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Fußball: Der Paukenschlag nach dem Sieg

Fußball : Der Paukenschlag nach dem Sieg

Die gute Leistung der Niederrheinliga-Fußballer von Hamborn 07 beim 2:1-Erfolg über TuRU Düsseldorf trat kurz nach dem Abpfiff in den Hintergrund. Frank Golomb und Hans-Werner Schwarz erklärten ihren Rücktritt. Auch Erich Grüter und Klaus Mroß schmeißen hin.

Die Zuschauer im Hamborner Holtkamp waren sich einig. Nach einer verkorksten Hinserie zeigte sich der Niederrheinligist stark verbessert, schlug den Tabellendritten mit TuRU Düsseldorf mit 2:1 (1:1) und das auch noch vollkommen verdient. Es geht wieder aufwärts, will man meinen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Gestern gab es dann nach dem Spiel den großen Paukenschlag. Kurz nachdem 07-Trainer Heiko Heinlein von der hervorragenden Leistung seiner Mannschaft schwärmte, traten der Sportliche Leiter Frank Golomb und Geschäftsführer Hans-Werner Schwarz in den Blickpunkt.

"Überrascht und sehr enttäuscht"

Sichtlich ergriffen gab Golomb bekannt, dass er sich wegen Meinungsverschiedenheiten dazu veranlasst sieht, sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder zu legen. "Es gibt ein paar Sachen, die ich anders sehe als andere Leute. Für mich persönlich ist es besser, zurückzutreten." Dabei zielte Golomb ganz offensichtlich auf 07-Präsident Ernst Schneider, der ebenfalls anwesend war. Das Verhältnis zwischen den beiden: Eiskalt, kein Blickkontakt.

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Dabei pfiffen die Spatzen noch vor kurzem von den Dächern, dass Golomb sogar zweiter Vorsitzender werden soll. Schneider reagierte auf Golombs Äußerungen mit Kopfschütteln und äußerte sich dann ebenfalls: "Ich bin von der Situation überrascht und sehr enttäuscht, dass solch ein Schritt erst öffentlich wird, bevor er mit mir besprochen wird." Zuvor erklärte auch Hans-Werner Schwarz seinen Rücktritt. Der Geschäftsführer: "Für gravierende, personelle Entscheidungen, die in der Zukunft getroffen werden sollen, stehe ich nicht gerade. Für Frank Golomb und mich gab es nur diesen Schritt."

Die Kritik der beiden bezieht sich darauf, dass Ernst Schneider als Eigenbrödler gelten soll. Wichtige Entscheidungen habe der Vorstandsvorsitzende meist über den Kopf seiner Vorstandskollegen hinweg entschieden. Intern war seit längerem bekannt, dass der Baum brennt: "Mir war bekannt, dass es nicht rund läuft, aber diese Konsequenzen hätte ich nicht erwartet", erklärte 07-Trainer Heiko Heinlein.

"Es ging nicht mehr anders"

Neben Golomb und Schwarz legen auch Erich Grüter, langjähriger Vorsitzender und bis dato Kassenwart, und Schiedsrichter-Betreuer Klaus Mross ihre Ämter nieder. Den letzten Ausschlag für die Rücktrittsentscheidung der Verantwortlichen gab der zunehmende Einfluss der kürzlich installierten Sportlichen Leiter Hans Herr, Michael Kreetz und Rüdiger Stiemert.

"Ich frage mich, wie wir am nächsten Wochenende nach Wuppertal kommen sollen. Unsere Fahrten hat immer Hans-Werner Schwarz organisiert. Er hat das alles klasse gemacht", so Heinlein.

Die Reaktionen auf den Paukenschlag im Presseraum neben dem Umkleidentrakt sprachen Bände. "Jetzt sieht es hier seit langem mal wieder so aus, als würde alles gut werden und dann kommt sowas. Das kann doch nicht wahr sein", ärgerte sich ein Mitglied des Senatorenclubs.

Von Ernst Schneider gab es keine weiteren Reaktionen. Der Präsident in Schockstarre. Zügigen Schrittes verließen Golomb und Schwarz den Raum und unterrichten in der Kabine die Mannschaft von ihrem Rücktritt. Anschließend drückten sie ihre Schlüssel ab. "Wir haben hier über viereinhalb Jahre etwas aufgebaut. Nicht nur sportlich, sondern auch an der Platzanlage. Aber es ging nicht mehr anders", erklärte Schwarz und verließ sichtlich ergriffen seine alte Wirkungsstätte.

(tiwi)