Lokalsport: Deutsches Top-Duo ficht für Duisburg

Lokalsport : Deutsches Top-Duo ficht für Duisburg

Peter Marduchajew und Udo Jacoby starten für die Eintracht und wollen Deutsche Mannschaftsmeister werden.

Sie standen sich auf der Planche etliche Male gegenüber, doch nun verfolgen Udo Jacoby und Peter Marduchajew dasselbe Ziel: "Diese Medaille soll eine andere Farbe bekommen", sagt Jacoby und klopft auf das silberne Edelmetall, das das Duo vor wenigen Wochen bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Florett-Senioren 150 plus gewonnen hat. Jahrelang waren die beiden Fechter Gegner, nun treten sie gemeinsam für Eintracht Duisburg an, das damit das deutsche Top-Duo in seinen Reihen hat: Marduchajew ist die Nummer eins der Rangliste, Jacoby die Nummer zwei.

Im Finale der Veteranen-EM 2009 in Ungarn fochten sie noch gegeneinander, Marduchajew gewann. Nun gibt es gemeinsame Ziele, eines ist die nationale Goldmedaille, ein anderes ein gutes Abschneiden bei der WM in Ungarn im Oktober, wo das Duo im Einzel und im Team antritt. Jacoby: "Wir verstehen uns sehr gut. Wir sind seit 2005 bei der Nationalmannschaft und teilen uns eigentlich auch immer ein Zimmer. Wir sind gute Freunde."

Das erste "Zimmer-Teilen" entsprang allerdings einem Zufall: "Wir mussten nach Spanien, nach Ciudad, und das ist gar nicht mal so einfach. Da muss man nach Madrid fliegen und von da aus mit dem Zug weiter", erinnert sich Jacoby. "Ich hatte den Flug gebucht und ein Hotel, da kam Peter am Flughafen Düsseldorf an und war überhaupt nicht vorbereitet. Er wusste nicht, wie man von Madrid weiterkommt, hatte kein Hotel gebucht. Und als wir dann in Ciudad waren, gab es kein Zimmer mehr. Ich hatte eigentlich ein Einzelzimmer gebucht, das sich dann aber als Doppelzimmer herausstellte." "Das wusste ich natürlich vorher", wirft Marduchajew grinsend ein und ergänzt: "Seit dem Tag managt er alles." Eine flachsende Erklärung für sein Unvorbereitetsein hat der 51-Jährige auch: "Bei der sowjetischen Nationalmannschaft brauchte ich mich auch um nichts kümmern."

Der gebürtige Aserbaidschaner war 1982, '83 und '85 sowjetischer Meister und trat bei der WM 1983 in Budapest für die Sowjetunion an. 1990 zog er nach Deutschland, im Jahr 2000 erhielt er die doppelte Staatsbürgerschaft, weil: "Meine Töchter sind hier geboren und ich bin - glaube ich - ganz gut integriert", sagt Marduchajew schmunzelnd. Seine Töchter, die inzwischen 24 und 16 Jahre alt sind, hatte er anfangs auch für seinen Sport begeistern können, aber "beide haben mit 15 Jahren aufgehört - der Trainer-Papa war wohl zu streng und hat zu viel verlangt". Dabei liegt ihm das Unterrichten: Nach seinem Studium in Baku ist er mittlerweile neben seiner Tätigkeit als Fechttrainer auch Sportlehrer an einer Grundschule und einer privaten Schule in Bochum. Da ist der Weg nach Duisburg zum Training auch nicht weit.

Zur Eintracht kam Marduchajew, weil sich die 150-plus-Mannschaft in Darmstadt, für die er neun Jahre lang gefochten hatte, auflöste und weil Jacoby ihn nach Duisburg lotste. Der 50-jährige Ingenieur kam in der Grundschule zum Fechtsport: "Als ich sieben Jahre alt war, gab es da einen Tag des Sports. Und Fechten war als kleines Kind natürlich spannend", erklärt Jacoby: "Es macht heute immer noch Spaß." Nachdem er "viele, viele Jahre in Duisburg gefochten" hatte, musste er den Sport nach anderthalb jahren in der Sportfördergruppe der Bundeswehr aus beruflichen Gründen zurückstellen, bevor er ihn Anfang der 90er Jahre in Moers wieder aufnahm. "Dort habe ich bis 2004 unter anderem auch Benjamin Kleibrink trainiert", erzählt Jacoby und ergänzt mit einem schmunzelnden Blick auf den Olympiasieger von 2008 in Peking: "Meine Bilanz gegen ihn ist immer noch positiv. Das wäre heute sicherlich anders."

(RP)
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