Handball: Erfolgshandballerinnen gehen im Streit

Handball : Erfolgshandballerinnen gehen im Streit

Höing und Kugler-Höing können den Rauswurf nach einem Jahrzehnt beim TV Walsum-Aldenrade nicht verstehen.

In der Handball-Abteilung des TV Walsum-Aldenrade gab es gestern reihenweise betrübte Mienen. Am Montagabend hatte der Klub, wie berichtet, das Trainergespann der Frauen-Oberligamannschaft mit sofortiger Wirkung entlassen. Ramona Kugler-Höing und Kerstin Höing wurden am Nachmittag von Frauenwart Martin Schulz darüber informiert, dass sie nicht, wie ursprünglich geplant, bis zum Saisonende die Trainingseinheiten beim TVA leiten werden.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Ehrung zum zweiten Niederrheinmeistertitel in Folge im April 2013. Foto: Büttner

Hintergrund der Entlassung war wie berichtet die Einwechslung der angeschlagenen Tanja Ludwig beim Oberligaspiel gegen den TV Lobberich, wodurch die Leistungsträgerin nach ihrer verletzungsbedingten Pause wieder in der ersten Mannschaft festgespielt war. Wäre sie nicht eingewechselt worden, hätte sie der Reserve im Verbandsliga-Abstiegskampf helfen können. Deshalb hatten Schulz und Co. nach eigener Aussage den Trainerinnen empfohlen, auf Ludwig zu verzichten.

"Für den Fall, dass alle Stricke reißen, haben wir Tanja dennoch auf der Bank Platz nehmen lassen", sagt Schulz, der auch den Zeitpunkt der Einwechslung bemängelt: Etwas mehr als zehn Minuten vor dem Ende des Spiels, als der TVA mit fünf Toren hinten lag. Mit der Hereinnahme Ludwigs wollte das Trainergespann seinem Team noch einmal einen entscheidenden Impuls verleihen, doch trotz dreier Ludwig-Tore unterlagen die Walsumerinnen mit 24:27. Für die Verbandsligamannschaft ist Ludwig nun vorerst nicht spielberechtigt.

Die Verantwortlichen des TVA hatte die Entscheidung der Trainerinnen so sehr verärgert, dass man die Zusammenarbeit am Montag vorzeitig beendete. Kerstin Höing sagt nun: "Vor der Partie wurde uns die Entscheidung überlassen, ob wir Tanja spielen lassen oder nicht. Es gab kein klares Nein vom Verein. Die Verantwortung dafür wollte niemand übernehmen. Im Nachhinein wird uns die Entscheidung, die wir getroffen haben, dann vorgeworfen." Hinter den Kulissen gab es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, inwieweit das personell gebeutelte Oberligateam dem in der Verbandsliga helfen könne.

"Uns geht es darum, dass wir die Saison im Frauenbereich geschlossen und mit allen Mannschaften gut zu Ende bringen", erklärt Schulz, der seit Wochen Hilfe für die "Zweite" forderte. "Auch wir wollten der zweiten Mannschaft helfen. Jedoch war das aus unserer Sicht nicht immer möglich. Es gab Partien, in denen wir selbst fast keine Spielerin auf der Bank sitzen hatten", erklärt Höing, die über den Rauswurf verärgert ist: "Es wurde über unseren Kopf hinweg entschieden. Wir wollten diesen Schritt nicht gehen. Uns gegenüber empfinde ich das als respektlos. Wir sind seit neun beziehungsweise elf Jahren im Verein, und dann nimmt es so ein unschönes Ende."

Schulz betont derweil, dass ihm die Entscheidung nicht leichtgefallen ist: "Mir persönlich tut es unheimlich leid. Es gibt eigentlich nur Verlierer. Letztlich haben wir uns dafür entschieden, die Saison als Verein geschlossen beenden zu wollen. Dafür waren die Meinungsverschiedenheiten zu groß." Der Frauenwart wünscht sich, "dass keine schmutzige Wäsche gewaschen wird und die Sache ein glimpfliches Ende nimmt".

(tob)
Mehr von RP ONLINE