Duisburg: SPD: geteilte Meinungen zu Steinbrück

Duisburg : SPD: geteilte Meinungen zu Steinbrück

Die als so gut wie sicher geltende Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück war am Freitag auch Thema innerhalb der Duisburger SPD. Die Meinungen darüber, dass er nächstes Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel ablösen möchte, gingen bei den Genossen auseinander.

Alt-Oberbürgermeister Josef Krings hält Peer Steinbrück für den idealen Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten. Allerdings frage er sich, ob auf die Dauer nicht doch Frank-Walter Steinmeier ein besserer Kanzler wäre. Für Steinbrück spreche seine finanzpolitische Kompetenz. Außerdem sei der ehemalige NRW-Ministerpräsident ein glänzender Redner. Krings hatte ihn vor kurzem noch bei einer Gastvorlesung an der Uni erlebt. Dort habe Steinbrück eine Stunde frei und mitreißend gesprochen. "Am Schluss bekam der Beifall wie die Callas", so Krings.

Auch Charlotte Kann, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Großenbaum-Rahm, hält viel vom gebürtigen Hamburger. "Ich war 15 Jahre lang im Landtag und habe ihn dort erlebt. Ich finde ihn sehr gut, sehr präzise und kompetent", sagte sie. Vor allem aufgrund seiner finanzpolitischen Stärke spricht Kann Steinbrück gute Erfolgschancen zu. "Es war nicht schlecht, was er damals mit Frau Merkel gemacht hat. Ich denke, die Leute werden sich daran erinnern", so Kann. Nicht begeistert wirkte Dieter Lieske, SPD-Ratsherr und Gewerkschaftssekretär der IG Metall: "Er ist nicht gerade der große Sozialpolitiker. Bei der Rente ab 67 habe ich eine ganz andere Meinung. Ansonsten weiß man, wo man bei ihm dran ist. Er hat immer einen klaren Standpunkt."

Für den Duisburger SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Mettler war die Kandidatur von Steinbrück Freitagvormittag noch keinesfalls sicher. "Ich sehe keine eindeutige Favoritenstellung zwischen Steinmeier und Steinbrück", sagte er. Man werde sich unabhängig vom Namen für beide einsetzen und Wahlkampf machen, erklärte Mettler. Manfred Krossa, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion Rheinhausen, hält die Kandidatur Steinbrücks trotz der Erklärung Steinmeiers, er stünde nicht zur Verfügung, ebenfalls noch nicht für sicher. "Es ist gut, dass wir drei Leute an der Spitze haben, die alle Kanzler werden können. Gabriel kann gut führen und zusammenhalten, Steinmeier macht sich auch viele Gedanken über die Führung und Steinbrück fand ich sehr gut als Landesvater und Finanzminister", sagte er. Dank des in der Ministerzeit von Steinbrück aufgelegten Konjunkturpaketes II sei die deutsche Wirtschaft in der Krise stabil gewesen. "Ich wüsste nicht, wer da favorisiert werden sollte", so Krossa.

(RP/ac)
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