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Wasserball: ASCD fühlt sich um den Sieg betrogen

Wasserball : ASCD fühlt sich um den Sieg betrogen

Im fünften Finalspiel holt sich Berlin den Titel zurück. Duisburgs Trainer macht die Schiedsrichter verantwortlich.

KÖLLER

Es sollte der Showdown um die Wasserball-Krone werden. "Aber das war kein Showdown, sondern ein Spiel, das zu einer Farce mutiert ist", gab ASCD-Trainer Arno Troost kurz nach dem Abpfiff des fünften Spiels um die Deutsche Meisterschaft reichlich desillusioniert zu Protokoll. Was war geschehen? Die Wasserfreunde Spandau 04 Berlin gewannen das ultimative Endspiel gegen den Titelverteidiger ASCD am Samstagabend mit 7:5 (3:2, 2:0, 0:2, 2:1). Damit entschied der Rekord-Champion, der zum 33. Mal seit 1979 Meister wurde, die Finalserie mit 3:2-Siegen für sich und ist nach einem Jahr auf den Thron zurückgekehrt. So viel zu den nackten Fakten.

Dahinter verbirgt sich jedoch "ein sehr, sehr trauriges Kapitel für unseren Sport", wie es Troost umschrieb: "Wir hatten quasi keine Chance zu gewinnen." Der Duisburger Zorn richtete sich vor allem gegen Thomas Schlünz. Der international erfahrene Schiedsrichter und sein Kollege Gerold Gruß benachteiligten die Gäste in Berlin in eklatanter Weise. Der ASCD kassierte zehn Hinausstellungen und einen Ausschluss mit Ersatz gegen Sven Roeßing, zudem elf Stürmerfouls. Spandau hingegen hatte in beiden Statistiken lediglich eine Vier zu Buche stehen. "Wir sind um den möglichen Sieg betrogen worden", sprach Troost Klartext.

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Seine Mannschaft hatte einen Start nach Maß hingelegt. Julian Real sorgte gleich im ersten Angriff für die Führung, die er selbst drei Minuten später auf 2:0 ausbaute. Danach nahmen die Geschehnisse in der Schöneberger Schwimmsporthalle jedoch groteske Züge an. Denn die Amateure bekamen in der Offensive kein Bein mehr auf den Boden. "Wir haben fast alles abgepfiffen bekommen", ärgerte sich Troost, der sich früh im falschen Film wähnte: "Unsere Centerspieler beispielsweise hatten gar keine Chance, etwas zu generieren, weil immer ein Berliner ungestraft auf ihnen lag." Spandau nutzte den großzügigen Heimvorteil, um aus dem 0:2 ein 5:2 (11.) zu machen. "Wir waren total im Spiel drin und liegen zur Halbzeit trotzdem mit drei Toren zurück. Das kann man keinem erzählen", so Troost.

Nach dem Wechsel wurde dem ASCD gestattet, noch einmal Hoffnung zu schöpfen. Kapitän Tobias Kreuzmann verkürzte auf 3:5 (18.), Julian Real stellte in den Schlusssekunden des dritten Viertels den Anschluss wieder her. Dass die Gäste den Ausgleich erzielen, war dann aber offensichtlich nicht erwünscht. "Nicht die Mannschaften, sondern die Schiedsrichter haben das Spiel entschieden", sagte Troost. Spandaus Kapitän Marc Politze traf per Fünfmeter zum vorentscheidenden 6:4 (28.), Nationalspieler Moritz Oeler sorgte eine Minute vor Schluss für die endgültige Entscheidung.

"Meine Mannschaft hat in den letzten zehn Monaten unglaublich hart gearbeitet, um den Meistertitel zu verteidigen. Da hat sie es nicht verdient, so verarscht zu werden", erklärte Troost. Duisburg Trainer des Jahres übte sich in Galgenhumor: "Aber Hauptsache, die deutsche Wasserball-Welt ist wieder in Ordnung. Die Spandauer haben ,ihre' Titel zurück. Nach den Umständen, die dazu geführt haben, fragt schon bald kein Mensch mehr."

Für Tobias Kreuzmann und Till Rohe war das skandalöse Finale zugleich das letzte Spiel ihrer Karriere. Die beiden langjährigen Nationalspieler hängen die Kappe an den Nagel. Centerspieler Sven Roeßing wechselt bekanntlich zur SV Krefeld 72. "Unsere Mannschaft wird in der nächsten Saison ein anderes Gesicht haben", erklärte Troost: "Aber im Moment fällt's mir schwer, daran zu denken. Ich bin einfach nur traurig und angefressen, weil unser Engagement so mit Füßen getreten wird."

(kök)