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Hockey: "Der Club Raffelberg gehört in die Bundesliga"

Hockey : "Der Club Raffelberg gehört in die Bundesliga"

Am Wochenende finden gleich zwei Deutsche Meisterschaften mit Raffelberger Beteiligung statt. Trainiert werden beide Teams von "Susi" Wollschläger, der dreimaligen Olympiateilnehmerin und Silbermedaillengewinnerin von Barcelona 1992.

Frau Wollschläger, Sie sprachen nach dem zweiten Platz der A-Mädchen bei der Westdeutschen Endrunde vom schönsten zweiten Platz Ihrer Karriere. Ist das wirklich so?

Wollschläger Ja, der zweite Platz war für die Mädels und mich wie ein Sieg und unglaublich emotional. Beim entscheidenden Spiel gegen Uhlenhorst Mülheim, das wir 3:0 gewonnen haben, war die ganze Halle voll. Die Mädels haben das trotz ihrer Nervosität toll gemacht.

Sie haben aber schon vor weitaus größeren Kulissen gespielt. Unter anderem standen Sie 1992 im Olympischen Hockey-Finale und haben als Torhüterin insgesamt 110 Länderspiele absolviert. Das war mit Sicherheit nicht weniger spannend.

Wollschläger Das ist schon richtig. Aber bei einem zweiten Platz ist man meist niedergeschlagen und traurig. Das war jetzt bei der West-Endrunde nicht so. Platz eins war vorher schon weg, es ging nur noch um die Vizemeisterschaft.

Am Wochenende spielen sowohl die A-Mädchen (in Bad Kreuznach), als auch die weibliche Jugend B (in Gernsbach) um den Deutschen Meistertitel. Sie betreuen beide Teams, aber können sich nicht zweiteilen.

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Wollschläger Ich möchte gar nicht daran denken. Das tut richtig weh. Wenn ich am Freitag mit den A-Mädchen in den Bus nach Bad Kreuznach steige, wird mein Herz sicher bluten. Aber ich habe mich nun mal so entschieden.

Wer betreut die weibliche B-Jugend?

Wollschläger Das macht Damen-Trainer Mark Spieker. Mark hat im letzten Jahr den Jahrgang 1996 bei der DM betreut, so dass er die Hälfte kennt. Außerdem ist er sehr erfahren bei Deutschen Meisterschaften.

Sie betreuen die Mädels bereits seit den Minis und damit schon mehr als zehn Jahre. Man kann sagen, dass Sie sich den Erfolg redlich verdient und erarbeitet haben.

Wollschläger Dieses Team ist meine Herzensmannschaft. Wir haben schon sehr viel erlebt und erreicht. Leider kann ich am Wochenende nicht bei ihnen sein.

Bad Kreuznach und Gernsbach liegen etwa 150 Kilometer auseinander. Könnte man da nicht pendeln?

Wollschläger Das ist leider zeitlich nicht möglich. Die Spiele liegen zu eng beieinander. Und da wir mit beiden Teams ins Halbfinale wollen, haut das auch am Sonntag nicht hin.

Was ist sportlich zu erwarten?

Wollschläger Die A-Mädchen sollten ins Halbfinale einziehen können, die weibliche B-Jugend will den blauen Wimpel gewinnen und Deutscher Meister werden.

Das sind hohe und klare Ziele. Die Erwartungshaltung ist vor allem bei der B-Jugend sehr hoch.

Wollschläger Druck hin oder her. Die Mädels wollen Deutscher Meister werden. Das ist unser Ziel und das sieht jeder in der Mannschaft so.

Wer sind die stärksten Gegner?

Wollschläger Es ist der Hammer, dass wir in der Vorrunde gleich im ersten Spiel gegen den Deutschen Meister UHC Hamburg spielen, gegen den wir im Finale auf dem Feld verloren haben. Auch der Mannheimer HC hat eine starkes Team. Ganz oben auf der Liste habe ich auch den Großflottbeker THGC, der als Hamburg-Meister offenbar in guter Form ist. Wenn wir unsere Form abrufen, können wir aber alle schlagen.

In ihrem Team spielen etliche Junioren-Nationalspielerinnen. Funktioniert es innerhalb der Mannschaft auch menschlich, wenn so viele Charaktere dabei sind?

Wollschläger Das war nicht immer einfach in der Vergangenheit, aber wir haben uns zusammengerauft und harmonieren nur als Team. Selin Oruz und Maike Schaunig als Spielführerinnnen machen zudem einen tollen Job.

Was ist für die Mädchen A möglich?

Wollschläger Der Unterschied ist, dass die Mädchen sehr unerfahren sind und diese Art von Endrunden mit Ausnahme von zwei Spielerinnen nicht kennen. Mit dem UHC und dem Club an der Alster haben wir zwei Hamburger Teams in der Gruppe, die auf Augenhöhe sein sollten. In der anderen Gruppe stechen der Westmeister Leverkusen und der Nürnberger HTC heraus. Ich hoffe, dass wir gut starten.

In beiden Teams stecken unglaublich viele Talente. Wie viele Spielerinnen sehen wir in fünf bis zehn Jahren im Damenkader des Club Raffelberg?

Wollschläger Ich hoffe sehr viele. Wir wollen wieder etwas aufbauen. Wir hatten vor zwei Wochen erst einen Perspektivabend im Clubhaus, an dem wir den Spielerinnen der starken Jahrgänge unsere Zukunftsvorstellungen vorgestellt haben. Außerdem gab es auch Fotos und Videos aus alten Bundesligazeiten beim Club Raffelberg zu sehen. Langfristig wollen wir zurück in die erste Liga. Dahin gehört der CR.

Seit dem Bundesligaabstieg im Feld vor über einem Jahrzehnt haben die talentiertesten Spielerinnen den CR immer wieder verlassen.

Wollschläger Das sollte der Vergangenheit angehören. Es ist schlimm genug, dass die Damen gegen gegen Rot-Weiss Köln zweimal deutlich verlieren und in deren Kader sieben Spielerinnen stehen, die beim CR ausgebildet wurden. Das ist doch grausam.

Wie soll das in Zukunft verhindert werden?

Wollschläger Nur Wohlfühlen und gute Trainingsbedingungen reichen nicht mehr. Man muss auch etwas bieten. Da reden wir über Vergünstigungen im Beitrag, von Fahrgeldern, die wir zahlen müssen oder auch eine Kooperation mit einer Fahrschule. Wir wollen den Führerschein nicht zahlen, aber da gibt es sicherlich Wege und Möglichkeiten. Wie in anderen Bereichen, zum Beispiel Praktika oder in der Ausbildung, sicher auch. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.

Was machen Sie am Sonntagabend?

Wollschläger Ich warte mit den hoffentlich erfolgreichen Mädchen A am Raffelberg auf den Wimpel und die Ankunft der B-Jugend. Da wird dann kräftig gemeinsam gefeiert.

(knue)