Soziokulturelles Zentrum in Duisburg: Entscheidung drängt

Verlust von Fördergeldern droht : Soziokulturelles Zentrum in Duisburg: Die Entscheidung drängt

Da die Beschlussvorlage fehlt, kann am Montag im Rat nicht abgestimmt werden. Den Verantwortlichen droht der Verlust von Fördergeldern.

Ein Hauch vom künftigen Soziokulturellen Zentrum in Duisburg lag am Dienstagabend über der Stadt. Die Initiative „DU erhält(st) Kultur“ und weitere mit ihr sympathisierende Gruppierungen hatten zusammen mit dem Eigentümer der Immobilie „Stapeltor 6“ bisherige Mitstreiter und Weggefährten als auch künftige Mitgestalter und Mitnutzer zu einer inoffiziellen, privaten Führung durch die dafür vorgesehene Örtlichkeit in der Duisburger Innenstadt eingeladen.

Neben dem angekündigten Rundgang durch die infrage kommenden Räume auf den Etagen Unter- und Obergeschoss, die die künftigen Betreiber als „Stapel tief“ und „Stapel hoch“ bezeichnen, gab es noch ein bisschen Party mit den Musikern Gürsoy Tanc, André Meisner und anderen. „Der Dienstagabend hat deutlich gezeigt“, sagte eine Besucherin nach dem Treffen im Stapeltor stellvertretend auch für andere, „wie gut ein Soziokulturelles Zentrum unserer Stadt tun würde und wie es Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters zusammenbringen kann.“

Hintergrund der Aktivität ist der noch ausstehende Beschluss der Duisburger Kulturpolitik über eine konzeptionell detailliert vorbereitete „Erprobungsphase für ein Soziokulturelles Zentrum in Duisburg“ (die RP berichtete). Der ursprüngliche Plan der eigens dafür bestellten „Ermöglichungsgruppe“, der Vertreter der Stadt sowie der sogenannten freien Szene angehören, war es, einen entsprechenden Beschluss des Stadtrates spätestens auf seiner Sitzung am Montag herbeizuführen.

Doch wie Kulturdezernent Thomas Krützberg gestern gegenüber auf RP-Anfrage mitteilte, „wird es auf der kommenden Ratssitzung keine Abstimmung über diesen Sachverhalt geben, weil die Verwaltung dazu noch keine Beschlussvorlage auf den Weg bringen konnte.“ Zwar lägen für das betreffende Objekt entsprechende Brand- und Schallschutzgutachten vor, die in einem dazugehörigen Bau- und Nutzungsänderungsantrag mündeten, doch über diesen habe die zuständige städtische Behörde noch nicht entschieden, so Krützberg. Sobald aber die Genehmigung vorliege, könne die Verwaltung die betreffende Vorlage sofort fertigen und einen Dringlichkeitsbeschluss auf den Weg bringen. So sei das mit allen Beteiligten und der Politik abgestimmt.

Für den Immobilienbesitzer und künftigen Vermieter Christian Otto stellt sich die Situation derzeit wie folgt dar: „Es sieht so aus, als würden die Verantwortlichen der Stadt Duisburg noch längere Zeit brauchen, um über das Soziokulturelle Zentrum und die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen zu entscheiden. Es ist in Ordnung, wenn sich eine nicht gerade reiche Kommune das genau überlegt. Für mich als privaten Vermieter könnte das demnächst allerdings problematisch werden, denn Leerstände bedeuten nicht nur keine Einnahmen, sondern Kosten. Ich werde die Räume, die das Soziokulturelle Zentrum für seinen Betrieb braucht, nicht auf unabsehbare Zeit freihalten können und hoffe, dass Duisburg darüber bald zu einer Entscheidung findet.“

Aber auch für das Bündnis „DU erhält(st) Kultur“ und seine Partner hat die Verschiebung des Entscheidungsprozesses Auswirkungen: So drohen 19.000 Euro von insgesamt 23.000 Euro vom Fonds Soziokultur bewilligte Fördermittel verloren zu gehen. Dazu schreibt das Bündnis in einer Mitteilung: „Die Bundesmittel – insgesamt 23.000 Euro – wurden uns im Mai ursprünglich für das Haushaltsjahr 2019 bewilligt. Es gelang uns, hiervon 4000 Euro ohne weitere Bedingungen bis Februar 2020 vertraglich zugesichert zu bekommen. Und die übrigen 19.000 Euro für unsere geplante sozio-kulturell-künstlerische Erprobungspraxis und deren Reflexion ins Haushaltsjahr 2020 zu transferieren. Diese 19.000 Euro werden uns jedoch nur freigegeben, sofern wir noch in 2019 einen (in 2020 fertiggestellten) Raum für unsere erprobende Praxis nachweisen können – sprich: mit einem positiven Ratsbeschluss am 25. November 2019. Ansonsten verfällt diese uns eigentlich zugesicherte Projektförderung aus Bundesmitteln.“

Krützberg dazu: „Bis Jahresende 2019 sind noch fast eineinhalb Monate Zeit. Von daher bin ich äußerst zuversichtlich, dass mit dem Eilbeschluss alles rechtzeitig klappt und die Erprobungsphase im ‚Soziokulturellen Zentrum Stapeltor‘ beginnen kann.“

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