Duisburg: Spannungsbogen wunderbar gehalten

Duisburg : Spannungsbogen wunderbar gehalten

Fast alle RP-Ballettscouts waren von der "b.14"-Premiere im ausverkauften Duisburger Stadttheater begeistert. Besonders gelobt wurde, wie Ballettdirektor Martin Schläpfer alte Musik mit neuer Choreographie verbindet.

Die Premiere "b.14" am Samstag im ausverkauften Duisburger Stadttheater machte nachdrücklich deutlich, dass Ballettdirektor Martin Schläpfer nun auch in Duisburg dort angekommen ist, wo er in Düsseldorf längst steht: In der Gunst des Publikums. Das zeigte sich auch wenige Minuten nach dem lang andauernden Schlussapplaus beim Rundgespräch mit den RP-Ballettsouts.

Scout: Christoph Nellehsen. Foto: Probst, Andreas (apr)

Der jungen Juristin Sonja Browatzki gefiel am besten die Choreographie von Martin Schläpfer zu Johannes Brahms - Symphonie Nr. 2, die in Duisburg als Uraufführung zu sehen war. Fasziniert war sie von den modernen Bewegungsformen, die nicht mehr nach dem Muster "typisch weiblich" und "typisch männlich" konzipiert seien, sondern das Menschliche schlechthin zeigten. Eindrucksvoll sei nicht zuletzt die athletische Leistung des gesamten Ensembles. Nicht einig waren sich die RP-Ballettscouts in der Frage, ob eine Choreographie eine Geschichte erzählen soll. Der Tierpfleger und Delfintrainer Thomas Lange mochte besonders das Ballett "Jardin Aux Lilas" von Antony Tudor, das anspielungsreich eine "falsche" Beziehungskonstellation tänzerisch darstellt. Es sei faszinierend, was da ohne Worte zum Ausdruck gebracht werden könne.

Scout: Susanne Schenk. Foto: Probst, Andreas (apr)

Cornelia Russak fand den Pas de Deux in "The Leaves are fading" von Antony Tudor, getanzt von So-Yeon Kim und Marcos Menha, wunderbar "leicht". Die Elektrotechnikerin, die sich selber als Ballettneuling bezeichnet, mag es, wenn ihre Fantasie angesprochen wird. Dazu sei eine Geschichte nicht unbedingt nötig. Annkathrin Kostka-Speckkamp, Physikstudentin, mochte die große Bandbreite des langen vierteiligen Ballettabends, der "richtig schön" sei. Großes Lob zollte sie den Tänzerinnen und Tänzern. Die Bewegungen wirkten natürlich.

Scout: Stefan Nickels. Foto: Probst, Andreas (apr)

Susanne Schenk, kaufmännische Angestellte, konnte jeden der vier Ballettteile auf jeweils unterschiedliche Art genießen. Am besten gefiel ihr das zweite Stück, die Hommage von Frederick Ashton an die legendäre amerikanische Ausdruckstänzerin Isadora Duncan (1877 — 1927). Die Tänzerin Camille Andriot habe sie tief angerührt. Lobende Worte fand sie auch für die Lichtregie. Auch Beate Kostka, Pressesprecherin der Uni Duisburg-Essen, war begeistert davon, wie frisch der Ausdruckstanz von einst heute wieder auf die Bühne gebracht werden kann. "Das ist alles perfekt! Der Zauber kommt rüber", sagte Beate Kostka. Aber auch die anderen Stücke haben ihr gut gefallen. Nicht zuletzt sei ihr deutlich geworden, dass man angesichts der Choreographien die Musik von Brahms auch ganz anders hören könne.

Scout: Cornelia Russak. Foto: Probst, Andreas (apr)
Szene aus Martin Schläpfers Uraufführung von "Johannes Brahms – Smphonie Nr. 2". Foto: gert weigelt (dor)

Die Lehrerin Katrin Harrer konnte dagegen mit dem solistischen Ausdruckstanz nicht so viel anfangen. Sie war dagegen von Schläpfers Uraufführung begeistert, meinte gar, dass seine Choreographie zu Brahms' Symphonie Nr. 2, das Beste gewesen sei, was sie bislang von dem Ballettdirektor gesehen habe. Großes Lob fand sie auch für Geigensolistin Natasha Korsakova, die beim "Jardin aux Lilas" mit auf der Bühne stand, während die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Axel Kober im Orchestergraben vorzüglich spielten. Christoph Nellehsen, Architekt, lobte die Dramaturgie des Abends und die differenzierten Ausdrucksformen des Tanzes. Schläpfer sei es gelungen, den Spannungsbogen wunderbar zu halten. Die Kunsthistorikerin Klaudija Kosanovic war nicht zuletzt auch von den kleinen Gesten angetan. Es sei erstaunlich, wie viel choreographisch vermittelt werde. Die Erzieherin Claudia Kiesler hob die sportliche Leistung des Ensembles heraus. Ihr gefiel die eher heitere Anspielung im letzten Stück auf Schwanensee. Der Lehrer Stefan Nickel gestand, dass er den Ballettabend erst "rückwärts verstanden" habe (siehe Kulturseite).

(RP)