Dart: Dart-Spieler bangen um ihre Heimat

Dart: Dart-Spieler bangen um ihre Heimat

Das Vereinsheim des 1. Marxloher Dart Club soll nach den Plänen der Stadt dem "Grüngürtel Duisburg Nord" weichen.

Ganz so stimmungsvoll wie in diesen Tagen bei den Steel-Dart-Weltmeisterschaften in London geht es beim "Putenschießen" nicht zu. Im Vereinsheim des ausrichtenden 1. Marxloher Dart Club an der Wiesenstraße ist alles eine Nummer kleiner. Eine tolle Atmosphäre herrscht unter den Turnier-Teilnehmern, die aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist sind, dennoch. "Bei uns geht es vorwiegend um den Spaßfaktor. Alle, die hierherkommen, fühlen sich rundum wohl", erklärt Vorstandsmitglied Andreas Röttger.

Wie lange das noch der Fall sein wird, ist allerdings fraglich. Denn die 30 Mitglieder des Marxloher Dart Clubs zittern um den Verbleib in ihrer Heimat. Und das bereits seit geraumer Zeit. Im Jahr 2008 begann die Stadt mit der Umsetzung des Projektes "Grüngürtel Duisburg Nord". Im Rahmen dieses Projektes soll die Lebensqualität in den Stadtteilen Marxloh, Bruckhausen und Beeck durch neue Grünflächen verbessert werden. Damit verbunden mussten und müssen in diesen Stadtteilen aber auch einige Häuser geräumt werden, um die Pläne umzusetzen.

Davon betroffen ist eben auch das Vereinsheim des Marxloher Dart Clubs an der Wiesenstraße Ecke Entenstraße. "Wir warten seit Jahren auf den Tag, an dem wir hier endgültig raus müssen", erklärt Urgestein Udo Pouch mit niedergeschlagener Stimme. Immerhin sind die Marxloher Dart-Spieler bereits seit dem Jahr 1987 in ihrem eigenen Vereinsheim, welches bei Dart-Spielern weit über die Stadtgrenzen hinaus für sein ganz eigenes Ambiente bekannt ist, beheimatet.

Bevor die Dart-Spieler das Vereinsheim vor 26 Jahren bezogen, war in diesen Räumlichkeiten ein Schnell-Imbiss ansässig. "Das Vereinsheim wurde von den Mitgliedern eigenhändig eingerichtet", erklärt Pouch, der seit 22 Jahren im Verein ist. Heute gibt es beim Marxloher Dart Club insgesamt fünf Dartbahnen. "Bei einem Turnier sind meistens vier Bahnen in Betrieb", so Pouch. Drei Mal in der Woche wird an der Wiesenstraße Steel-Dart gespielt. Dienstags und freitags wird trainiert, am Wochenende steht alle zwei Wochen ein Heimspiel in der 2. Liga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse, an. Dort gehen die Marxloher seit dieser Saison auf Punktejagd. In den vergangenen 14 Jahren spielte der Traditionsverein noch eine Liga höher. "In der vergangenen Saison sind wird abgestiegen. Das ist für uns aber weniger schlimm als die Tatsache, dass wir unser Vereinsheim irgendwann räumen müssen", verrät Röttger.

  • Hockey : Der Club Raffelberg ist noch nicht abgezockt genug

Wenn es soweit ist und die Dart-Spieler die Wiesenstraße verlassen müssen, wollen sie gut vorbereitet sein. "Wir gucken uns natürlich nach Alternativen um. Es ist aber nicht so einfach, eine geeignete Räumlichkeit für unser Vereinsheim zu finden", erklärt Pouch. Denn diese müsste mehrere Kriterien erfüllen. Sie müsste bezahlbar sein, sollte sich bestmöglich in Marxloh befinden und vor allem wollen die Dart-Spieler eigenständig bleiben. "Notfalls müssten wir unsere Spiele in einer Kneipe austragen", sagt Pouch, schiebt aber gleich hinterher: "Das ist für uns aber nur eine Notlösung. Wenn man so viele Jahre unabhängig war, dann ist man verwöhnt. Wir haben die familiäre und vertrauensvolle Atmosphäre in unseren eigenen vier Wänden zu schätzen gelernt. Es wäre schade, wenn sich jetzt alles ändert."

Zunächst bleibt aber alles beim Alten, das "Putenschießen" feierte bereits seine zwölfte Auflage. "Zu gewinnen gibt es bei dem Turnier keine Geldpreise sondern Puten- oder Gänsekeulen. Das ist ganz sicher nicht alltäglich", erklärt Pouch lachend. Röttger meint: "Guter Sport wird hier aber auch geboten. Es kommt nicht selten vor, dass die Turnierteilnehmer eine 180 werfen." Unter der "180" versteht man im Steel-Dart das bestmögliche Ergebnis, das ein Spieler mit drei Würfen erzielen kann: drei Pfeile in die "Triple 20".

Nicht weniger beliebt als das "Putenschießen" ist bei den Dart-Spielern der Umgebung das "Pappnasen-Turnier", welches in Marxloh immer am Karnevalssamstag ausgespielt wird. Wie oft diese Turniere in Zukunft noch im eigens bewirteten Vereinsheim an der Wiesenstraße stattfinden werden, steht momentan noch in den Sternen.

(tob)
Mehr von RP ONLINE