63-jährigen Familienvater eines sonnenklar: "Meine fünfte Kanu-WM, und dann ist damit Schluss."

Die WM 2007 hat Schmidt in besonders guter Erinnerung. DKV-Präsident Uli Feldhoff überreichte ihm damals die ICF-Medaille als Dank und Anerkennung für seine jahrelangen Verdienste. Als Nachfolger seines Vaters Gustav, mittlerweile 87 und gesundheitlich immer noch gut dabei, beendet Dieter Schmidt dann eine Familien-Dynastie. Der Vater, als lebende Kanu-Legende Welt-und Europameister und Olympiateilnehmer, war Ende der Fünfziger der erste Verwalter der Bahn im Duisburger Süden, die später überall in der Welt den Ruf genoss, eine erstklassige Regattastrecke zu sein. Vor der WM 1979 setzten die Schmidts den Umbau der Regattabahn zum Bundesleistungszentrum mit Zielturm und neuer Tribüne um und machten sich damit besonders um den Kanu- aber auch Rudersport verdient.

Wenn in diesen Tagen 1500 Athleten aus fast 80 Nationen das bunte Bild in der Wedau beherrschen und Journalisten aus aller Welt in die Laptops tippen, wenn Siegerlisten kurz nach dem Zieleinlauf über die Bildschirme huschen, wenn die Fotografen nur Minuten brauchen, um Bilder in die Redaktionen zu schicken, ist Power der vielfältigen Art angesagt. Längst hat sich Dieter Schmidt mit der rasanten Entwicklung arrangiert. Er kennt es aber noch anders. "Früher brauchten wir keinen Computer", sagt Dieter Schmidt. Aber das gehört heutzutage nun mal dazu wie das Stechpaddel zum Canadier.

(RP)