Neuanfang: Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Neuanfang : Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Tiffany Tech hat im vergangenen Oktober ihr Studium an der Universität Duisburg-Essen aufgenommen. Obwohl sie sehr gerne studiert, zweifelt die 20-Jährige an ihrem eingeschlagenen Weg und ihrer beruflichen Zukunft.

Mit dem Abitur in der Tasche haben viele Schulabgänger erstmal genug von Lernen und Pflichten. Manch einer bereist entfernte Kontinente oder macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Bei Tiffany Tech ist es anders gewesen: Direkt nach ihrem Schulabschluss hat sie damit begonnen, Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen zu studieren.

Dabei war ihre Entscheidung von praktischer Natur: "Ich hatte keine Ahnung, wie ich meine Zukunft gestalten sollte", so die 20-Jährige. "Jetzt habe ich noch mindestens drei Jahre Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen." Eine Ausbildung kam für Tech zu keiner Zeit infrage, da ein Studium zwangloser sei. In einer Ausbildung hätte sie unfreiwillig direkt einen Beruf ergreifen müssen.

Die 20-Jährige hat Gefallen am Studentenleben gefunden. "Ich lerne in meinem Studium wirklich etwas für das Leben", erzählt sie. Tech könne das Leben nun kritisch hinterfragen und bekomme viele neue Informationen rund um die Themen Bildung, Erziehung und soziale Ungleichheit. Am meisten schätzt sie aber einen anderen Fakt: "Die Routine und der Zwang, wie ich ihn aus der Schule kenne, fällt weg." Sie sei viel selbstbestimmter in dem, was sie tut, aber auch in dem, was sie lernt oder welche Veranstaltungen sie besucht. Zudem lerne sie auch endlich Dinge, die ihr noch nicht bekannt sind. Ob sie das begonnene Studium der Erziehungswissenshaft zu Ende führt, wisse die Studentin aber nicht. "Ab dem vierten Semester werden Dinge behandelt, mit denen ich mich eigentlich nie beschäftigen wollte." Genug Alternativen stehen für sie aber bereit, zum Beispiel ein Studium der Politikwissenschaft.

Im Unterschied zur Schule ist sich die Studentin sicher, sei der Aufwand an der Universität größer. "Früher habe ich immer alles auswendig lernen können", sagt sie. Das könne sie an der Universität zwar auch, aber das sei nicht der Sinn der Sache. "Ich will auch etwas mitnehmen und nicht eine Woche nach der Klausur das Gelernte verdrängen." Bammel hat Tech vor einigen anstehenden Prüfungen, wie dem Forschungsprojekt, das sie zusammen mit Kommilitonen ableisten muss, oder vor Hausarbeiten - beides Prüfungsformen, die ihr komplett neu sind. In Bezug auf mündliche Prüfungen spricht die Studentin sogar von einer regelrechten "Prüfungsangst". Im schlimmsten Fall könnte das dazu führen, dass sie ihr Studium abbrechen müsse. "Ansonsten bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass ich meinen Abschluss schaffe", gibt sich die 20-Jährige selbstbewusst.

Ein großer Nachteil ihres Studiums erkennt Tech am eigenen Leib. Der Freundeskreis, der sich über die Jahre in der Schule aufgebaut hat, verläuft im Sand. "Mit zwei Leuten aus meiner Schulzeit habe ich noch regen Kontakt, erzählt Tech. "Die wohnen aber mittlerweile in Berlin, was die Freundschaft kompliziert macht." Früher sei es ein Kreis aus acht engen Freunden gewesen, mit denen sie regelmäßig Kontakt hatte. Die Studentin findet das zwar schade, weiß sich aber zu helfen: "Ich habe das Gefühl, dass man an der Universität schneller neue Leute kennenlernt, da man gemeinsame Interessen hat." Ihren feuerroten Irokesenschnitt und die Piercings sieht die Studentin, die "schon immer anders sein wollte" dabei als Vorteil. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Leuten leichter fällt, auf jemanden zuzugehen, der anders ist", sagt sie.

Sorgen macht sich Tech hingegen über die Art und Weise, wie sie ihr Studium finanziert. Die Studentin, die jahrelang in einer Pflegefamilie und in einem Heim gelebt hat, bezieht Bafög. Gemeinsam mit dem Kindergeld und der Halbwaisenrente habe sie momentan zwar keine finanziellen Sorgen, das könne sich bald aber ändern. "Ich nicht weiß, ob ich das Bafög später zurückzahlen kann", sagt sie. Nach dem zweiten Semester will sie deshalb nach einem geeigneten Nebenjob Ausschau halten.

"Studieren ist definitiv etwas Schönes, was ich noch ein paar Jahre machen werde", sagt Tech. Große Angst habe sie nur beim Blick in die Zukunft: Sie wisse noch nicht, welchen Beruf sie ergreifen kann und möchte. "Vielleicht bleibe ich mein ganzes Leben an der Universität, mache meinen Abschluss und forsche dann", sagt Tech.

(jlu)
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