Extrem-Radsportler Pierre Bischoff feiert großen Triumph

Radsport : Pierre Bischoff feiert großen Triumph

Nach dem zweiten Platz im vergangenen Jahr gewinnt der Duisburger Extrem-Radsportler das Trans-Siberian-Extreme über 9200 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok. Jetzt geht’s nach Hause nach Österreich – selbstverständlich auf dem Rad.

Pierre Bischoff ist entspannt. „Ich habe noch einen Tag frei. Dann setze ich mich aufs Rad und fahre nach Hause“, sagt der Duisburger Extremsportler im Telefongespräch. In Wladiwostok. Ja, der Mann steigt wieder aufs Rad und nimmt sich drei Wochen Zeit, um seine Wahlheimat Nauders in Tirol zu erreichen. Als wären die Strapazen der vergangenen Wochen nicht schon genug gewesen. Am Freitag gewann der Mann vom ASV Duisburg das Trans-Siberian-Extreme. Das härteste Etappenrennen der Welt. Es ging von Moskau nach Wladiwostok.

Im vergangenen Jahr wurde Bischoff Zweiter. Nun feierte er seinen großen Triumph. Er bewältigte die 9200 Kilometer lange Strecke über 15 Etappen in 316 Stunden und 45 Minuten. Der Däne Michael Knudsen wurde Zweiter – mit beachtlichen 17 Stunden Rückstand auf den Homberger.

Eine Krone nach der Königsetappe. Foto: NRZ

Der zweite Platz aus dem Vorjahr ließ Bischoff keine Ruhe. Bei der Ehrung zum Duisburger Sportler des Jahres im vergangenen November kündigte er schon an, dass er dieses Rennen gewinnen wollte. Er bereitete sich im zweiten Anlauf noch akribischer auf die Herausforderung vor. „Im vergangenen Jahr wusste ich nicht, was mich erwartet. Jetzt kannte ich die Strecke mit all ihren Schwierigkeiten“, erzählt der 33-Jährige.

Sein ärgster Konkurrent war der russische Profifahrer Vladimir Gusev, der unter anderem schon an der Tour de France teilgenommen hat. Zwei Welten, zwei Radsport-Philosophien prallten aufeinander. „Er ist der bessere Radfahrer, ich bin der bessere Ultrafahrer“, beschreibt Bischoff die Kräfteverhältnisse. Der Duisburger taktierte viel, ließ Attacken zu, die dem Konkurrenten Kraft kosteten.

Imposante Kulissen am Streckenrand. Foto: NRZ

Ein Schlüsselerlebnis brachte Bischoff auf die Siegerstraße. Unterwegs wehrte der Duisburger eine verbale Spitze seines Widersachers ab. „Er sagt, er sei besser als ich. Ich sagte: No“, berichtet Bischoff. Dieser Dialog gab dem Duisburger weitere Kraft, weit über die Grenzen hinauszugehen.

Am Ende musste Vladimir Gusev mit schweren Knieproblemen das Handtuch werfen. Als einziger der sechs Starter erreichte er nicht das Ziel in Wladiwostok. Aufgeben war für Bischoff hingegen nie eine Option, doch er spricht von „Tränen und vielen emotionalen Momenten.“

Zu den Höhepunkten zählte die Königsetappe des Extrem-Rennens. Auch hier durchbrach Bischoff eine Grenze. Auf der 1372 Kilometer langen Strecke von Chita nach Svabodny unterbot er die alte Bestmarke um zweieinhalb Stunden und erreichte nach 49 Stunden, 46 Minuten und 35 Sekunden das Ziel. Bischoff: „Ich hatte im Internet einen Wettbewerb ausgelobt. Die Leute sollten meine Zielzeit tippen. Schon dadurch war ich verpflichtet, alles zu geben.“

Vor zwei Jahren gewann Pierre Bischoff das „Race Across America“, im vergangenen Jahr wurde er in Sibirien Zweiter, und nun fuhr er als Sieger in Wladiwostok ein. Was kommt als nächstes? Gibt es noch eine Steigerung? „Eine Tour rund um die Welt. Das wäre es.“

Doch jetzt geht es erst einmal zurück nach Hause nach Österreich. Pierre Bischoff hat einen Anhänger bei sich – für das Gepäck und ein Zelt. Einen Teil der Wettkampfstrecke erlebt er nun nicht als Sportler, sondern als Tourist. Bischoff will die abenteuerliche Landschaft nun ganz entspannt genießen. Er freut sich auch auf nette Gespräche. Pierre Bischoff: „Die Leute kennen mich mittlerweile. Ich weiß jetzt schon, dass ich an Türen klopfen kann und ein Bett für die Übernachtung erhalten werde.“