Wasserball: ASCD gibt 6:3-Führung noch aus der Hand

Wasserball : ASCD gibt 6:3-Führung noch aus der Hand

Beim 7:8 in Hannover unterliegt der Deutsche Wasserballmeister erstmals seit Januar 2007 einem Team, das nicht Spandau Berlin ist.

Rein historisch betrachtet haben die Wasserballer des Amateur SC Duisburg (ASCD) am Samstagabend eine bemerkenswerte Niederlage kassiert. Denn erstmals seit Januar 2007 unterlag der amtierende Meister und Pokalsieger einem Rivalen, der nicht Spandau 04 Berlin heißt. Im Auswärtsspiel beim ambitionierten Vorjahresdritten Waspo 98 Hannover zog die Mannschaft von Arno Troost mit 7:8 (1:0, 2:3, 3:1, 1:4) den Kürzeren. Duisburgs Trainer des Jahres wusste das Ergebnis jedoch einzuordnen: "Die Niederlage ist ärgerlich, weil sie unnötig war. Aber wir sollten gelassen bleiben, die Saison ist schließlich noch lang."

Außerdem gibt es gute Gründe für den "Salto nullo" in der Expo-Stadt. Kapitän Tobias Kreuzmann blieb kränkelnd zu Hause, der zweite Centerverteidiger Manuel Grohs ebenfalls. Für sie rückten die jungen Nils Illinger und Gilbert Schimanski ins ASCD-Aufgebot, das im Hannoveraner Stadionbad zunächst alles im Griff hatte. Nach dem Führungstreffer von Julian Real (5.) entwickelte sich eine umkämpfte Partie. Nach dem Wechsel bogen die Amateure scheinbar auf die Siegerstraße ein. Till Rohe sorgte per Fünfmeter für die 4:3-Führung, die Jan Obschernikat und Dennis Eidner binnen 92 Sekunden auf 6:3 (18.) ausbauten. "Danach ist der Faden gerissen", so Troost, der mitansehen musste, wie seine Schützlinge in der Folge ein Stück weit kopflos agierten: "Wir haben uns kaum noch Chancen erspielt. Hinzu kam, dass die Schiedsrichter viel haben durchgehen lassen. Das war der komplette Kontrast zum Spandau-Spiel."

Ausschlaggebend für die Niederlage war die gönnerhafte Regelauslegung der Unparteiischen freilich nicht. "Das haben wir uns schon selbst zuzuschreiben. Schließlich sind wir nach dem 6:3 zu Weihnachtsmännern geworden, die Geschenke verteilt haben." Geschlagene dreizehn Minuten blieb der ASCD ohne eigenen Treffer. Da ließ sich Hannover nicht zweimal bitten. Angeführt von Nationalspieler Erik Bukowski, der als vierfacher Torschütze hervorstach und später zum Spieler des Tages gewählt wurde, führte Waspo die Wende herbei und ging seinerseits mit 8:6 (29.) in Führung. Philipp Kalberg stellte in der Schlussminute den Anschluss wieder her, mehr ließen die Gastgeber aber nicht mehr zu.

Für die Hannoveraner war es der erste Erfolg über den ASCD seit der Pokal-Endrunde 2003. Großen Anteil daran hatten die Neuzugänge im prominent verstärkten Team von Karsten Seehafer. Sieben der acht Treffer gingen auf ihre Kappe. "Natürlich hätten wir das Spiel nicht verlieren müssen, aber ich kann meiner Mannschaft keinen großen Vorwurf machen", stufte Troost die zweite Saison-Niederlage als "nicht so schlimm" ein. Zwar kann der ASCD nun nicht mehr aus eigener Kraft als Erster in die Play-offs einziehen. Allerdings muss dies im Saisonverlauf kein großer Nachteil sein. "Zu 98 Prozent heißt das eine Halbfinale Duisburg gegen Hannover, oder umgekehrt. Das heißt, wir werden richtig gefordert", sagte Troost. Für seine Schützlinge geht es nun darum, die Hauptrunde als Zweiter zu beenden und sich so das Heimrecht für das wahrscheinliche Play-off-Duell mit Waspo zu sichern. Die vergangene Saison dient diesbezüglich als gutes Omen. Auch da war der ASCD nach der Punkterunde "nur" Zweiter; am Saisonende feierten Kreuzmann und Co. das erste Double der Vereinsgeschichte.

(kök)
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