1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg
  4. Sport

Kanu: Ein feucht-fröhliches Kanu-Vergnügen

Kanu : Ein feucht-fröhliches Kanu-Vergnügen

Bei den Westdeutschen Meisterschaften spielte nur das Wetter nicht mit. Der KRV meisterte als Ausrichter 319 Rennen.

Otto Schulte musste am Wochenende zugeben, dass seine Eigenschaft, Schönwetter machen zu können, offenbar nur grenzübergreifend wirkt. Wenn in Duisburg um Weltcup-Punkte oder gar um Weltmeister-Ehren gepaddelt wird, dann sorgt der Regattaleiter gemeinhin mit dem Hoch "Otto" für Sonnenschein. Regionale Wolkenlosigkeit kann Schulte offenbar nicht.

Die Westdeutschen Meisterschaften auf der Wedau-Bahn waren dann doch ein sehr feucht-fröhliches Vergnügen. Auf dem Zeltplatz direkt neben der Haupttribüne, den viele Kanuten als Quartier während der Titelkämpfe nutzten, gehörte das Wäschetrocknen zu den wichtigen Beschäftigungen.

Schulte, Präsident des ausrichtenden Kanu-Regatta-Vereins (KRV), musste sich Günther Kuskes leisen Spott gefallen lassen: Zu seiner Zeit habe es das nicht geben, Regen während der Westdeutschen, meinte der Bertasee-Ehrenpräsident. In der Vergangenheit hatten Kuske und Co. die Westdeutsche in Duisburg organisiert.

Das Team des KRV verantwortete zum ersten Mal die Meisterschaften. Im Vorjahr hatte man mit Bertasee noch zusammen, die Regatta ausgerichtet. Als Generalprobe für die WM Ende August auf der Wedau-Bahn. Inzwischen hat Kuske die Aufgabe aber aus Altersgründen abgegeben. Der KRV ist damit nicht mehr allein für den Weltcup oder Weltmeisterschaften zuständig. Da in diesem Jahr der Weltcup nicht in Duisburg Station machte, konnte sich die Crew fit halten.

  • Ein Fan hält ein MSV-Schal in
    Nach Corona-Pause : Der August wird für den MSV zur „Herausforderung“
  • Blick in die Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena.
    Wegen Corona : Nächstes Drittliga-Spiel des MSV Duisburg fällt aus
  • Ein Fan hält ein MSV-Schal in
    Nach weiterem Corona-Fall : Auftaktspiel des MSV fällt aus

Die Mannschaft kümmerte nun um die Landesmeisterschaft. Mal vom Wetter ganz abgesehen keine geringe Aufgabe: 319 Rennen galt es, von Freitagnachmittag bis zum späten Sonntag über die Bahn zu schicken. Dazu kamen die Schülerspiele, bei denen es nicht allein ums Paddeln, sondern auch weitere Geschicklichkeiten vor dem Einstieg in die große Wettkampfkarriere geht. 28 Vereine hatten für die Westdeutsche gemeldet. Knapp 1000 Kanuten zeigten ihr Können. Weltmeister und Olympiasieger waren dieses Mal nicht darunter, sieht man von Thomas Reineck, dem Präsident des veranstaltenden Westdeutschen Kanu-Verbands ab. Der Goldmedaillengewinner von Barcelona 1992 und Atlanta 1996 repräsentierte. Während seine Tochter Pia zu einem Titel bei der Westdeutschen Meisterschaft kam. Zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaften in Potsdam ließen die Asse des Kanu-Rennsports den regionalen Auftritt aus gutem Grund aus.

Schulte hatte dennoch seinen Spaß: "Mir hat gefallen, wie aufgeregt viele Talente vor ihren Rennen waren. Da spürte man richtig den Ehrgeiz. Die Topfahrer kaschieren diese Nervosität ganz oft, indem sie sich vor ihrem Lauf cool geben."

Für die heimischen Fahrer gab es derweil wenig zu gewinnen. Hans Günther, der über viele Jahre die Bertasee-Kanuten betreute und mit zahlreichen Nachwuchsfahrern Meisterehren einpaddelte, bekannte: "Wir haben derzeit ein Loch." Viele der Talente haben ein Studium andernorts angefangen oder den Verein gewechselt. U 23-Vizeeuropameister David Schmude fuhr in Duisburg zum Titel. Allerdings inzwischen als Starter der KG Essen.

Aus dem eigenen Nachwuchs schaffte es Philipp Gierkowski ins Finale über 200 Meter. Rang sieben belegte der Junior auf der Kurzstrecke. Titel gab es nur für Franz Frank, Andre Heyden und Andi Bengs. Alle mindestens Ü 50. Doch Hans Günther sieht mehr als nur einen Silberstreif am Horizont. Sein Verein hat den Trainerstab um Andre Brendel erweitert und tüchtig Werbung für den Einstieg ins Kanu gemacht. Bei der Westdeutschen durfte man sich über die Schülerspiele-Erfolge von Marina Bärg (11) und Ferdinand Dittmar (12) freuen. Der Vierer des benachbarten WSV Niederrhein brachte es auf einen dritten Platz.

(kew)