Soziokulturelles Zentrum in Duisburg: Entscheidung vertagt

Konzept steht schon : Entscheidung über Soziokulturelles Zentrum in Duisburg vertagt

Der Kulturausschuss entscheidet auf seiner Sitzung am Donnerstag nicht darüber, ob Duisburg ein Soziokulturelles Zentrum bekommt oder nicht. Ein Konzept gibt es jedenfalls schon.

„Sein oder Nichtsein“, heißt es bei „Hamlet“ von Shakespeare. Übertragen auf die mittlerweile fünfzehn Jahre dauernde öffentliche Diskussion um ein Soziokulturelles Zentrum in Duisburg, steht diese Frage am Donnerstag nun doch nicht auf der Tagesordnung der Kulturaussitzung des Stadtrates. In der Sitzung am 11. April hatte Kulturdezernent Thomas Krützberg nämlich davon gesprochen, „dass die Verwaltung zur nächsten Sitzung eine beschlussreife Vorlage vorlegen werde, wenn bis dahin alle offenen Fragen (…) geklärt seien.“ Vor allem hinsichtlich des vom Bündnis „DU erhält(st) Kultur“ kalkulierten Zahlenwerks besteht seitens des Kulturdezernats Verifizierungsbedarf. Sollten die vorgelegten Zahlen nach interner Prüfung aber belastbar und der Bedarf haushalttechnisch gegengerechnet seien, könnte eine entsprechende Beschlussvorlage in die Ratssitzung am 1. Juli eingebracht und damit noch rechtzeitig verabschiedet werden.

„Wir stehen in den Startlöchern! Die Erprobungsphase für das neue soziokulturelle Zentrum in Duisburg-Mitte könnte in einem Monat beginnen“, so lud das Bündnis „DU erhält(st) Kultur“ zu einem Pressetermin am Dienstag mit Begehung des fraglichen Objektes am Stapeltor 6 ein. Das agile, ausdauernde und äußerst kreative Bündnis um Stefan Schroer von Theater Arbeit Duisburg (TAD), Christian Wagemann vom Projekt 47, Christine Brücker, Jonas Greschner, Jan Immanuel Tügel und vielen anderen hat sich nämlich schon einen Namen der zweistöckigen Immobilie ausgedacht: „Stapel Tief“ für das Untergeschoss und „Stapel Hoch“ für das Obergeschoss.

Seit Frühjahr des laufenden Jahres, nachdem der Eigentümer der Immobilie, der Duisburger Christian Otto, das ehemalige Textilgroßhandelsgeschäft Decher am Stapeltor ins Gespräch brachte (die RP berichtete), hat „DU erhält(st) Kultur“ diesen Vorschlag in die Ermöglichungsgruppe eingebracht. Daraufhin fand mit ihr, dem Bauordnungsamt und einem Architekten (Dieter Düster von der Firma „dd projektplanung“) eine Begehung statt. Das Ergebnis war positiv. So konnten ein Umbauplan, ein Kostenplan sowie ein Genehmigungsantrag zur Nutzungsänderung für eine einjährige Erprobungsphase gestellt werden. Alles ist im Fluss und könnte ein gutes Ende nehmen, insofern dann nämlich eine Handlungsempfehlung aus dem Ratsbeschluss zum ersten Duisburger Kulturentwicklungsplan erfüllt wäre.

Die Erprobungsphase für das Soziokulturelle Zentrum „Stapeltor“ könnte der Konzeption zufolge am 1. Juli beginnen und am 30. Juni 2020 enden. Darin enthalten sind zweimalige Umbauzeiten: Der erste Bauabschnitt für Stapel Tief beginnt am 1. Juli und geht bis Herbst. Eine Veranstaltungsnutzung des Untergeschosses als multifunktionaler Raum mit Bar und kleiner Bühne ist für September vorgesehen. Der zweite Bauabschnitt für Stapel Hoch beginnt am 1. Januar des nächsten Jahres und endet im Februar. Ab März wäre dann auch das Obergeschoss für Veranstaltungszwecke nutzbar.

Die Umbaukosten für die Erprobungsphase betragen insgesamt etwa 390.000 Euro. Darin enthalten sind Architektenleistungen, Kostenübernahmen des Eigentümers, Eigenarbeitsleistungen sowie Ausgaben für die Ausstattung und mit der Stadt noch verhandelbare Imponderabilien. Mit anderen Worten: Die reinen Umbaukosten zum Soziokulturellen Zentrum betragen spitz gerechnet 177.545 Euro, wovon 90.560 Euro in diesem Jahr auf die erste und 86.985 Euro in 2020 auf die zweite Umbauphase entfallen. Für diese Gesamtsumme sieht das Konzept die Stadt in der Verantwortung. Hinzu kämen noch die Warmmiete von monatlich 3000 Euro (bei 800 Quadratmetern Nutzfläche) sowie alle Neben- und die Betriebskosten.

Anders verhält es sich mit den Veranstaltungskosten. Diese sind nämlich für die einjährige Erprobungsphase ausschließlich vom Betreiber, dem Bündnis „DU erhält(st) Kultur“, der sich demnächst als Trägerverein gründen will, aufzubringen. Für dieses Jahr stehen dafür aus Förderungen des Bundes noch 23.000 Euro und des Landes Nordrhein-Westfalen noch 5000 Euro zur Verfügung. Ein Förderantrag, den das Ruhrorter Lokal Harmonie und Stapeltor gemeinsam beim Landesbüro Darstellende Künste eingereicht haben, sieht eine dreijährige Konzeptionsförderung für Freie Darstellende Künste im Zeitraum 2020 bis 2022 vor. Hier habe man, so Schroer, die Höchstsumme von jährlich 50.000 Euro – insgesamt also 150.000 Euro – beantragt. Mit einem Bescheid wird im Juli gerechnet.

Ziel ist und bleibt für die Betreiber des neuen Soziokulturellen Zentrums aber – so es dann kommt –, die Erprobungsphase erfolgreich abzuschließen, um anschließend in das vom Bündnis bereits vorformulierte langfristige Konzept einzusteigen. Stapeltor, so die Aktivisten, wäre dafür auf jeden Fall eine Option.