Duisburg: Hertha Hamborn wird nach Handgemenge während eines Spiels bestraft

Fußball : Ein Handgemenge bei Hertha Hamborn erhitzt die Gemüter

Bei einem Spiel des Kreisligisten ging ein Zuschauer zu Boden – ausgerechnet der Schiedsrichterbeobachter. Der Verein erhält eine Geldstrafe und wehrt sich.

Flapsige Sprüche unter Zuschauern auf dem Fußballplatz? Das gehört zum Tagesgeschäft. Mal sind sie mit Humor gemeint – mal aber auch nicht. Bei einem Kreisliga-Spiel von Hertha Hamborn am 14. April gegen Eintracht Walsum schaukelte sich ein Streit in kur­zer Zeit hoch. Das Ende, in Kurzfassung formuliert: Der eine Zuschauer packte einen anderen am Schlafittchen und drückte ihn zu Boden. Die Darstellung darüber, wie heftig dieses Drücken oder Schubsen ausgefallen ist, variiert je nach Sichtweise. Das Problem: Der Zuschauer, der auf dem Boden landete, war der Schiedsrichterbeobachter.

Die Frage nach der Verantwortung für die Szene entzweit die Gemüter. In einer Zusatzmeldung zum Spielbericht schrieb der Schiedsrichter: „In der 73. Minute wurde das Spiel für circa neun Minuten unterbrochen, da der angesetzte Schiedsrichterbeobachter von einem Zuschauer angegriffen wurde. Ich habe hierbei beobachtet, dass sich bei ihm eine Menschenmenge ansammelte. Als ich das sah, habe ich sofort das Spiel unterbrochen und bin zu ihm gelaufen. Dabei sah ich ausschließlich, wie der klar zuzuordnende Zuschauer von der Heimmannschaft auf den Beobachter zurannte und ihn von der Bank schubste. Was danach passierte, konnte ich nicht sehen. Ich befand mich bei der Unterbrechung auf der anderen Spielseite. Nachdem sich die Lage beruhigte, habe ich die Partie zu Ende gepfiffen und die unterbrochene Spielzeit nachgespielt.“

Im Polizeibericht gab der Schiedsrichterbeobachter an, dass zwei Männer in einen verbalen Streit geraten seien. Als er über die Situation lachen musste, sei einer der Männer auf ihn zugekommen und habe ihn mit dem rechten Handballen ins Gesicht geschlagen. Danach habe sich der Beschuldigte entfernt. Als Vorname des Beschuldigten wurde der Name Mike angegeben. Als Verletzung wurde eine leichte Schwellung an der Oberlippe vermerkt.

Das ist für den Schiedsrichterbeobachter kein hinnehmbarer Vorgang. Das Folgende finden die Herthaner aber ebenso nicht hinnehmbar. Denn im Antrag auf Einleitung eines sportgerichtlichen Verfahrens gegen Hertha wurde auch erklärt, der Beobachter sei mehrfach mit dem Kopf zu Boden gestoßen worden. In ihrer Stellungnahme wies die Hertha die Schilderung des Vorgangs zurück und betonte, es gebe Zeugen, die erklären, dass der Beobachter nur geschubst worden sei.

Zusätzlich erklärte René Wie­linski, Sportlicher Leiter der Hertha, der Beobachter habe ihn und Vereinschef Christian Birken in einem Sechs-Augen-Gespräch unter Druck gesetzt. Wenn die Herthaner den Namen des Beschuldigten nennen würden, hätte das keine Konsequenzen für Hertha Hamborn, andernfalls „würde es richtig bitter für unseren Verein“.

Birken erklärte, ihm seien zudem persönlich rechtliche Schritte angedroht worden. Und viel wichtiger: „Uns ist der Täter nicht bekannt.“ Zur Verhandlung wurden mehrere Hertha-Spieler (teils ehemalige) mit dem Namen Michael oder Mike geladen. Zudem sollten die Pässe mitgebracht werden. Schließlich wurde jedoch ein anderer Mike als vermeintlicher Täter identifiziert. Ein Kreissportgericht-Verfahren gegen ihn wurde ausgesetzt, bis ein Spielerpass für ihn beantragt wird.

Das eigentliche Urteil brachte die Herthaner nun in Rage: Denn der Verein wurde zu einer Strafe von 1000 Euro „aufgrund des grob unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer“ verurteilt. 400 Euro davon wurden zur Bewährung ausgesetzt. Dazu kommen 100 Euro wegen fehlender Ordner bei der Begegnung. Zudem muss die Hertha diverse Verfahrenskosten tragen.

Christian Birken erklärte: „Die 100 Euro für fehlende Ordner sind ein Witz. Die 1000 Euro zahlen wir nicht – eher ziehen wir die erste Mannschaft zurück.“ Daraufhin hat Birken einen Spielerpass für den beschuldigten Mike beantragt, um das Verfahren gegen den vermeintlichen Übeltäter beim Verband wieder in Gang zu setzen. Dieser wiederum hat sich mit einem Anwalt gegen das ebenfalls vom Kreissportgericht via Hertha Hamborn angeordnete Platzverbot gewehrt – mit Erfolg. Zudem, so der genannte Mike, sei er nicht auf der Anlage gewesen.

Der Vorsitzende des Kreissportgerichts, Torsten Tarara, wollte sich auf Anfrage mit Verweis auf ein mögliches Berufungsverfahren vor dem Bezirkssportgericht nicht zu dem Vorgang äußern. „Wir haben bislang keine Kenntnis von einem Verfahren vor dem Bezirkssportgericht“, sagt dagegen Birken.

Der TuS Asterlagen, der zum Kreis Moers gehört, wurde vor wenigen Tagen für die schweren Ausschreitungen gegen die Schiedsrichter nur zu 750 Euro verurteilt. Birken: „Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?“

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