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Fußball: Anwälte prüfen nach Sperre für Onukogu eine mögliche Berufung

Fußball : Anwälte prüfen nach Sperre für Onukogu eine mögliche Berufung

Deutschlandweit sorgte der Fall des Hamborner Torhüters Ikenna Onukogu für Aufsehen. In der Verhandlung vor der zuständigen Spruchkammer fiel ein überraschendes Urteil.

Es ist ein Urteil, das auf geteilte Reaktionen stößt. Der Empörung derer auf der einen Seite, die in der erneuten Sperre Ikenna Onukogus weiterhin eine Ungerechtigkeit sehen, stehen diejenigen gegenüber, die das Urteil als gerecht betrachten und aller Empörung mit Unverständnis begegnen. Die Bezirksspruchkammer hingegen durfte sich keine Emotionen leisten. Sie musste Fakten und die Beweislage bewerten — und tat dies auch.

Fast genau vier Stunden nach Verhandlungsbeginn wurde das Urteil im Fall "Ikenna Onukogu" bekannt gegeben. Der hoffnungsvolle Blick des Torhüters von Fußball-Bezirksligist Hertha Hamborn hielt nicht lange. Die Hamborner und vor allem Onukogu, der es bundesweit in die Schlagzeilen schaffte, mussten eine klare Niederlage vor der Spruchkammer einstecken. Sie konnten den Vorwurf der rassistischen Beleidigung nicht nachweisen. Für seinen Flaschenwurf wurde der Torhüter weitere sechs Wochen gesperrt. Zudem wurde die Partie, in der Dostlukspor zum Zeitpunkt des Abbruchs mit 1:0 führte, mit 2:0 für die Bottroper gewertet. Das Verfahren wegen rassistischer Beleidigungen der Bottroper Zuschauer wurde gänzlich eingestellt. "Rassismus hat im Fußball nichts verloren. Beleidigungen jeglicher Art dürfen jedoch keine Entschuldigung für aggressives Verhalten sein", erklärte der FVN in einer Mitteilung.

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Für Onukogu war das Urteil ein herber Schlag, den er nicht verkraftete. "Wir sind entsetzt und können das, was da passiert ist, kaum in Worte fassen. Ich habe Ikenna nach der Verhandlung nach Hause gefahren. Der Junge war völlig fertig und hat kein Wort mehr geredet. Mein Gefühl sagt mir, dass er nie wieder Fußball spielen kann. Ihn macht das alles kaputt", berichtet Hertha-Trainer Aydin Erdal.

Doch wie konnte es zu diesem klaren Urteil gegen Onukogu kommen? In der mehrstündigen Verhandlung gaben die neutralen Beobachter den Ausschlag. Das Schiedsrichtergespann um Thorsten Aretz sowie der Pressefotograf Winfried Labus gaben zu Protokoll, dass sie keinerlei rassistische Anfeindungen vernommen hätten. Dostlukspor stimmte dem zu, alle Zeugen von Hertha widersprachen. Außerdem gelang es dem Anwalt von Dostlukspor, die Glaubwürdigkeit von Onukogu in Frage zu stellen. Die Schiedsrichter sowie Pressefotograf Labus bestätigten, dass die Flasche, die der Keeper Richtung Zuschauer warf, in Onukogus Tor lag und wohl von ihm stammte. Der Keeper aber schilderte, dass die Flache zuvor von den Zuschauern auf den Platz geworfen worden sei.

Die Spruchkammer orientierte sich an diesen Aussagen und kam zu einem verständlichen Urteil. Dennoch hat die Geschichte einen bitteren Beigeschmack. Welchen Grund soll Onukogu für seinen Aussetzer gehabt haben? Gestern Abend setzten sich die Verantwortlichen von Hertha Hamborn noch einmal zusammen und prüften, inwieweit eine Berufung Sinn machen würde. Bei dieser Beweislage wohl wenig.

Aydin Erdal zeigte sich über das Urteil schockiert: "Wie sollen wir denn beweisen, dass Ikenna beleidigt wurde? Das ist schwer möglich. Ich hoffe, die vier Herren von der Spruchkammer wissen, was sie da entschieden haben. Ich habe schon wieder mehrfach mediale Anfragen bekommen. Die Sache wird nun wieder hohe Wellen schlagen."

Dostlukspors Vorsitzender Nuh Arslan war trotz der erfolgreichen Verhandlung nicht vollauf zufrieden. "Natürlich macht es uns stolz, dass der Rassismusvorwurf zurückgewiesen wurde. Dass dabei so ein glimpfliches Urteil rauskommt, finde ich nicht richtig."

(tiwi)