1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg
  4. Sport

Wasserball: Diplomarbeit statt Weltmeisterschaft

Wasserball : Diplomarbeit statt Weltmeisterschaft

Wasserballer Tobias Kreuzmann sagte der Nationalmannschaft ab, um seine berufliche Karriere voranzutreiben.

Tobias Kreuzmann würde gerne an der Wasserball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Aber die Vernunft hat "Nein" gesagt. Der Kapitän des Double-Gewinners Amateur SC Duisburg (ASCD) wird morgen 32. "Es wird Zeit, dass ich beruflich Fuß fasse", weiß Kreuzmann, der bis dato in rund 350 Länderspielen für Deutschland die Kappe schnürte und dies nur allzu gerne auch in Zukunft tun würde. "Aber ich bin jetzt in einem Alter, wo ich Prioritäten setzen muss", erklärt der zweimalige Olympia-Teilnehmer. Schweren Herzens hat er Bundestrainer Nebojsa Novoselac für die Titelkämpfe in Barcelona (Spanien / 19. Juli bis 4. August) abgesagt. Den Sommer will "Kreuz" dazu nutzen, seine Diplomarbeit fertigzustellen und eine Anstellung zu finden.

Ob er anschließend seine Karriere in der DSV-Auswahl fortsetzt, hängt in erster Linie von seinem künftigen Arbeitgeber ab. Dieser müsste dem Leistungssportler mitunter flexible Arbeitszeiten einräumen. "Mit dem ASCD trainieren wir frühmorgens und abends, dazu kommen die Spiele am Wochenende und die Maßnahmen mit der Nationalmannschaft. Außerdem möchte ich natürlich genug Zeit für meine Tochter und meine Freundin haben", ist sich Kreuzmann bewusst, dass womöglich die Zeit gekommen ist, wo er die schwarz-rot-goldene Badehose an den Nagel hängen muss: "Als Wasserballer kann man in Deutschland kein Geld verdienen. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Beruf einfach Vorrang hat."

Die Hoffnung, weiter für die Nationalmannschaft zu spielen und womöglich sogar an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) teilzunehmen, hat der Modellathlet freilich längst noch nicht aufgegeben: "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn sich eine Lösung findet." Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der angehende Wirtschaftswissenschaftler zurzeit auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit befindet. Mit dem ASCD schubste er unlängst Spandau 04 Berlin vom Thron. "Das Double ist eine richtige Genugtuung nach der harten Arbeit der vergangenen Jahre", erklärt Kreuzmann, der nun hofft, dass er mit den Amateuren ab Oktober auch international spielen kann: "Wir sind zum ersten Mal seit 45 Jahren wieder Meister geworden und wollen Duisburg unbedingt in der Champions League vertreten."

Stand jetzt ist dafür ein Betrag im höheren fünfstelligen Bereich vonnöten. "Im Wasserball kann man mit verhältnismäßig wenig Geld viel bewegen. Hoffentlich klappt's", sagt Kreuzmann. Die spielfreie Zeit kommt ihm in vielerlei Hinsicht gelegen. Zum Einen natürlich der empirischen Diplomarbeit wegen, die er an der Mercator School of Management am Lehrstuhl von Prof. Joachim Prinz anfertigt. Zum Anderen aber auch, um vom Sport abzuschalten. Denn so phänomenal der Saisonendspurt war, er hat auch reichlich Kraft und Nerven gekostet. "Erst in den Tagen danach habe ich gemerkt, dass in letzter Zeit doch so einiges zu kurz gekommen ist und ich viele Dinge notgedrungen aufgeschoben habe", erzählt Kreuzmann, der jede freie Minute mit Töchterchen Leni (1) und Freundin Hannah genießt.

Zuletzt stattete die kleine Familie Hannahs Eltern in Nürnberg einen Besuch ab. Die WM-Vorbereitung der deutschen Mannschaft verfolgt der Routinier derweil aus der Ferne. Aktuell weilt die DSV-Auswahl im Trainingslager in Rijeka, wo sie heute Abend in einem offiziellen Länderspiel auf den Olympiasieger Kroatien trifft. Bei der WM wird der EM-Fünfte ein stark verjüngtes Team ins Rennen schicken. Denn vor Kreuzmann hatten bereits Torhüter Alexander Tchigir (44), der langjährige Kapitän Marc Politze (35) sowie die Centerverteidiger Florian Naroska (31) und Fabian Schroedter (30) aus verschiedenen Gründen abgesagt.

Der ASC Duisburg ist nach der Absage seines "Leitwolfes" noch mit sechs Spielern im vorläufigen Kader vertreten. Während Julian Real, Paul Schüler und Dennis Eidner seit Jahren feste Größen sind, hoffen Till Rohe, Jan Obschernikat und Torhüter Moritz Schenkel, der überragende Rückhalt des ASCD in den Finalspielen, auf ihre erste WM-Teilnahme.

(kök)