Lokalsport: Erstes Training, von Beginn an mit Feuer

Lokalsport : Erstes Training, von Beginn an mit Feuer

MSV Duisburg: 3000 Besucher schauen zu, als Trainer Ilia Gruev und Manager Ivica Grlic das neue Team der Zebras präsentieren.

Wenn es um Fußball geht, dann versteht der Trainerstab der Zweitligisten MSV Duisburg so gar keinen Spaß. Dabei wäre die Geschichte des ersten Tores in der neuen Saison eine so schöne gewesen. Quasi wie gemalt für einen Trainingsauftakt, zu dem so viele Fans kamen wie schon seit Jahren nicht mehr. Wenn die Herren nicht so schrecklich humorlos wären. Etwa 3000 Zuschauer schauten gestern beim ersten Üben des neuen Kaders zu. Wie es sich gehört, gab es zum Abschluss ein kleines Trainingsspiel. Und da fiel dann auch das erste Tor.

Spieler des Jahres: Kapitän Kevin Wolze wurde von Stefan Leiwen geehrt. Foto: Jörg Schimmel

Dina Voss, die sich um die MSV-Show in den sozialen Medien kümmert, hatte es auch gleich mit der Videokamera eingefangen. Neuzugang Joseph-Claude Gyau setzte sich auf der linken Seite durch, flankte vors Tor und Neuzugang Richard Sukuta-Pasu haute den Ball ins Netz. Zwei der Neuen hatten die Szene bestimmt. Sukuta-Pasu hatte zudem Geburtstag. 28 Jahre wurde er gestern. Das kann doch was! Konnte es aber nicht. Torwarttrainer und Aushilfslinienrichter Sven Beuckert hatte gesehen, dass der Ball vorher im Aus war. Der Treffer zählte mithin nicht.

Fans zufrieden, Präsident zufrieden: Ingo Wald (links vorn) freute sich über den großen Zuspruch bei der Saisoneröffnung in Meiderich. Foto: Jörg Schimmel

Trainer Ilia Gruev war darüber so furchtbar unglücklich nicht. Wenn es um das Formulieren der Saisonziele geht, dann beschreibt der MSV so etwas wie "Klassenerhalt plus" als Vorgabe. Zum Plus gehört es, deutlich weniger als 56 Gegentore aus dem Vorjahr zu kassieren. Da wirkt ein 0:0 im ersten Zusammenspiel vielversprechend. Gruev sprach dann bei der Nachbetrachtung ebenfalls davon, dass man gut in der Struktur gestanden habe. Ausgesprochen ernsthaft schaute der Trainer auf ein Spielchen zurück, das doch eigentlich nur der Unterhaltung der Fans dienen sollte.

Alle Hürden meistern: Andreas Wiegel (vorn) beim ersten Training. Foto: Jörg Schimmel

Wie gesagt, in Sachen Fußball kennt der Mann keinen Spaß: "Hart, ambitioniert und seriös" wollen er und seine Spieler in der Vorbereitung arbeiten, hatte der 48-Jährige vorher im Interview gesagt. Dass da kein Stroh gedroschen wird, ließ er gestern durchscheinen: Über eine Stunde ließ er die Mannschaft hart, ambitioniert und seriös trainieren. Neuzugang Sebastian Neumann merkte gleich an: "Da war von Beginn an Feuer drin." Kevin Wolze, der Mannschaftskapitän und inzwischen dienstältestes Zebra (seit 2011 im Kader), weiß, warum es gleich heiß her geht: "Die vergangene Spielzeit hat gezeigt, dass wir Körner bis zum Schluss brauchen." Gestern begann das Team, im vermeintlich schwereren zweiten Jahr nach dem Aufstieg die Saat zu säen. Die gesamte Truppe kennt diese Gepflogenheiten. Beim Wiegen nach der Pause brachte keiner Übergewicht mit.

Die Chefs und die Neuen: (hinten von links) Trainer Ilia Gruev, Jonas Brendieck, Daniel Mesenhöler, Richard Sukuta-Pasu, John Verhoek, Sebastian Neumann, Manager Ivica Grlic; (vorn von links) Joseph-Claude Gyau, Yanni Regäsel, Young-Jae Seo, Migel-Max Schmeling. Foto: Jörg Schimmel

Derweil fährt Geschäftsführer Peter Mohnhaupt die erste Ernte ein: Zur Saisoneröffnung gab es ein volles Haus. Das war schön. Inzwischen aber hat der MSV auch 4000 Dauerkarten verkauft und liegt damit um 15 Prozent über den Abo-Zahlen zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Platz sieben zahlt sich mit Begeisterung bei den Fans aus.

In Sachen Trikotsponsor hat Mohnhaupt in der kommenden Woche ein ernsthaftes Gespräch mit einem Kandidaten in Frankfurt. Das neue Trikot stellt man beim offiziellen Fototermin vor. Die ersten Testspiele am Mittwoch gegen den Hülser SV (19 Uhr, Krefeld-Hüls), am Samstag gegen die Stadtauswahl Duisburg (13 Uhr, Holtkamp) und am 5. Juli beim VfB Günnigfeld (19 Uhr, Bochum) bestreitet man noch im alten Hemd.

Auch gestern präsentierte sich die Mannschaft im Jersey mit dem Sponsor der vergangenen Saison. Zu den Dienstpflichten gehört dabei auch das Foto mit allen Neuzugängen. Neun sind es, rechnet man die beiden Eigengewächse Jonas Brendieck (im Tor) und Migel-Max Schmeling (Abwehr) mit dazu. Auf die Frage, ob es noch mehr werden könnten, antwortete Manager Ivica Grlic: "Man soll nie nie sagen." Vor allem aber erklärte er: "Das ist der Kader, dem wir zu 100 Prozent vertrauen." Der Sorge, dass vielleicht noch ein Spieler aus dem Kreis herausgekauft wird, trat Grlic ebenfalls entgegen. Zu Gerüchten, Fabian Schnellhardt werde von Union Berlin umworben, sagte er: "Mir liegt weder offiziell noch inoffiziell ein Angebot vor." Schnellhardt fehlte gestern. Er feierte Hochzeit. Das gilt selbst beim MSV als gute Entschuldigung für ein abgesagtes Training.

Schließlich: Kevin Wolze wurde mit 86 Prozent der über 4800 Stimmen zum Spieler der vergangenen Saison gewählt. Nicht zuletzt wegen seiner Tore per Elfmeter oder Freistoß. Und auch da ist Kevin sehr humorlos. Als im Trainingsspiel ein Freistoß aus aussichtsreicher Position zu schießen war, trippelte der Linksverteidiger nach vorn und legte sich den Ball zurecht. So was ist Chefsache. Selbst im ersten Training.

(kew)
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