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Duisburger Sozialbericht

Zuwanderer aus Südosteuropa haben oft keine Krankenversicherung

In Stadtteilen mit hohen Migratenanteilen wie Marxloh (im Bild) leben mehr übergewichtige Kinder als in anderen Bezirken. FOTO: dpa

Duisburg Der Sozialbericht 2019 beschäftigt sich unter dem Oberthema Integration neben Felder wie Bildung und Wohnen auch mit der Gesundheit der Stadtbevölkerung. Die Ergebnisse zeigen: Besonders in Stadtteilen mit hohen Migrantenanteilen gibt es viel Aufklärungsbedarf.

Viele Kinder in Duisburg sind zu dick. In Hochfeld, Laar, Alt-Hamborn, Marxloh und Fahrn liegt der Anteil an übergewichtigen und adipösen Kindern im Vorschulalter jeweils bei Werten über 20 Prozent. Diese Zahlen gehen aus dem Sozialbericht 2019 hervor, in dem die Verwaltung unter dem Oberthema Integration kürzlich eine Bestandsaufnahme zu diversen Themenfeldern veröffentlicht hat. Über die Themen Bildung und Wohnen haben wir an dieser Stelle bereits berichtet. Heute geht es um die im Bericht dargestellten Zusammenhänge zwischen Integration und Gesundheit.

Übergewicht bei Kindern Die erste Beobachtung, bei der die Verwaltung – bedingt durch unzureichende Aufklärung – einen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Gesundheit hergestellt hat, betrifft das Thema Übergewicht bei Kindern. Die ist im Vergleich zum Übergewicht bei Erwachsenen leicht zu erfassen, da sich alle Kinder in Duisburg der Schuleingangsuntersuchung zu unterziehen haben. Wie oben beschrieben sind die Anteile übergewichtiger oder adipöser – also fettleibiger – Kinder in bestimmten Stadtteilen deutlich höher als in anderen. Das trifft dem Bericht zufolge vor allem auf Stadtteile zu, in denen auch die Armut besonders hoch ist. Betroffen sind hier vor allem die urban geprägten Bezirke im Duisburger Norden und Hochfeld. „Die Daten unterstreichen insgesamt die Hypothese, dass Kinder mit Migrationshintergrund und ausländische Kinder überdurchschnittlich häufig übergewichtig und adipös sind“, schreibt die Verwaltung. Sie verweist vor diesem Hintergrund auf den „Bericht zur Gesundheit der Einschulkinder“, in dem die Kinder nach dem Kriterium „Erstsprache Deutsch“ voneinander unterschieden wurden. Dort zeigte sich, dass der Anteil übergewichtiger Kinder mit Deutsch als Muttersprache deutlich geringer ausfiel als der der anderen Heranwachsenden.

Früherkennungsuntersuchungen Die Teilnahme an den sogenannten Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9) wird Eltern empfohlen. Es handelt sich dabei um ein bundesweit einheitliches Früherkennungsprogramm für Krankheiten und Fehlentwicklungen jeder Art. Dem Sozialbericht zufolge hat ein stadtweiter Vergleich ergeben, dass es aber vor allem bei Untersuchungen von Kindern im vierten und fünften Lebensjahr stadtteilbedingt große Unterschiede gibt. Demnach liegt der Anteil der Kinder, die zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr eine Früherkennungsuntersuchung absolvieren, in Stadtteilen mit relativ geringen Migrationsanteilen wie Baerl, Rahm, Großenbaum oder Alt-Walsum zwischen 91,9 und 100 Prozent. In Stadtteilen dagegen, in denen viele Kinder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufwachsen – wie Fahrn, Marxloh, Neumühl oder Hochfeld –, liegt der Anteil nur bei zwischen 62,8 und 75,7 Prozent. Die Verwaltung führt diesen Umstand darauf zurück, dass es in jenen Stadtteilen viele Familien mit kleinen Kindern gibt, die das entsprechende Angebot aus ihren Heimatländern nicht kennen. Sie empfiehlt vor diesem Hintergrund eine Intensivierung der Aufklärungsarbeit.

Krankenversicherung Ein weiteres großes Problem ist dem Sozialbericht zufolge, dass Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien – anders als Flüchtlinge aus Nicht-EU-Staaten – häufig über keinen oder einen ungeklärten Versicherungsstatus verfügen. Das führt dazu – so heißt es in dem Bericht –, dass dieser Personenkreis „keine gesundheitlichen Versorgungsleistungen wahrnehmen“ kann. Die gesundheitliche Versorgung der Rumänen und Bulgaren in Duisburg sei „daher häufig sehr prekär“. Die Stadt bemüht sich diesen Menschen mithilfe der Clearingstelle einen Zugang zur medizinischen Regelversorgung zu ermöglichen. Eine große Rolle dabei spielen in Duisburg die Malteser, die alleine 2018 über 850 Patienten ohne Versicherungsschutz ohne Bezahlung behandelt haben.