Fußball: Der Löwe hat das Brüllen verlernt

Fußball : Der Löwe hat das Brüllen verlernt

Der Fußball-Niederrheinligist Hamborn 07 strahlt in der laufenden Spielzeit äußerst wenig Gefahr aus. Die Löwen wurden nach der grandiosen Aufstiegssaison unsanft auf den Boden der Tatsachen geholt. Nach zwölf Spielen ist das Team von Heiko Heinlein mit gerade einmal acht Punkten auf dem Konto Tabellenletzter.

Der Trainer brachte es auf den Punkt: "Die Lage ist sehr prekär." Heinlein verlor nach der 0:1-Pleite beim 1. FC Wülfrath die Nerven, trat einen Wasserkasten kaputt und war erst mal froh, dass er sein Team am Tag darauf nicht sehen musste: "Ich war sehr enttäuscht und musste erst mal Dampf ablassen", erklärte Heinlein, der von Alibi-Aufbäumen, Kopf hängen lassen und totaler Verunsicherung sprach. "Unter der jetzigen Personalkonstellation wird es ganz schwer. Das müssen wir uns einfach eingestehen. Hätten wir einen besseren Kader, wäre ich wohl schon längst in Frage gestellt worden. Doch der Vorstand weiß um das Problem", so Heinlein. Doch wie können die Hamborner den Karren noch aus dem Dreck ziehen? Personell nachlegen? Natürlich, wer will das nicht, aber auch Heinlein weiß: "Dazu fehlen die Mittel."

Von den Neuzugängen erhofften sich die Löwen viel. Schließlich wechselten mit Lucas Kwiatkowski, Ramazan Ünal (beide VfB Homberg) und Asim Kus (TuRU Düsseldorf) drei Spieler aus höherklassigen Ligen an den Holtkamp. Die Erwartungen an das Dreigestirn waren groß. Da ist es äußerst bitter, dass sich Kus auf der Zielgeraden der vergangenen Saison das Kreuzband riss und erst im Winter dazu stößt. "Von Asim haben wir uns locker 20 Saisontore erhofft", erklärt Heinlein, der mit der bisherigen Leistung von Kwiatkowski, der in der Verteidigung gesetzt ist, nicht zufrieden ist: "Lucas hat noch nicht richtig rein gefunden." Auch Ünal erwies sich noch nicht als die erhoffte Verstärkung. Dennoch ist der technisch versierte Dribbler immer für den entscheidenden Pass gut.

Doch auch die übrigen Hamborner kommen weitgehend nicht in Tritt. Die Abwehr, die von Dreier- auf Viererkette umgestellt wurde, enttäuscht bislang. Neben Kwiatkowski konnten auch Rafael Synowiec, Richard Zander und Daniel Surkau noch nicht überzeugen und sorgen immer wieder für "Wackler". Die Ausnahme ist Fabian Fröschke. Der Jungspund spielt eine solide Saison und hat sich zum Stammspieler gemausert.

Ganz nach dem Motto: Keine Anspielstation, dann halt mit dem Kopf durch die Wand, agiert Daniel Brosowski. Doch den nötigen Einsatzwillen kann man dem Stoßstürmer nicht absprechen. Bleibt zu hoffen, dass Dejan Orlovic nach seiner Verletzungspause bald wieder in Tritt kommt.

Die taktische Ausrichtung der 07er besagt, dass sich die äußeren Mittelfeldspieler als Flügelstürmer im Angriff einschalten sollen. Michel Tißen hat so seine Tore gemacht, Sascha Wiesner hingegen, der auch verletzungsbedingt ausfiel, hat noch Luft nach oben. Derweil fällt es schwer, über die Zentrale um Jens Schulz, Patrick Schneider und Dawid Klopasz etwas Positives zu sagen. Schulz, der nach langer Verletzung als Hoffnungsträger für die Wende galt, handelte sich kurz nach seinem Comeback eine unnötige rote Karte ein und fiel wieder aus. Wenigstens Marco Ferreira, der das Team anführt und stets für Torgefahr sorgt, ist in Form. Doch auch er hat das Pech am Schuh kleben. Gegen Baumberg trat der Regisseur in der Schlussminute beim Stand von 1:1 zum Elfmeter an, schoss daneben und vergab die Siegchance. Ein Fehlschuss als Spiegelbild des Saisonverlaufs.

(tiwi)